4.2. Resch - Exkurs 3: Rudolf Aladár Métall

 

Abb. R 26. Passbild von Rudolf Aladár Métall (Dezember 1939)

bei der Ausstellung eines Dauervisums für Brasilien im Jahr 1940 [3a]

 

Rudolf Aladár Métall, Ehemann von Margarethe geb. Resch und Schwiegersohn von Max und Martha Resch, war ein bedeutender Rechtsgelehrter, dessen Leistungen meist in Zusammenhang mit Hans Kelsen genannt werden, der als „Architekt der österreichischen Bundes-verfassung“ von 1920 bezeichnet wird. [1]

 

Zur Bedeutung von Rudolf Aladár Métall die Zusammenfassung im Werk Hans Kelsen, Veröffentlichte Schriften 1905-1910 und Selbstzeugnisse:

 

„Rudolf Aladár Métall (1903-1975), zunächst österreichischer, später auch brasilianischer Staatsangehöriger, war Schüler und Assistent, Biograph und ‚Bibliograph‘, Wegbegleiter und Freund Kelsens. 1925 an der Universität Wien zum Doktor der Rechte promoviert, war er 1928-1935 Radaktionssekretär der von Hans Kelsen (bis 1934) herausgegebenen ‚Zeitschrift für öffentliches Recht‘ und 1933-1940 Schriftleiter der von Hans Kelsen, Léon Duguit sowie Franz Weyr herausgegebenen ‚Revue internationale de la théorie de droit‘ (‚Internationale Zeitschrift für Theorie des Rechts‘), 1931 trat er in die Dienste des Internationalen Arbeitsamtes (Bureau International de Travail / International Labour Office) in Genf ein; 1940 nach Brasilien emigriert, war er dort 1940-1945 technischer Berater der brasilianischen Regierung und 1941-1944 Generalsekretär der Österreichischen Interessenvertretung in Brasilien; 1945 für das Internationale Arbeitsamt in Montreal tätig, versah er 1946-1959 das Amt des Sektionschefs und Direktors des Verbindungsamtes des Internationalen Arbeitsamtes bei den Vereinten Nationen in New York; ab 1959 Sektionschef der Sektion für Internationale Organisationen im Internationalen Arbeitsamt in Genf.“ [2]

 

Als 1938 Hitler in Österreich einmarschierte, befand sich Rudolf Aladár Métall gerade in beruflicher Mission (für das Internationale Arbeitsamt) in der Schweiz. Er konnte von dort aus seine Frau und seine Schwiegereltern nur warnen. Für ihn selbst wäre eine Reise nach Österreich bereits zu gefährlich gewesen:

 

Biografisches:

 

Er war am 18. August 1903 geboren worden und Israelit. [3b]

Er konvertierte zwar wie seine Eltern, der Arzt Dr. Hermann Métall und Franziska geb. Perl, im September 1909 zum evangelischen Glauben und wurde wie sie im Oktober 1909 getauft (AB), aber eine spätere Konversion war für die neuen Machthaber bedeutungslos. [4]

 

Die Trauung von Rudolf Aladár Métall und Margaretha geb. Resch dürfte – entsprechend den Angaben von Max Resch – 1930 stattgefunden haben. [5]

 

Die bedeutendsten beruflichen Stationen: [6a]

Genf (Schweiz), Rio de Janeiro (Brasilien), Montréal (Kanada), New York (USA)

 

Als Rudolf bei der ILO in Pension ging, zog er mit seiner Frau in die Schweiz und ließ sich in einem Vorort von Genf, Versoix, am Genfer See ein Haus bauen. Rudolf Aladár Métall und Margarethe geb. Resch wurden am Friedhof von Versoix begraben. [6b]

 

 

Abb. R 27a. Rudolf Aladár Métall und seine Frau Grete 1972 in Versoix in der Schweiz

Foto: Privatbesitz Fam. Resch – Fischa

Quelle: Susi memoirs S. 84

Er half, wo er nur konnte:

