„Drei jüdische Emigranten und ihre Familien –

Viktor Ephrussi, Dr. Oskar Samek, Maximilian Resch.

Flucht aus Österreich im Jahr 1938“.

 

Wien, im September 2020

 

 

 

Ein Artikel von Günter Oppitz für die Homepage www.guenteroppitz.at

 

 

 

IMPRESSUM 

 

 

Copyright © 2020 Günter Oppitz, Wien

 

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INHALT DES GESAMTEN ARTIKELS

 

 

 

Titel

Gesamtinhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Einleitung

 

 

2.0. Familie Ephrussi

2.0.1. Teil Ephrussi - Titel, Inhalt, Einleitung

2.1. Ephrussi - Genealogisches und Biografisches

2.2. Ephrussi - Religion, Beruf und soziales Umfeld

2.2. Ephrussi - Exkurs 1 Familie Schey, Wohnsitze in der Innenstadt, in    

       den früheren Vorstädten und Vororten und am Land

2.2. Ephrussi - Exkurs 2 Familie Gutmann

2.2. Ephrussi - Exkurs 3 Familie Altmann

2.3. Ephrussi - Die Flucht 1938

2.4. Ephrussi - Hausbesitz - Enteignung und Restitution

2.5. Ephrussi - Splitter zum Leben in der Fremde

2.6. Ephrussi - Erinnerungen

2.7. Ephrussi - Abkürzungsverzeichnis und Literaturverzeichnis

 

 

3.0. Familie Samek

3.0.1. Teil Samek - Titel, Inhalt, Einleitung

3.1. Samek - Genealogisches und Biografisches

3.2. Samek - 0. Religion und Beruf – wichtige Personen in Oskar Sameks Leben

3.2. Samek - Exkurs 1 Karl Kraus

3.2. Samek - Exkurs 2 Antonia Schalda, verehelichte Fantner, später verehelichte Kindl

3.2. Samek - Exkurs 3 Erna Fleck

3.2. Samek - Exkurs 4 Hedwig (Hede) Marienschek

3.3. Samek - Die Flucht 1938

3.4. Samek - Hausbesitz - Enteignung und Restitution

3.5. Samek - Splitter zum Leben in der Fremde

3.5.1. Samek - Briefwechsel zwischen Dr. Oskar Samek und Prof. Albert Bloch

3.5.2. Samek - Exkurs 5 Prof. Albert Bloch

3.5.3. Samek - Exkurs 6 Margit Schey, geb. Kux

3.6. Samek - Erinnerungen

3.7. Samek - Abkürzungsverzeichnis und Quellenverzeichnis

 

 

 

4.0. Familie Resch

4.0.1. Teil Resch Titel, Inhalt, Einleitung

4.1. Resch - Genealogisches und Biografisches

4.2. Resch - Beruf und Stellung in der Gesellschaft – Freunde, Helfer, Nutznießer

4.2. Resch - Exkurs 1 Maximilian Reschs Geschwister

4.2. Resch - Exkurs 2 Johann Fischa

4.2. Resch - Exkurs 3 Rudolf Aladar Metall

4.2. Resch - Exkurs 4 Erhard Dier

4.3. Resch - Die Flucht 1938

4.4. Resch - Hausbesitz - Enteignung und Restitution

4.5. Resch - Splitter zum Leben in der Fremde

4.6. Resch - Erinnerungen

4.7. Resch - Abkürzungsverzeichnis und Quellenverzeichnis

 

5.0. Schlussteil  

5.1. Einige Beobachtungen zu Vokabular, Sprache und Kommunikation in der NS-Zeit

5.2. Zusammenfassung in Form von Vergleichen

 

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Kapitel 1. Einleitung

 

Motivation für den Artikel und Gründe für die Auswahl dieser drei Familien:

 

Im Rahmen meiner genealogischen bzw. häuserkundlichen Arbeiten beschäftigte ich mich mit zwei Familien, deren jüdischer Hausbesitzer 1938 Österreich verlassen musste:

 

1) Von Frau Gerlinde Kainz (sie legt Wert darauf, dass ihr Name genannt wird) wurde ich 2019 um die Ausarbeitung der Geschichte des Hauses Reindorfgasse 18 gebeten, das sich im Besitz des jüdischen Rechtsanwalts Dr. Oskar Samek befunden hatte. Dieser Artikel befindet sich auf meiner Homepage www.guenteroppitz.at

Bei dieser Gelegenheit sah ich zum ersten Mal Grundbucheintragungen, in denen einem jüdischen Hausbesitzer mit einer empörenden Selbst-verständlichkeit bzw. ohne sinnvolle Begründung sein Eigentum genommen wurde.

