7.1. Konskriptionsnummern und Orientierungsnummern –        Überlegungen zum Häuserbestand 1863

 

Zuerst soll der gesamte Kaunitzberg gezeigt werden – anhand von Winklers Bezirksplan, mit den neuen Orientierungsnummern von 1863, aber auch mit den früheren Konskriptionsnummern.

 

 

 

Abb.49. Die frühere Vorstadt Magdalenengrund;

Wienbibliothek digital / Stadtpläne und Karten / Michael Winkler, 9 Bezirks-Pläne : Grundrisse der Häuser, Gassen, Straßen und Plätze mit den alten Grundbuchs- und den neuen Orientirungs-Nummern, sammt den neuen Gassenbenennungen dann zum Handgebrauche 1 General-Gassen-Plan der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien ... / von Michael Winkler; online:

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/zoom/1825269?zoom=6&lat=4085.61458&lon=3925.125&layers=B (Zugriff: 25.3.2018)

 

Bei der Beschreibung des Ratzenstadlmodells von Anton Bienert im Kapitel 6.2. stand die Frage nach der Verbauung der Kaunitzgasse bereits einmal im Mittelpunkt.

 

Im Zusammenhang mit dem Übergang von Konskriptionsnummern zu Orientierungsnummern und den baulichen und kartografischen Maßnahmen, die zu dieser Zeit vollzogen wurden, ist es allerdings angebracht, sich nochmals – aus anderer Sicht – mit diesem Thema zu beschäftigen.

 

.) Es scheint so, als würden bei den Orientierungsnummern der Kaunitzgasse die Nummer 17 und die Nummer 19 fehlen.

Auf Winklers Bezirksplan von 1863 ist allerdings zu erkennen, dass es zwischen Kaunitzgasse Nr. 15 und Kaunitzgasse Nr. 21 einen sehr schmalen Weg gab, der ungefähr parallel zur Bergsteiggasse verlief und der früher die Bezeichnung „Kegelgasse“ gehabt hatte. An die einzigen zwei Häuser dieser Gasse wurden die Orientierungsnummern Kaunitzgasse 17 und 19 vergeben.

 

.) Wie weit die gelb gefärbten Grundstücke verbaut waren, lässt sich nach diesem Plan allerdings nicht sagen. Es scheinen lediglich öffentliche Flächen nicht gefärbt worden zu sein. Unbebaute Flächen, die zu einer bestimmten Orientierungsnummer gehörten, wurden nicht eigens gekennzeichnet.

So ist z. B. nicht erkennbar, dass Kaunitzgasse Nr. 3 damals noch unverbaut war. Die Recherchen in den Häuserverzeichnissen beweisen, dass auf diesem ursprünglichen Gartengrund erst 1874 ein Haus errichtet wurde (vgl. Kapitel 12, Kaunitzgasse – Verzeichnis der Häuser mit ungeraden Nummern, Kaunitzgasse 3, vgl. die Untersuchungen in Kapitel 10.2. zur Verbauung der Kaunitzgasse).

 

.) Das Haus bzw. Grundstück mit der Nummer Kaunitzg. 31 ragte auf Winklers Bezirksplan 1863 eindeutig in die Straße hinein und stellte somit ein Verkehrshindernis dar. Der Plan von Smöch aus dem Jahr 1877, der die Baulinien genau wiedergibt, zeigt jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt bereits ein anderes Gebäude dort stehen muss bzw. das Verkehrshindernis beseitigt ist.

 

 

 

Abb. 50. Neubau Kaunitzgasse 31 - Smöch 1875,

Wienbibliothek digital / Häuserschematismen und Straßenverzeichnisse / Häuser-Schema der K. K. Reichs-Haupt- und Residenzstadt Wien : mit deren zehn Bezirken und den Vororten ...15 Plänen / hrsg. von Peter Smöch, online:

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/zoom/341752?zoom=6&lat=2368.26018&lon=3901.554&layers=B (Zugriff: 25.3.2018)

 

Es ist also anzunehmen, dass das alte, einstöckige Haus mit der KNR Magdalenagrund 20 (später Magdalenenstr. 86, ab 1912 Nr. 18), dessen niedriger Seitenflügel in die Kaunitzgasse hineinragte, nach 1863 in ein Gebäude mit 3 Stockwerken umgewandelt wurde.

Schlessinger gibt im Kataster 1885 dafür das Jahr 1868 an, Czapek nennt dasselbe Jahr, bezeichnet die Veränderung aber als „Umbau“.

Abb. 35a im Kapitel 6.2. beweist, dass die Fassade des Hauses Nr. 31 (des mittleren Hauses) offenbar jene von 1868 ist. Wenn in den HV 1905 (Lenobel) und 1929 (Salzberg) Baujahr 1785 oder gar 1767 angegeben wird, dann kann sich das auf die Substanz des Hauses oder auf bestimmte Teile beziehen.

(Vgl. Kapitel 8, Kaunitzgasse – Verzeichnis der Häuser mit ungeraden Nummern, Kaunitzgasse 31)