 

Als Gertrude Fischa und ihre Tochter Susanna 1947 Mutter ihre Reise nach Montreal antraten, reiste Rudolf Aladár Métall extra aus Montreal nach Paris, wo sie sich schon aufhielten und wo er sie bei der Organisation und Planung der Reise unterstützte. [6c]

 

 

Abb. R 27b. Susanna und ihre Mutter Gertrude am Ufer der Seine in Paris (1947)

Foto: Privatbesitz Fam. Resch – Fischa; Quelle: Susi memoirs S. 49

 

Der Flug erfolgte dann mit einer Propeller-Maschine über die Zwischenstationen London, Shannon (Irland), Gander (Neufundland), Boston und Massachusetts. [6c]

 

In Kanada veranlasste er, dass seiner Schwägerin und ihrer Tochter Diplomatenpässe ausgestellt wurden, solange sie noch keine eigenen hatten.[7]

 

In Montreal lernt Susanna ihren Onkel als wahrhaft Intellektuellen kennen – er war begeisterter Briefmarkensammler, las viele Bücher, hörte gern Musik – aber er war überhaupt nicht sportlich oder interessiert an der Natur. Ihre Tante und ihr Onkel waren ein ziemlicher Schock im Vergleich zu ihrem bisherigen Leben. [8]

 

Aber auch vom Flug Paris – New York 1950 gibt es Belege, die zeigen, dass Rudolf Aladár Métall bereit war, die beiden Damen Fischa auf ihrem Weg ins neue Domizil 26 Glamford Rd, Great Neck, USA zu begleiten. [8a]

 

 

Abb. R 27c. Liste der Flugpassagiere vom 11. Mai 1950 von Paris nach New York

Passenger and crew lists of vessels arriving at New York, 1944-1957 [8a]

 

Die Enkelin von Max Resch, Susanna Fischa-Easton, sieht ihren Onkel Rudolf Métall nach der dauerhaften Übersiedlung in die USA im Jahr 1950 folgendermaßen:

 

Er war an Kinder nicht gewöhnt. Die Ehe des Paares Rudolf und Grete Métall war kinderlos. Und sie selbst war ca. 12 Jahre alt.

Außerdem empfand sie es als etwas eigenartig, dass er seine intellek-tuellen und sprachlichen Fähigkeiten demonstrierte.

 

Ein Beispiel:  Am Morgen, wenn er das Haus verließ, dachte er laut über den Tagesablauf nach: „Soll ich meine Präsentation vor der UN-Hauptversammlung in Englisch oder in Französisch vortragen?“ (Die UN hatte sechs offizielle Sprachen – Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch und hatte Simultanübersetzungen aller Vorträge in diese sechs Sprachen.) Er hätte die Versammlung auch in Deutsch oder in Portugiesisch ansprechen können, seit er in Brasilien gelebt hatte, aber das waren keine offiziellen Sprachen.

 

Er war ganz anders als Hans Fischa, dessen Leben immer voll Dramatik war.

 

Aber Susanna und ihre Mutter, Trude Resch-Fischa, waren Rudolf und Grete Métall sehr dankbar, dass sie bei ihnen wohnen durften und dass sie hier 1950 ein neues Zuhause fanden. [9]

 

 

Abb. R 27d. Rudolf Aladár Métall, seine Schwägerin Trude Fischa und seine zwölfjährige Nichte Susanna Fischa, später verheiratete Susanna Easton,

im Juli 1950 im Garten in Great Neck, Long Island, New York

Foto: Rechtsinhaberin des Fotos: Susanna Fischa-Easton, jetzt wohnhaft in San Diego, Kalifornien, USA.Privatbesitz; Quelle: Susi memoirs S. 52

 

Im Laufe der Jahre wurde wohl auch den Nachfahren von Max Resch bewusst, dass es vor allem Rudolf Aladár Métall und seiner Umsicht zu verdanken war, dass seine Frau und sein Schwiegervater Österreich gerade noch rechtzeitig verlassen konnten.