 

2) Eine Enkelin des erfolgreichen Firmendirektors und Managers Maximilian Resch, die ihren Großvater kaum kannte – sie wurde 1938 in Österreich geboren und hat ihn danach im Ausland nur dreimal relativ kurz gesehen, heute lebt sie in den USA – hat versucht, durch Familienforschung (ich stand diesbezüglich jahrelang mit ihr in Kontakt) mehr über ihre Wurzeln in Österreich bzw. Böhmen und Mähren zu erfahren. Viele schreckliche Ereignisse hat sie als Kind nicht bewusst miterlebt, sondern erst in den letzten Jahren erfahren oder im vollen Ausmaß erfasst, und sie ist daran interessiert, dass diese Geschehnisse auch veröffentlicht werden.

Auch sie ist damit einverstanden, dass ihr Name in diesem Artikel genannt wird und dass ihre privaten Informationen und Fotos in dieser Arbeit verwendet werden dürfen.

Frau Susanna Easton, geb. Fischa, ist die Enkelin von Max Resch, wurde im Februar 1938 geboren und wusste bis zum 11.11.2019 nichts davon, dass sie im August 1938 per Schenkungsvertrag zur Besitzerin einer Haushälfte wurde und somit (unwissentlich) mithalf, die Villa in Klosterneuburg – Weidling vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu retten.

 

 

3) Durch einen Besuch der Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ des Jüdischen Museums Wien am 19. 11. 2019 wurde der Autor auch zum Vergleich mit der Emigration der Familie Ephrussi im Jahr 1938 angeregt, deren Schicksal er anschließend wieder einmal durch das Buch miterlebte.

Bezüglich der Familie Ephrussi war das Buch „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ eine wesentliche Quelle in Hinblick auf Informationen über jene Zeit.

Dabei musste auf den genialen Erzählstil Edmund de Waals verzichtet werden, der den Eindruck erweckt, der Ich-Erzähler sei unmittelbar am Geschehen beteiligt bzw. unmittelbarer Beobachter des Geschehens – ein Verfahren, das wohl zum großen Erfolg dieses Buches mit beigetragen hat. Mein Ziel dagegen war es, die Fakten möglichst sachlich und übersichtlich darzustellen und die Quellen für bestimmte Ereignisse möglichst präzise anzuführen.

 

Dass es sich ausschließlich um begüterte jüdische Emigranten handelt, die im Mittelpunkt des Artikels stehen, hängt zum Teil mit den Quellen zusammen, die für diese Dokumentation herangezogen wurden: Grundbücher, Urkundenbücher, Vermögensnachweise. Es ist aber auch bedingt durch die Tatsache, dass sie sich die Reichsfluchtsteuer „leisten konnten“, um das Land zu verlassen und dadurch zu überleben. In dieser Arbeit konnte nur angedeutet werden, dass viele Juden den finanziellen Aufwand für die Flucht nicht bestreiten konnten oder den richtigen Zeitpunkt für eine Emigration verpassten und im KZ ermordet wurden. (Vgl. Kapitel 4.2. Resch - Exkurs 1: Maximilian Reschs Geschwister / Siegmund Resch 3i)

 

Auch wenn die Familien Ephrussi, Samek und Resch ihren Besitz gänzlich verloren – sie konnten sich durch ihren finanziellen Wohlstand wenigstens die Auswanderung „erkaufen“. Tausende, die nicht so viel besaßen oder den richtigen Zeitpunkt verpassten, wurden deportiert und schließlich in Konzentrations-lagern ermordet.

 

Das Gemeinsame an den Verfolgten war jedenfalls: Sie waren Juden, die 1938 das Land verlassen mussten.

Auch wenn alle drei sehr begüterte und angesehene Personen waren, gab es doch beträchtliche Unterschiede – in der Herkunft, beruflich, familiär und bezüglich des Verlaufs der Flucht und des Aufenthalts in der Fremde.

 

Ein Vergleich drängt sich bereits in der Einleitung bei den drei „Gewährspersonen“ auf, denen die Anregungen zu diesem Artikel und viele Informationen zu den Emigranten zu verdanken sind.

 

Eine Bewohnerin des Hauses Reindorfgasse 18 wollte an einen bedeutenden Besitzer dieses Hauses, Dr. Oskar Samek, beziehungsweise an seine Verdienste um Karl Kraus erinnern.

Die Enkelin von Maximilian Resch verfasste Memoiren, die sie mir für den Artikel zur Verfügung stellte.

Ein in England lebender Nachfahre der Familie Ephrussi begab sich auf eine lange Entdeckungsreise, u.a. nach Wien, um mehr über seine Vorfahren zu erfahren. Während er bei seiner literarischen Schilderung gewissermaßen immer am Ort des Geschehens ist und seine Gefühle mit einbringt, versuche ich die Fakten aus dem dichterischen Werk herauszulösen und die hervorragenden zeitgeschichtlichen Recherchen  zu nützen.

