4.2. Resch - Exkurs 4: Erhard Dier

 

Der Taufpate von Max Reschs Enkelin Susanna Easton, geb. Fischa

 

 

Abb. R 28. Erhard Amadeus Dier im Jahr 1955

Foto: Privatbesitz Fam. Resch – Fischa;

Quelle: Susi memoirs S. 20

 

 

Zu den besten Freunden von Trude Resch, verheiratete Fischa, der Tochter von Max und Martha Resch, gehörte Stephanie Kugler, die in der heute so genannten Dier – Villa in der Löblichgasse 19, nur 10 Minuten zu Fuß von der Resch – Villa, wohnte. Die beiden Damen kannten einander lt. Familienüberlieferung aus der gemeinsamen Schulzeit (ob in Klosterneuburg oder Wien, ist unbekannt).

 

 

Laut Grundbuch war die Familie Kugler ab 1910 im Besitz dieses Hauses. [1]

 

 

Abb. R 29. Klosterneuburg-Weidling, „Villa Dier“, Löblichg. 19

Foto: Günter Oppitz (10.10.2019)

 

Ihre Mutter wurde 1905 geboren (in Teplitz-Schönau) und 1906 getauft. Laut Diplomarbeit von Doris Ebner müsste Stefanie Kugler um 1906 geboren worden sein. [2]

 

Wann Stephanie Kugler und der akademische Maler bzw. Kunstakademiker Erhard Dier einander kennen gelernt haben, ist nicht bekannt, aber aus der folgenden Biografie ist zu erschließen, dass dies wohl in den frühen dreißiger Jahren erfolgt sein muss.

 

Jedenfalls war Amadeus Dier 1938 Taufpate [3] der Enkelin von Max Resch, die, wie im Kapitel 4.4. – Resch – Hausbesitz – Enteignung und Restitution gezeigt wird, ohne ihr Wissen eine große Rolle bei der Rettung des Hausbesitzes gespielt hat.

 

Es sollte anhand der Biografie und der Werke dieses Künstlers gezeigt werden, wie vielfältig das soziale Umfeld in der damaligen Zeit sein konnte, dass aber auch oft eine große Affinität zur Kunst bei den reichen (jüdischen) Bürgern und Unternehmern war.

 

Gleichzeitig sollen einzelne Werke (z. B. Kirchenfenster und Mosaike an Wohnhäusern aus den fünfziger Jahren) vorgestellt werden, die in verschiedenen Publikationen nur kurz erwähnt werden, aber auch einzelne Gemälde, die überhaupt nicht bekannt sind bzw. niemals veröffentlicht wurden und deren Verwendung mir freundlicherweise von den Erben und Rechtsinhabern gestattet wurde.

 

 

Eine Studie von Erhard Dier zeigt die besondere Verbundenheit mit der Familie Resch:

 

 

Abb. R 30a. Erhard Dier, Studie „Hände von Trude Resch-Fischa“,

Privatbesitz der Erben von Maximilian Resch, von ihnen datiert mit „ca. 1925“

Alle Rechte: Nachfahren der Familie Resch - Fischa


Das Gemälde von „Lassie“, dem Scottish Terrier von Trude Fischa, geb. Resch, beweist einerseits, dass er offenbar bei der Familie Resch oft auf Besuch war, andererseits steht es wohl in Zusammenhang damit, dass er selbst Hundefreund und Hundebesitzer war. [3]

 

 

 

Abb. R 30b. Erhard Dier, „Lassie“, der Scottish Terrier von Trude Fischa geb. Resch.

Privatbesitz der Erben von Maximilian Resch, von ihnen datiert mit 1934.

Alle Rechte: Nachfahren der Familie Resch - Fischa

 

 

Welchen Entstehungsanlass das folgende Bild von Erhard Dier hat, ist zwar nicht bekannt, aber es ist durchaus denkbar, dass es sich um ein Geschenk zu einem besonderen Anlass handelt:

 

 

 

Abb. R 31. Erhard Dier, „Flowers“ (Titel von den Besitzern),

Privatbesitz der Erben von Maximilian Resch, von ihnen datiert mit 1943

Alle Rechte: Nachfahren der Familie Resch – Fischa

 

 

 

 

Biografie von ERHARD DIER, geb. Přihoda

 

 

Geburt und Taufe [4]

 

Erhard Dier wurde am 8. Februar 1893 in Wien 6., Blümelg. 1, als Erhard Robert Ernst Přihoda geboren und am 26. Februar in der Pfarre Mariahilf getauft.