 

Er und seine Frau gaben Max Resch nach der Flucht 1938 ein neues Zuhause – wenn auch an mehreren Orten, an denen sich Rudolf Aladár Métall aus beruflichen Gründen aufhielt. [10]  

 

 

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[1] Hans Kelsen war ein bedeutender Rechtstheoretiker und insbesondere Experte für Staatsrecht und Völkerrecht

siehe: Wikipedia: Hans Kelsen

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kelsen (Zugriff: 23.02.2020)

[2] Hans Kelsen, Veröffentlichte Schriften 1905-1910 und Selbstzeugnisse
Band 1 von WerkeMatthias Jestaedt, 1961-

Herausgeber: Hans KelsenMatthias Jestaedt

Verlag Mohr Siebeck 2007, S. 78/ Fußnote 233

[3a] Rudolf Aladár Métall / Dauervisum für Brasilien im Juni 1940

Quellenangabe

"Brasil, Cartões de Imigração, 1900-1965," database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:939X-4RKN-Y?cc=1932363&wc=QSDM-JWT%3A1019547801%2C1021107201 : 19 March 2019), Group 1 > 004558803 > image 4 of 203; Arquivo Nacional, Rio de Janeiro (National Archives, Rio de Janeiro).

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:939X-4RKN-Y?i=3&cc=1932363&personaUrl=%2Fark%3A%2F61903%2F1%3A1%3AVRQL-HBP (Zugriff: 29.6.2020)

[3b] Rudolf Aladár Métall / Geburtseintragung (s. auch Genteam, Index der jüdischen Matriken)

Geburtsbuch 1903 Z2 / Zahl 1941

Quellenangabe

"Österreich, Niederösterreich, Wien, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, 1784-1911," database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:33S7-9B2W-1C9?cc=2028320&wc=4692-DXM%3A344266801%2C344266802%2C344500001 : 20 May 2014), Wien (alle Bezirke) > Geburtsbücher > Geburtsbuch Z 1903 Juli-Dez. > image 48 of 196; Israelitischen Kultusgemeinde Wien (Jewish Community of Vienna) Municipal and Provinical Archives of Vienna, Austria.

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:33S7-9B2W-1C9?i=47&wc=4692-DXM%3A344266801%2C344266802%2C344500001&cc=2028320 (Zugriff: 13.01. 2020)
[4] Konversion von Rudolf Aladár Métall, Hermann Alfred Metall und Laura Franziska Metall geb. Perl - siehe Index von Genteam „Konvertiten in Wien“

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:33S7-9B2W-1C9?i=47&wc=4692-DXM%3A344266801%2C344266802%2C344500001&cc=2028320 (Zugriff: 13.01. 2020)

[5] Vgl. Kapitel 4.3. Resch – Die Flucht 1938

Passantrag von Max Resch, u.a. Ansuchen um Ausreisebewilligung:

NÖLA, BH TU, Gruppe XI/5/251 – 1938

[6a] Vgl. auch Kapitel 4.5. Resch – Splitter zum Leben in der Fremde

[6b] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf, 2018, S. 77 und 84

[6c] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf, 2018, S. 49

[7] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf, 2018, S. 50

[8] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf, 2018, S. 50

[8a] Flugpassagiere 11. Mai 1950 von Paris nach New York

Quellenangabe

"New York, New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957," database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G94K-HQ9T?cc=1923888&wc=MFKC-CM9%3A1030205901 : 2 October 2015), 7829 - vol 17000-17001, May 10, 1950 > image 1054 of 1094; citing NARA microfilm publication T715 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.).

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G94K-HQ9T?i=1053&cc=1923888&personaUrl=%2Fark%3A%2F61903%2F1%3A1%3A24TH-ZZK

(Zugriff: 1.8.2020)

[9] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf, 2018, S. 52

[10] Vgl. Kapitel 4.5. Resch - Splitter zum Leben in der Fremde