4.2. Resch - Exkurs 2: Max Reschs Schwiegersohn Johann Fischa

 

Der Kriegsheld Johann Fischa als Vorbild für seinen Sohn

 

1911 verließ Johann Fischa im Alter von 18 Jahren seine Heimatgemeinde Rohrbach in Mähren, um die Marineakademie zu besuchen. Er dürfte die Akademie in Venedig oder in Pola (Pula) besucht haben. Beide Städte gehörten zur Österr.-Ungarischen Monarchie und hatten Zugang zum Meer.

 

Später schloss er sich der Handelsmarine an, als der 1. Weltkrieg begann, der k.k. österreichisch-ungarischen Kriegsmarine. Als Bomberpilot war er in Triest stationiert. [1]

 

 

Abb. R 20. Hans Fischa als Marine-Kadett

1911 im Alter von 18 Jahren

Foto: Familienbesitz Resch-Fischa-Easton

 

Quelle: Susi memoirs, pdf 2018, S. 59

 

 

Abb. R 21. Hans Fischa als hochdekorierter Offizier des 1. Weltkriegs im Jahr 1917

Foto: Familienbesitz Resch-Fischa-Easton; Quelle: Susi memoirs, pdf 2018, S. 60

 

Aus den Aufzeichnungen seiner Tochter:

 

Hans Fischa hatte auch eine weiße Uniform, eine Galauniform, und einen Säbel, der wohl niemals als Waffe verwendet wurde. Er war jung, gut aussehend und erzählte gerne von seinen wunderbaren amourösen Abenteuern in Italien.

 

Leider veranlassten diese Geschichten seinen Sohn Peter, sich im Alter von 19 Jahren im 2. Weltkrieg von der deutschen Luftwaffe anwerben zu lassen. Sein Flugzeug wurde am 14. August 1944 nach nur wenigen Einsätzen über Deutschland im Kampf gegen die British Royal Air Force abgeschossen. [2]

 

 

 

Abb. R 22. Hans Fischa, sitzend ganz links in weißer Galauniform

Foto: Familienbesitz Resch-Fischa-Easton; Quelle: Susi memoirs, pdf 2018, S. 61

 

Als Gertrude Resch und Hans Fischa zu heiraten beschlossen, bot Max Resch seinem Schwiegersohn eine Position als Manager in der Vonwiller – Gesellschaft an. [3]

 

Hans Fischa wurde ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, so erfolgreich, dass er zum Generaldirektor aufstieg, als Max Resch 1932 die Gesellschaft verließ. Er erhielt den Ehrentitel Kommerzialrat und steuerte das Unternehmen erfolgreich durch den Krieg und durch die Besetzung durch die Deutschen und die Russen. [4]

 

Während des 2. Weltkrieges wurde vor der Enkelin geheim gehalten, dass sie einen jüdischen Großvater bzw. andere jüdische Verwandte hatte. Es wäre ein zu großes Sicherheitsrisiko gewesen, das im von den Nationalsozialisten besetzten Österreich einem Kind, geboren 1938, zu erzählen. [5]

 

Johann Fischa ging mit 63 Jahren in den Ruhestand. [4]

 

 

Hobbys

Hans Fischa liebte die Jagd. Die Familie besaß sogar eine einfache Jagdhütte in Losenheim nahe Puchberg am Schneeberg.

Im Sommer reiste Hans Fischa mit seiner Familie oft an einen österreichischen Badesee. Im Winter besuchte man bekannte Schiorte.

Hans Fischa fuhr leidenschaftlich gerne Auto.

Die Leute waren an Pferde und Pferdewagen gewöhnt. Die Autos der 1920er Jahre hatten kein Dach, waren nach oben hin offen. Der Lenker und die Passagiere trugen Helme und Brillen, wie man sie von Piloten kannte.