Eine Kontaktaufnahme mit dem Autor des Buches, Herrn Prof. Edmund de Waal, erfolgte erst knapp vor Fertigstellung des Artikels.

 

 

Struktur:

 

Der gesamte Artikel wurde aus organisatorischen Gründen bzw. wegen des großen Umfangs in fünf verschiedene Abschnitte geteilt:

1) Einleitung

2) Familie Ephrussi

3) Familie Samek

4) Familie Resch

5) Zur Sprache in der NS-Zeit und Zusammenfassung in Form von Vergleichen

 

Die Abschnitte über die drei Familien wurden immer nach dem gleichen Schema gestaltet:

1) Genealogisches und Biografisches – als Grundlage

2) Religion, Beruf, soziales Umfeld

In Exkursen kann beispielhaft gezeigt werden, welche Persönlichkeiten im Leben der Emigranten eine große Rolle gespielt haben.

3) Die Flucht 1938

Manche interessante Details können zwar nicht erklärt werden, weil Quellen fehlen, aber es soll wenigstens die Chronologie der Ereignisse übersichtlich dargestellt werden.

4) In diesem Kapitel geht es um Auto-, Grund- und Hausbesitz, wobei auf Restitution nur fallweise eingegangen werden kann. Es war mir ein wesentliches Anliegen, die Grundbucheintragungen und manche Eintragungen in den Urkundenbüchern zu transkribieren. In dieser Form sollen sie den Lesern ein klareres Bild vermitteln, wie man mit Juden umgegangen ist. Erklärungen, Erläuterungen und Ergänzungen sind an der blauen Farbe zu erkennen.

5) In „Splitter aus der Fremde“ werden die Lebensumstände, bestimmte Ereignisse und markante Einzelheiten im Exil genauer untersucht. Ein Briefwechsel kann, wie man bei Dr. Oskar Samek sehen kann, sehr ergiebig sein.

6) „Erinnerungen“ rundet die Betrachtungen mit den Fragen „Wer erinnert an die Emigranten?“ bzw. „Was erinnert an jene, die 1938 Österreich verlassen haben?“ ab.

7) Bei jedem Abschnitt (Ephrussi, Samek, Resch) gibt es ein eigenes Abkürzungsverzeichnis und Quellenverzeichnis.

 

Den Schlussteil bilden einerseits ein Kapitel mit Beobachtungen zur Sprache in der NS-Zeit, andererseits Vergleiche in Hinblick auf das Schicksal der Emigranten, die gleichzeitig als Zusammenfassung zu verstehen sind.

 

Methode:

 

Es wurde versucht, immer möglichst von der Quelle auszugehen oder etwa vorhandene Informationen durch die Suche nach Belegen (Matriken, Dokumenten) abzusichern. Diese Details führten dann oft zu weiteren interessanten Erkenntnissen und manchmal zu überraschenden Ergebnissen.

 

Intentionen und Adressaten:

 

Der Artikel soll vor allem jenen, die sich mit Emigration noch nicht viel beschäftigt haben (dazu zähle ich auch mich selbst), Eindrücke vermitteln, mit welcher Unverfrorenheit sich die Machthaber in den Grundbüchern und Bescheiden auf irgendwelche „Gesetze“ und „Verordnungen“ hinwiesen, die sie selbst erlassen hatten und mit denen den jüdischen Bürgern ihr Eigentum genommen wurde. Es soll die Willkür gezeigt werden, der die Juden ausgeliefert waren.

 

Der Aufsatz richtet sich außerdem an die Nachfahren der Emigranten, die vielleicht doch einzelne Facetten darin entdecken können, die ihnen neu sind.

Er soll aber auch eine Informationsquelle für Wissenschaftler bzw. wissenschaftlich Interessierte sein, die vielleicht Brauchbares für ihre Arbeiten finden.

 

Organisatorisches:

 

Die Fußnoten zu den einzelnen Kapiteln sind jeweils unmittelbar im Anschluss zu finden, jeder Abschnitt über die einzelnen Familien hat eine eigene Einleitung mit Danksagung an hilfreiche Personen oder Organisationen, ein eigenes Abkürzungsverzeichnis und ein eigenes Quellen- bzw. Literaturverzeichnis. Die Quellen für den Schlussteil 5.1. findet man im Quellenverzeichnis Ephrussi.

 

Ich bin allen Lesern dankbar für Hinweise auf Fehler und Anregungen für Ergänzungen. Es wird bei diesem Artikel sicher im Laufe der nächsten Wochen einige Updates bzw. kleine Änderungen geben.

 

Wien, im September 2020                                                                          Günter Oppitz