5.2. Überlegungen zur Lokalisierung des Ratzenstadls

oder: Welches Gebiet wurde als Ratzenstadl bezeichnet?

 

In früheren Zeiten wurden die Bezeichnungen „Magdalenengrund“ und „Ratzenstadl“ oft gleichgesetzt:

  •  z.B. im Stiftsbrief des Joseph Johann Edlen von Tepser 1768 (vgl. Kapitel 5.1. / Helfert 1860 /  Fußnote 11)

 

Zumindest aber wurde damit die Siedlung auf dem Kaunitzberg bezeichnet. Das ist belegbar durch

  • den Vogelschauplan von Huber (vgl. Kapitel 5.1. / Abb. 10)
  • das Ratzenstadl-Modell von Anton Bienert (vgl. Kapitel 5.1. / Abb.8)
  • zahlreiche Bilder, Fotos und andere Kunstwerke, die Gebäude zeigen, die weit voneinander entfernt sind, z. B. Kapitel 5.1. / Abb. 9 (Magdalenensteg) und Kapitel 5.3. / Abb. 21 (Haus Nr. 21 in der Kaunitzgasse)

 

So, wie die Bezeichnung im Laufe der Jahrzehnte oder Jahrhunderte eine negative Bedeutung bekommen hat, hat sich auch die Größe des damit bezeichneten Gebietes verändert.

 

Eine kleine Anekdote:

 

Bei einer Fototour, die mich auch in die Dürergasse führte, wurde ich von einer älteren Dame (Geburtsjahr wohl zwischen 1950 und 1955) gefragt, was ich hier suche. Als ich dieser Bewohnerin eines Hauses Ecke Dürergasse / Eggerthgasse mitteilte, dass ich mich mit dem früheren Ratzenstadl beschäftigte, meinte sie: „Das ist aber viel weiter da vorne gewesen“, und zeigte in die Richtung, wo heute das Ratzenstadldenkmal steht (Magdalenenstraße 12).

Einerseits wurde spürbar, dass sie sich von diesem für sie offenbar negativen Begriff distanzieren wollte, andererseits kannte sie ja ein sehr beliebtes Motiv des Ratzenstadels, das nur wenige Schritte von ihrem Wohnhaus entfernt war, nämlich die Magdalenenstiege oder Ratzenstadlstiege, nicht mehr. Die Häuser, die heute dort stehen, wurden 1902 erbaut. Das letzte Relikt des alten Ratzenstadls in der Magdalenenstraße dagegen wurde erst um 1960 abgerissen – wahrscheinlich hat sie das als Kind miterlebt.

 

Es ist ja bemerkenswert, dass auf dem Denkmal selbst folgender Text steht:

 

 

  

AN DIESER STELLE STAND

DAS ALTE RATZENSTADL.

DIESE WOHNHAUSANLAGE WURDE IN DEN JAHREN

1965 – 1967

VON DER GEMEINDE WIEN,

WIENER STADTBAUAMT, ERRICHTET.

 

 

 

Diese Zeilen, die das Ratzenstadl gebietsmäßig mit der dortigen Wohnhausanlage gleichsetzen, sind irreführend und widersprechen der Verwendung der beiden Motive, die links und rechts davon zu sehen sind (vgl. Abb. 19 und Abb. 12 im Kapitel 5.3.).

1967 hat man im Stadtbauamt das Areal aus einer ähnlichen Sicht wie die „Zeitzeugin“ aus der Dürergasse gesehen.

Der Künstler Viktor Hammer dagegen, der auch die beiden bekanntesten Motive (einige Häuser in der Kaunitzgasse und die Magdalenenstiege in der Magdalenenstraße) nachbildete, hat das Gebiet – wohl entsprechend seinen Vorlagen für die künstlerische Gestaltung – wesentlich weiter gefasst. [1]

 

 

 

[1] Wikipedia: Viktor Hammer (Bildhauer), online: https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Hammer_(Bildhauer)

(Zugriff: 21.3.2018)