 

Hans und Trude liebten es, Aufsehen zu erregen, wenn sie Max und Martha Resch, Trudes Eltern, in Weidling besuchten und ihre schicken und teuren Autos den staunenden Dorfbewohnern präsentieren konnten. [6] 

 

 

Abb. R 23. Hans und Trude Fischa mit einem ihrer eleganten Autos vor der Villa in Weidling.

Trude hält einen der Dackel. Foto: Familienbesitz Resch-Fischa-Easton

 

Hans Fischa und seine Familie bleiben in Wien

 

 

Ursprünglich wohnten Hans Fischa und seine Frau Trude im 4. Bezirk in der Mommsengasse, ca. 1938 dürfte Direktor Fischa aber das Haus Cobenzlgasse 39 in Grinzing erworben haben. Der Zeitpunkt der Übersiedlung ist zwar etwas unklar (lt. Lehmann ist Hans Fischa erst 1940 Eigentümer dieses Hauses) [7], aber die Tochter Susanna Fischa-Easton, geb. am 16. Februar 1938, gibt an, dass sie im 19. Bezirk im Rudolfinerhaus in der Billrothstr. 78 zur Welt gekommen ist, mit dem Auto nur 15 Minuten von ihrem Elternhaus in Grinzing entfernt. [8]

 

 

Abb. R 24. Hans Fischa in einem seiner Autos, einem BMW Cabrio, vor seinem Haus Cobenzlg. 39;

Foto: Familienbesitz Resch-Fischa-Easton

 

 

Abb. R 25. Cobenzlgasse 39. Foto: Günter Oppitz (3.10.2019)

 

 

Prominente Nachbarn

Im Lehmann-Adressbuch von Wien 1942 findet man die Eintragung für Oskar Helmer, einen Angestellten, XIX., Cobenzlg. 37 [9]

 

Die Familie Fischa wohnte in der Cobenzlg. 39, sie waren also Nachbarn.

 

 

Einige Informationen über Oskar Helmer, der von 1945 bis 1959 österreichischer Innenminister war:

 

Abb. R 25a. Oskar Helmer.

Österreichischer Politiker, u.a. Mitglied der Niederösterreichischen Landesregierung, Innenminister 1945-1959

(Foto SIMONIS-Wien).

Körperschaft: United States Information Service (USIS)  Datierung: 1951

Inv.-Nr. US 9298; Bildnachweis: ÖNB

http://www.bildarchivaustria.at/Pages/ImageDetail.aspx?p_iBildID=689904

(Zugriff: 7.7.2020)

 

Oskar Helmer, geb. am 16. November 1887 in Gáta, Ungarn (Gattendorf, Burgen-land), gestorben am 13. Februar 1963 in Wien. Er war Schriftsetzer, Redakteur und Politiker.

Er begann bereits 1903, sich politisch zu engagieren, 1907 war er als Wahlhelfer für Karl Renner tätig.

Der Sozialdemokrat Helmer bemühte sich in den Jahren 1930 – 1934 gemeinsam mit Karl Renner um einen Ausgleich der politischen Gegensätze. Er wurde dennoch im Februar 1934 verhaftet.

Im Februar 1938 und im Juli 1944 wurde er von den Nationalsozialisten in Haft genommen.

Von 1945 bis 1957 war er Landesparteivorsitzender der SPÖ Niederösterreich, von Dezember 1945 bis 1959 war er Bundesminister für Inneres.

Am Ende des Abschnittes „Politische Laufbahn“ werden im Wien Geschichte Wiki allerdings einige Haltungen genannt, die negativ zu bewerten sind.

„Unrühmlich war seine Rolle in einer persönlichen Diffamierungs-kampagne gegen angebliche KP-Sympathisanten in der SPÖ, bei der Verzögerung der Rückgabe jüdischen Eigentums (Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen...) und beim Vorschlag der Begnadigung zahlreicher NS-Verbrecher.“ [10]

 

Im Oktober 1957 beschrieb Oskar Helmer, wie die russischen Soldaten die Cobenzlg. besetzten bzw. wie sie die Häuser plünderten. In diesem Buch wird auch eine nächtliche Schießerei im Haus von Direktor Hans Fischa berichtet.

