4.3.2. Dokumente – Mündliche Überlieferung

 

Vergleich der Fakten, die aus den Akten hervorgehen, mit der mündlichen Überlieferung:

 

Mündliche Überlieferung:[8]

 

 

Im März 1938, als Hitler in Österreich einmarschierte, war Rudolf Metall, einer der Schwiegersöhne von Max und Martha Resch, in Genf. [9] Er rief seine Frau Grete an und forderte sie auf, einige Koffer zu packen, ihre Mutter und ihren Vater und die Dackel mitzunehmen, in einen Zug zu steigen und sofort nach Genf zu reisen. …

Martha Resch war keine Jüdin. Sie wollte ihr schönes Haus nicht verlassen, ihr Dienstpersonal aufgeben und das weitere Leben bei ihrer Tochter verbringen. Sie dachte, als Katholikin [10] würde sie vor der Verfolgung durch die Deutschen sicher sein, und sie lehnte es strikt ab, das Land zu verlassen. [12]

 

Dokumente:

 

Vieles an diesem Bericht dürfte stimmen, auch wenn manches nicht nachprüfbar ist. Aber die Chronologie und der konkrete Hergang der Ereignisse sind zu hinterfragen:

Am 2. April 1938 wurde Max Resch der Pass abgenommen, erst am 9. August wurde – nach einem hartnäckigen Kampf – die Ausreisebewilligung erteilt. Eine spontane Ausreise aufgrund eines Telefonats wäre undenkbar gewesen. Außerdem scheint, da kein Antrag von Martha Resch zu finden ist, ihr weiterer Aufenthalt in Österreich langfristig geplant gewesen zu sein – auch wenn das von den Behörden nicht mit Sicherheit angenommen werden konnte. Sie war übrigens zwar katholisch getauft [10], aber bei ihrer Trauung bereits konfessionslos [11].

 

Dass Rudolf Aladar Metall die Bemühungen um die Ausreise in die Schweiz unterstützt bzw. vorangetrieben hat, dass Max Resch in Begleitung seiner Tochter Margarethe und mit seinen zwei Dackeln am 9. August oder kurz danach eilig abgereist ist, ist sehr wahrscheinlich.