 

Erhards Vater, der Architekt Robert Přihoda [5]

 

Er studierte u.a. an der Technischen Hochschule bei Ferstel und anschließend an der Akademie für bildende Künste bei Friedrich von Schmidt. Er war dann auch in der Baukanzlei von Schmidt und bei der Errichtung des Wiener Rathauses tätig.

1885 gründete er gemeinsam mit Josef Nemecek die Firma „Prihoda und Nemecek, Architekten und Stadtbaumeister in Wien“ mit dem Büro in Wien 6, Damböckgasse 6.

 

Nicht nur das Geburtshaus von Erhard Přihoda wurde von dessen Vater und seinem Kompagnon errichtet, sondern der ganze Gebäudekomplex, bestehend aus den Häusern Gumpendorfer Straße 54 / Blümelg. 1, Gumpendorfer Straße 56 / Amerlingstraße 2 und Amerlingstr. 4 / Blümelg. 3.

 

Přihoda gilt als typischer Vertreter des Späthistorismus. Seine Bauten trugen dem Geschmack des Bürgertums Rechnung, das auf Repräsentation bedacht war. Dafür erschienen ihm neobarockisierender Dekor, ausladende Eckrundungen, Gliederungen durch Balkone mit plastischen Balkongeländern und Erker mit eingestellten Säulen am besten geeignet. Das Innere dagegen ist in einem secessionistischen Stil gehalten. [5]

 

 

 

Im Geburtshaus Blümelgasse 1 lebte Erhard Dier allerdings nicht lang, in den Jahren danach scheinen im Lehmann Adressbuch verschiedene Adressen in Mariahilf, aber auch in Hietzing auf. Ab 1900 wohnte die Familie im XIII. Bezirk in der Lainzerstraße 109. Nach dem frühen Tod von Robert Přihoda im Jahr 1903 findet man seine Witwe Berta an dieser Adresse, ab 1915 in der Zenog. 12 im 12. Bezirk. [6]

Am 29. November 1915 starb Berta Přihoda. [7]

Bereits zwei Monate vor ihrem Tod war Erhard an die Adresse Wien XII., Grünbergg. 27/ 1 / 15 gezogen [8], die auch in der Trauungseintragung 1916 bei den beiden Brautleuten angegeben ist.

 

1. Trauung:

Erhard Přihoda heiratete am 19.9.1916 in St. Pölten (Franziskaner) Leopoldine Dier, Mitglied der k.k. Hofoper in Wien. Sie war 11 Jahre älter als er. [9]

 

Namensänderung:

Im Dezember 1918 wurde Erhard Přihoda von der n.ö. Landesregierung die Änderung des Zunamens in „Dier“ bewilligt. Vgl. Taufeintragung [4]

 

Sohn namens Wolfgang Maria Dier:

Am 1. April 1923 wurden Erhard Amadeus Dier und Leopoldine Eltern eines Sohnes. Für Wolfgang Maria Dier (1923-1987), der am Ostersonntag zur Welt kam, gestaltete sein Vater eine Geburtsanzeige mit österlichem Motiv. Die junge Familie lebte im 12. Wiener Gemeindebezirk, Grünbergstraße 27. Das Atelier befand sich damals in der Fichtnergasse 6 im 13. Bezirk Wiens. [2]

 

Aufenthalt in der Schweiz

lt. Meldezettel für Unterparteien: Erhard Dier von 22.9.1932 bis 30.12.1932; ausgezogen in die Schweiz

Beruf: akademischer Maler [8]

 

Widerstandskämpfer:

Während der Zeit des Nationalsozialismus war Dier in der österreichischen Widerstandsbewegung aktiv. [10]

Für diese Behauptung konnte allerdings bisher kein Beleg gefunden werden.

 

Scheidung von Leopoldine Dier:

Anmerkung auf der Rückseite desselben Meldezettels an der Adresse Grünbergstraße 27:

„Rechtskräftig geschieden am 19.10.43 […] L.G.W.I. die Ehe mit Gattin Leopoldine“ [8]

 

2. Eheschließung mit Stefanie Kugler:

Anmerkung in der Taufeintragung und in der Eintragung der 1. Trauung:

„Lt. Mitteilung des Standesamtes St. Gilgen Nr. 4/1944 am 22. März 1944 2. Ehe geschlossen.“ [3] [9]

Seine 2. Frau war Stefanie Kugler, wahrscheinlich die Tochter von Karl und Leopoldine Kugler, die Besitzer der Villa in der Löblichg. 19 waren.

