3. VIER BESONDERE WOHNADRESSEN IN DER PFARRE MARIAHILF

 

Bei der Indexerstellung für die Trauungen in Mariahilf in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fielen 4 Wohnadressen besonders auf, weil sie in den Heiratsbüchern von Mariahilf extrem oft genannt wurden. [1]

 

Gumpendorf, KNR 12 (ab 1863 Magdalenenstr. 61, heute Magdalenenstr. 21)

Gumpendorf, KNR 14 (ab 1863 Magdalenenstr. 65, heute Magdalenenstr. 25)

Magdalenagrund, KNR 22 (ab 1863 Magdalenenstr. 82, heute im Bereich von Magdalenenstr. 12)

Magdalenagrund, KNR 31 (ab 1863 Magdalenenstr. 43, heute Magdalenenstr. 3 – 7)

 

Es ist bemerkenswert, dass alle vier Standorte sehr nah beisammen liegen und heute Orientierungsnummern der Magdalenenstraße haben.

 

 

Die ersten beiden Häuser gehörten eigentlich zur Vorstadt Gumpendorf, lagen aber knapp an der Vorstadtgrenze zum Magdalenagrund. Deshalb war pfarrlich für sie, auch wenn in HV 1852 etwas anderes zu lesen ist, Mariahilf zuständig  (vgl. Kapitel 2) – auch in den Tauf- und Sterbebüchern der Pfarre Mariahilf kommen diese Adressen vor.

 

 

Um die Häufigkeit des Vorkommens innerhalb der Trauungsbücher festzustellen, wurden die Heiratsbücher im Zeitraum von 14 Jahren (1850 – 1863) nach diesen Adressen bzw. den entsprechenden Brautleuten durchsucht.

 

·         Zu Gumpendorf KNR 12:

Bei 24 Trauungen zwischen 1850 und 1863 wurde für einen Ehepartner oder sogar für beide Brautleute die Wohnadresse Gumpendorf KNR 12 angegeben.

 

·         Zu Gumpendorf KNR 14:

Bei 26 Trauungen zwischen 1850 und 1863 wurde für einen Ehepartner oder sogar für beide Brautleute die Wohnadresse Gumpendorf KNR 14 angegeben.

 

·         Zu Magdalenagrund KNR 31:

Bei 22 Trauungen zwischen 1850 und 1863 wurde für einen Ehepartner oder sogar für beide Brautleute die Wohnadresse Magdalenagrund KNR 31 angegeben.

 

·         Magdalenagrund KNR 22 wurde genauer untersucht, weil dieses Gebäude besonders im Kapitel 6.3. im

  Mittelpunkt steht.

 

Bei 8 Trauungen zwischen 1850 und 1863 wurde für beide Ehepartner die Wohnadresse Magdalenagrund KNR 22 angegeben.

 

Bei 5 Trauungen zwischen 1850 und 1863 wurde nur für die Braut die Wohnadresse Magdalenagrund KNR 22 angegeben.

 

Ab 1859 erschien das Wiener Adressenverzeichnis Lehmann. Ich durchsuchte die Jahrgänge 1859, 1860, 1861 und 1864 (1862 und 1863 erschien der Lehmann nicht) nach den 13 Namen der Bräutigame, fand aber keinen einzigen mit dieser Adresse.

 

Der Grund dafür dürfte vor allem darin liegen, dass es sich beim Lehmann-Adressbuch von Wien zwar um einen „Nachweis sämmtlicher Einwohner von Wien nebst Umgebung“, aber „mit Ausschluß der Gewerbegehülfen, Tagelöhner und Dienstboten“ handelt. [2]

 

Es scheint so, als wäre die Wohndauer jener Paare, die bei der Trauung hier ihre Wohnadresse angegeben haben, extrem kurz gewesen. Jedenfalls finden sich in den Taufbüchern fast keine Einträge ihrer Kinder mit dieser Adresse.

 

Ein einziges Paar war bei drei kirchlichen Anlässen mit dieser Wohnadresse eingetragen: [1]

Josef Hofer, Harmonikamacher ∞ Katharina Schmied –

Trauung: 22.7.1861

Taufen: 17.12.1861 und 17.10.1863

 

Der Hausbesitzer Georg Nickel hat lt. Lehmann (Stichproben 1859 und 1865) nicht in diesem Haus gewohnt.

 

Von Mai 1858 bis zum Jahr 1870 hat (laut Taufeintragungen, aber auch lt. Lehmann die Hebamme (Maria) Anna Maschka gewohnt. Vor Mai 1858 ist als Adresse Magdalenagrund 20 angegeben (zwei Häuser weiter). [1] [2]

 

Die Eintragungen in den Sterbebücher informieren uns darüber, dass in diesem Haus immer wieder Kinder gestorben sind, zum Teil von Eltern, deren Trauung offenbar nicht in der Pfarre Mariahilf stattgefunden hat, zum Teil aber auch von ledigen Müttern, deren Adresse mit „Magdalenagrund 22“ angegeben ist. Es scheint kein Zufall zu sein, dass in diesem Haus eine Hebamme wohnte. [1]

 

Die Konzentration der Hinweise auf den Magdalenagrund hat mich veranlasst, diese damalige Vorstadt, späteren Bezirksteil von Mariahilf, näher zu untersuchen.

 

 

 

[1] Matricula online, Österreich, Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Mariahilf; online: http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/ (Zugriff: 29.3.2018)

[2] Lehmann (mit Jahreszahl)

Adolph Lehmann, Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger: nebst Handels- und Gewerbe-Adreßbuch für die k. k. Reichshaupt und Residenzstadt Wien und Umgebung. Wien 1859 – 1942; online:

https://www.digital.wienbibliothek.at/periodical/structure/5311 (Zugriff: 29.3.2018)