7.4. Anmerkungen zu einzelnen Häusern oder Standorten in der Kaunitzgasse

 

  • Kaunitzgasse 1:

 

Der heutige Franz-Bauer-Hof (benannt nach einem ÖVP-Politiker) hat die Identadressen Gumpendorfer Straße 59 – 61 bzw. Luftbadgasse 14 – 16.

In der Luftbadgasse 14 / Gumpendorfer Straße 59 (ursprünglich das Nachbarhaus) befand sich das Esterhazy-Bad.

Der Erbauer des Bades, Josef Eggerth, hatte die Auflage zu erfüllen, dass das 1850 neu zu erbauende Haus hinsichtlich seiner Höhe so zu bemessen sei, dass es dem Esterhazázypalais nicht die Aussicht verstelle. 1857 wurde (mit Genehmigung Fürst Esterházys) ein drittes Stockwerk aufgesetzt und das Etablissement daraufhin "Badhaus zum Fürsten Esterházy" benannt. [1]

 

 

 

  • Kaunitzgasse 3-5 / Identadresse Eggerthgasse 11: eines der ältesten Gebäude in der Kaunitzgasse, erbaut 1874

 

 

  • Kaunitzgasse 7: das älteste Gebäude der Kaunitzgasse, Baujahr zwar nicht bekannt, aber vermutlich Ende des 18. Jh.

 

 

Abb. 58. Kaunitzgasse 7 – Foto Autor (2018)

 

 

In Bienerts Ratzenstadelmodell ist klar zu erkennen, dass es sich um einen Gastbetrieb handelte.

 

 

Abb. 59. Kaunitzgasse 7 – Anton Bienert, Ratzenstadlmodell im Bezirksmuseum Mariahilf – Foto Autor (2018)

 

  • Einmündung der Dürergasse in die Kaunitzgasse (1863: Kaunitzgasse 11):

 

Hier muss 1863 das Geburtshaus der Burgtheatertragödin Josefine Wessely (1860 – 1887), Tochter eines Schuhmachers, Tante der Burgschauspielerin Paula Wessely, gestanden sein:

 

 

 

Dieses Haus aus einer anderen Perspektive: vom Hohen Steig (heute in diesem Bereich ungefähr der Dürergasse entsprechend) aus Richtung Kaunitzgasse gesehen:

 

 

Abb. 60 c. Wienbibliothek digital / Varia / Geburtshaus der Hofschauspielerin Josefine Wessely, letztes Haus im Hohen Steig.

Das Haus rechts, demoliert 1904

[Alt-Wiener Ansichten], [Sammlung von Zeitungsillustrationen und Ansichtskarten aus den Jahren um 1900 - 1910 ;

Konvolut] / [ges. und zsgest. von Karl Blaschke], Bd 1-2/49

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/2035851 (Zugriff: 28.3.2018)

 

 

 

Abb. 61. Josephine Wessely (1860 – 1887), österreichische Schauspielerin.

Von Rudolf Krziwanek - Dieses Bild ist Teil der Porträtsammlung Friedrich Nicolas Manskopf der Universitätsbibliothek der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.Signatur: 5544141Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2957797

 

 

 

  • Kaunitzgasse 33 / Identadresse Magdalenenstraße 20 – vgl. auch Fassade auf Abb. 35a:

  

Kaunitzgasse 33 – einige bemerkenswerte Details

 

 

Das Wandbild in der Magdalenenstraße 20

 

An der Identadresse von Kaunitzgasse 33 in der Magdalenenstraße 20 kann man seit 2015 ein Bild bewundern, das zum Nachdenken anregen soll. Viele Leute bringen es – wegen des nahen Ratzenstadl-Denkmals – fälschlicherweise mit einem Rattenfänger in Verbindung.

 

Kurzbeschreibung: Der dominikanische Künstler Evoca1 hat einen Mann mit Mütze dargestellt, der auf ein Aquarium mit Fischen anblickt. Zu seinen Füßen sitzt ein Windhund.

 

Das Bild ist symbolisch zu deuten: Ganz in der Nähe befindet sich im Esterhazypark ein Flakturm, dessen Errichtung auf eine Anordnung Hitlers in den 1940er Jahren zurückgeht. Er wird von vielen als Schandfleck und Mahnmal gesehen. Die dunkle Vergangenheit wird durch den Windhund repräsentiert. Hitler forderte die Jugend auf, „flink wie Windhunde“ zu sein.

Die Goldfische im Aquarium stehen in enger Beziehung zur heutigen Nutzung des Flakturms als „Haus des Meeres“. Es wird gezeigt, dass ein Wandel der Ziele und Ideale erfolgt ist, dass aus der schrecklichen Vergangenheit, die noch immer sichtbar ist, positive Zukunftsperspektiven erwachsen sind. [2]

 

  • Kaunitzgasse 35:

 

In einem Vorgängerhaus wurde Ferdinand Kürnberger geboren. Das Haus hatte damals die Konskriptionsnummer Magdalenagrund 18 – diese Adresse ist auch im Taufbuch vermerkt. [3]

 

Die Angaben bezüglich des Geburtsortes (angeblich Laimgrube) bei Wikipedia sind also nicht korrekt. [4]

Kürnberger war Dichter und Journalist, der sich schon früh von Österreich bzw. Wien distanzierte. In diesem Sinn ist auch das Zitat aus einem seiner Werke zu deuten: „Von Zeit zu Zeit seh‘ ich die Alte gern.“

Die Worte aus Goethes „Faust“ – Mephistopheles bezeichnet hier Gott als „den Alten“ – werden von Kürnberger etwas verändert, aber auch erklärt: „Unter der Alten verstehe ich meine Vaterstadt Wien.“ [5]

 

 

Das Haus ist leider derzeit (März 2018) eingerüstet, die Gedenktafel konnte jedoch fotografiert werden.

 

 

 

Abb. 64. Gedenktafel Ferdinand Kürnberger am Haus Kaunitzgasse 35 – Foto Autor (2018) 

 

 

 

[1] Wien Geschichte Wiki: Esterházybad; online: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Esterh%C3%A1zybad  (Zugriff: 27.3.2018)

[2] Vgl. dazu Internetseite von „The Gap“; online: https://thegap.at/fisch-hund-flakturm/ (Zugriff: 27.3.2018)

[3] Taufeintragung von Ferdinand Kürnberger, „Magd. G. No 18", Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Mariahilf, Taufbuch 01-07, Fol. 28, Bild 04-Taufe_0030, Taufe vom 3. Juli 1821; online:

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/01-07/?pg=61 (Zugriff: 27.3.2018)

[4] Wikipedia: Ferdinand Kürnberger; online: https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_K%C3%BCrnberger (Zugriff: 28.3.2018)

[5] Bushell 2013

Anthony Bushell, Polemical Austria. The Rhetorics of National Identity from Empire to the Second Republic, Cardiff 2013, online: https://www.docdroid.net/hkfz/polemical-austria-the-rhetorics-of-national-identity-from-empir.pdf#page=122 (Zugriff: 27.3.2018)