 

 

1946: Verleihung des Professortitels durch Bundespräsident Karl Renner an den „Maler und Graphiker Erhard Dier in St. Gilgen“. [11]

 

 

Abb. R 35. Meldung über die Verleihung des Professortitels für Erhard Amadeus Dier

Salzburger Volkszeitung vom 1. Februar 1946, S. 2

 

Dementsprechend dürfte Erhard Dier auch andere Wohnorte als Klosterneuburg gehabt haben.

Für Weidling schuf er 1956 [12] die beiden Glasfenster in der Apsis der Kirche.

 

 

Abb. R 36: Erhard Dier, Glasfenster St. Petrus in der Pfarrkirche Weidling (1956)

 

Foto: Günter Oppitz (8.1.2020) Foto 8401

 

 

Abb. R 37: Erhard Dier, Glasfenster

St. Paulus in der Pfarrkirche Weidling (1956)

Foto: Günter Oppitz (8.1.2020) 8404

                        


In den Jahren 1956-58 entstanden auch die Glasmalereien für die Kirche Maria Lourdes in Wien-Meidling [13], die über eine ganze Seitenwand der Kirche reichen:

 

 

Abb. R 38: Erhard Dier, Glasmalereien in der Kirche Maria Lourdes in Wien-Meidling (1956-58)

Foto: Günter Oppitz (10.12.2019) 7775

 

Ungefähr zur gleichen Zeit erhielt Erhard Dier von der Gemeinde Wien den Auftrag, einige Wohnhausanlagen durch Mosaike zu verschönern. Dass dies nur bedingt gelingen konnte, ist an den Gebäuden des Komplexes Trazerberggasse 66 – 68 in Wien-Hietzing zu erkennen. Die Kunstwerke Diers sind zu klein, um von der wenig ansprechenden, schmucklosen Fassade ablenken zu können. Entstehung der Mosaike: 1957 [13]

 

Abb. R 39 / Nr. 1 – 6: Erhard Dier, Mosaike in der Wohnhausanlage

Wien XIII., Trazerbergg. 66-68 / Ecke Schrutkag.

Fotos: Günter Oppitz (19.12.2019)

 

 

Abb. R 39 Nr. 1

Abb. R 39 Nr. 2, Stiege 1

Abb. R 39 Nr. 3, Stiege 2

Abb. R 39 Nr. 4, Stiege 3

Abb. R 39 Nr. 5, Stiege 4

Abb. R 39 Nr. 6, Stiege 5

 

Die Ränder der Fotos, die aus verschiedenen Gründen nicht ganz frontal gemacht werden konnten, lassen erkennen, dass die Fassade des Hauses in keinem sehr guten Zustand ist.

 

 

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Im XIX. Bezirk (Boschstraße / Halteraugasse / Kreilplatz) schuf Dier im Jahr 1956 zahlreiche Mosaike in verschiedenen Stilen für die einzelnen Stiegen [13]:

Abb. R 40 / Nr. 1 – 16: Erhard Dier, Mosaike in der Wohnhausanlage Wien XIX., Boschstraße / Halteraugasse / Kreilplatz;

Fotos: Günter Oppitz (20.12.2019)

 

 

Tod:

 

Prof. Erhard Dier ist am 25. 9. 1969 in Klosterneuburg-Weidling gestorben. [13]

Hier habe ich Daten aus dem Friedhofsbuch der Pfarre Weidling:

Er wurde am 29.9.1969 am Weidlinger Friedhof Abteilung M /Nr. 509 begraben [14] 

 

Stefanie Dier ist ca. 22 Jahre nach ihrem Mann gestorben und wurde am 23.8.1991 ebenfalls im Grab Abteilung M/Nr. 509 begraben [15] 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. R 40a: Das monumentale Grab von Prof. Erhard Dier auf dem Weidlinger Friedhof. Er nannte sich in späteren Jahren Amadeus-Dier.

 

Eine Grabinschrift für seine Frau Stefanie geb. Kugler gibt es nicht.

 

Im Hintergrund sieht man die Villa, die einst der Familie Resch gehörte, nach anderen Besitzern auch „Villa Pfordte“ bzw. „Villa Prack“ genannt.

 

Foto: Günter Oppitz (20.12.2019)

 

Abb. R 40b: Erhard Dier, „Ernte“ (Titel von den Besitzern), Privatbesitz der Erben von Johann Fischa (Schwiegersohn von Maximilian Resch); derzeit in San Diego, datiert mit „ca. 1940“

 

Sowohl Maximilian Resch als auch sein Schwiegersohn Johann Fischa waren Generaldirektoren der Ersten Wiener Walzmühle.