„Ganz besonders gefährlich wurden diese Besuche dann, wenn ein Streit um die Beute ausbrach. So erlebte ich in der Nacht vom 13. auf den 14. April einen „Offiziersbesuch“ in der im Nachbarhaus gelegenen Wohnung des Direktors Hans Fischa. Dieser hatte das Haus zu einer förmlichen Festung ausgebaut und war darum bis zu dieser Nacht verschont geblieben. Aber nun mußte er die Tür zur „Wohnungsfestung“ öffnen. Zwar wurden keine Faschisten entdeckt, dafür aber Jagdgewehre und andere Gegenstände, die samt und sonders der „Konfiskation“ verfielen. Das war einmal so. Aber da begann plötzlich ein Streit der Offiziere selbst, als sie sich über die Verteilung der Beute nicht einigen konnten. Sie begannen nun untereinander eine Schießerei, die nur wie durch ein Wunder keine Todesopfer forderte.“ [11]

 

„Zu den täglichen Sorgen gehörte die Wasserversorgung. Die Wasserleitung war unterbrochen. Wasser konnte nur von zwei Hausbrunnen geholt werden. Beim Hausbrunnen stellten sich schon um fünf Uhr früh die Bewohner um Wasser an. Die Brunnen aber waren bald ausgeschöpft, so daß Späterkommende ohne Wasser heimkehren mußten.

Der schon erwähnte Direktor Hans Fischa vermochte es, bei jenen Bäckern Brot aufzutreiben, die für die Besatzungsmacht arbeiten mußten; ihm war es zu danken, daß ein ganzer Stadtteil nicht hungern mußte. Er hat sich später bei der Bereitstellung von Getreide und Mehl um die Stadt Wien sehr verdient gemacht.“ [12]

 

Die Familie Hörbiger

 

Am Grinzinger Friedhof sind – sehr nahe beieinander – die Gräber von Attila Hörbiger und Paula Wessely bzw. Hans Fischa und einigen seiner Familienangehörigen.

Doch es gibt noch eine andere Verbindung zwischen den Familien Fischa und Hörbiger:

Die Enkelin von Max und Martha Resch hat den Autor dieses Artikels freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass eine Tochter des Schauspieler-Ehepaares, Maresa Hörbiger, das Haus gekauft hat und darin das „Theater im Salon“ betreibt. [13]

 

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[1] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren von Susanna Fischa-Easton, der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf 2018, S. 58

[2] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren von Susanna Fischa-Easton, der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf 2018, S. 61

[3] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren von Susanna Fischa-Easton, der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf 2018, S. 75

[4] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren von Susanna Fischa-Easton, der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf 2018, S. 62

[5] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren von Susanna Fischa-Easton, der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf 2018, S. 80

[6] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren von Susanna Fischa-Easton, der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf 2018, S. 65

[7] siehe Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- u. Gewerbe-Adressbuch für d. k.k. Reichshaupt- u. Residenzstadt Wien u. Umgebung

[8] Susi memoirs, unveröffentlichte Memoiren von Susanna Fischa-Easton, der Enkelin von Max und Martha Resch, pdf 2018, S. 2

[9] Lehmann 1942: Oskar Helmer

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/265201 (Zugriff: 7.7.2020)

[10] Wien Geschichte Wiki: Oskar Helmer

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Oskar_Helmer (Zugriff: 7.7.2020)

[11] Oskar Helmer, 50 Jahre erlebte Geschichte. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1957. S. 195

[12] Oskar Helmer, 50 Jahre erlebte Geschichte. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1957. S. 196

[13] „Theater im Salon“, Cobenzlg. 39, 1190 Wien

https://www.dropbox.com/sh/ho18s9574h1izzk/AAAAgJ9pn--TjSicMQMHRrn2a?dl=0

(Zugriff: 10.6.2020)