Es handelt sich um ein Auftragswerk von Johann Fischa, der ein Gemälde mit einer Mühle, passend zur Firmenausrichtung, in seinem Büro haben wollte. Später schenkte er es seiner Tochter Susanna Christine Fischa-Easton, die einst ohne ihr Wissen Eigentümerin einer Haushälfte der Weidlinger Villa gewesen war.

 

 

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[1] Grundbuch Katastralgemeinde Weidling im BG Klosterneuburg – KG-Nummer: 01706, Löblichg. 19, EZ 144, B-Blatt, fol. 368

 

[2] Doris Ebner, „Erhard Amadeus Dier (1893-1969)“. Malerei und Grafik.  Diplomarbeit / Verfasserin Doris Ebner/ angestrebter akademischer Grad Magistra der Philosophie (Mag. Phil.), Wien, 2008, S. 16

https://core.ac.uk/download/pdf/11582571.pdf  (Bilder, auch Selbstporträts, ab S. 75) (Zugriff: 10. 01. 2020)

 

[3] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf, 2018, S. 20

 

[4] Taufeintragung Erhard Dier 1893

Matricula Online, Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 6., Mariahilf, Taufbuch 01-23, Fol. 75, 03-Taufe_0079

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/01-23/?pg=83 (Zugriff: 23.11.2019)

Seine Eltern:

Vater: Robert Ferdinand Josef Přihoda, war k.k. Architekt, Sohn des Johann Přihoda, k.u.k. Major-Auditors, und der Henriette, geb. Krabetz.

Mutter: Bertha Johanna Josefa, war Tochter des Anton Tredl, kaiserlichen Domänen-Ober-Verwalters, und der Josefine, geb. Secker

Die Trauung der Eltern fand am 16. Mai 1885 in Schwiehau statt.

 

[5] Architektenlexikon. Wien 1770 – 1945: Robert Prihoda

http://www.architektenlexikon.at/de/477.htm (Zugriff: 23.11.2019)

 

[6] Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- u. Gewerbe-Adressbuch für d. k.k. Reichshaupt- u. Residenzstadt Wien u. Umgebung 1. Jahrgang (1859)-63. Jahrgang (1941/42)

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/titleinfo/5311 (Zugriff: 18.6.2020)

 

[7] Sterbeeintragung Berta Přihoda

Matricula Online, Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 12., Meidling, Sterbebuch 03-29, 03-Tod_0182, Fol. 182

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/12-meidling/03-29/?pg=185 (Zugriff: 23.11.2019)

 

[8] Wiener Stadt- und Landesarchiv: Vollansicht Akt 2.5.1.4.K11.Dier Erhard Amadeus.8.2.1893 / mit mehreren Meldezetteln

Permanentlink dieser Erschließungseinheit (Zugriff: 23.11.2019)

 

[9] Trauungseintragung Erhard Přihoda ∞ Leopoldine Dier, 19.9.1916

Matricula Online, Diözese St. Pölten, Pfarre St. Pölten Franziskaner, Trauungsbuch 02-14, Fol. 217, 03-Trauung_0251

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/st-poelten/st-poelten-franziskaner/02-14/?pg=254 (Zugriff: 23.11.2019)

 

[10] Wikipedia: Erhard Amadeus Dier

https://de.wikipedia.org/wiki/Erhard_Amadeus_Dier (Zugriff: 3.11.2019)

 

[11] Salzburger Volkszeitung vom 1. Februar 1946, S. 2

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svz&datum=19460201&seite=2&zoom=33&query=%22erhard%2BDier%22~10&ref=anno-search (Zugriff: 29.11.2019)

 

[12] Wikipedia: Weidlinger Pfarrkirche

https://de.wikipedia.org/wiki/Weidlinger_Pfarrkirche (Zugriff: 13.12.2019)

 

[13] Wien Geschichte Wiki: Erhard Amadeus-Dier

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Erhard_Amadeus-Dier (Zugriff: 3.11.2019)

 

[14] Familia Austria, Friedhofsdatenbanken/Gräbersuche, Friedhofsbuch der Pfarre Weidling: Erhard Dier, Totenbuch G60

https://www.pfarre-weidling.at/uploads/friedhof/Friedhofsbuch.pdf (Zugriff: 3.12.2019)

 

[15] Familia Austria, Friedhofsdatenbanken/Gräbersuche, Friedhofsbuch der Pfarre Weidling: Stefanie Dier, Totenbuch J93

https://www.pfarre-weidling.at/uploads/friedhof/Friedhofsbuch.pdf (Zugriff: 3.12.2019)