4.2. Resch - Beruf und Stellung in der Gesellschaft

 

MAX RESCHS BERUFLICHER WERDEGANG

Max Resch begann damit, in Böhmen den heimischen Bauern Korn abzukaufen und es an Gasthäuser, Restaurants, Hotels und Bäckereien zu verkaufen. In einer Bäckerei, in der die beiden hübschen Schwestern Sollfrank als Waisen arbeiteten, lernte Max auch seine spätere Frau Martha kennen. Die Bezeichnung „Reisender“ in der Trauungseintragung bezieht sich darauf, dass er aus beruflichen Gründen sehr viel unterwegs war.

Im Laufe der Zeit wurde Max Resch ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. [1]

 

1879 gründete Emil Vonwiller die erste Vonwiller-Mühle am Wiener Handelskai. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Mühle von der Industrie- und Bankengruppe Schoeller & Co übernommen und mit anderen Wiener und niederösterreichischen Mühlen zur Getreide AG fusioniert. [2]

 

Max Resch wurde 1893 von diesem Bank-Konzern, der Schöller-Gesellschaft, engagiert, der zahlreiche Unternehmen in Österreich besaß, darunter die Vonwiller Erste Wiener Walzmühle, eine Mühle, die Korn kaufte und das Mehl nach ganz Niederösterreich auslieferte. Das Schöller – Unternehmen mietete auch Schiffe, die das Korn zu den Mühlen von allen Teilen des Reiches brachten. [1]

 

 

Abb. R 9: Generalstadtplan 1904 mit Überblendung durch den aktuellen Stadtplan: Handelskai 129 / 1904: Handelskai 3

Standort der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Co., im Jahr 1904 lt. Lehmann / Protokollierte Firmen: XX., Handelsquai 3 (nächst dem Kommunalbade)

 

 

Abb. R 10. Auf einer Ansichtskarte wird das ursprüngliche Gebäude der Ersten Wiener Walzmühle am Handelskai gezeigt, allerdings bereits mit der Adresse Handelskai 129. Diese Adressänderung von Handelskai 3 auf Handelskai 129 dürfte erst 1932 erfolgt sein.

Das heißt: Die Fotografie wurde erst 1932 oder später gemacht.

 

https://www.lovecpokladu.cz/artefakty/nalez/mlynska-plomba-erste-wiener-walzmuhle-vonwiller-comp-219913/

 (Zugriff: 12.04.2020)

 

Chronologie der beruflichen Tätigkeit von Max Resch für die Schöller-Gesellschaft bzw. die Erste Wiener Walzmühle:

 

 

Abb. R 11. Foto einer Silberplatte, die Max Resch zu seinem 40-jährigen Dienstjubiläum

von der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller und Getreide A.G. erhielt.

Im Besitz der Urenkelin von Max Resch, Frau Karin Easton-Johnson in Ann Arbor Michigan.

 

Aus der Gravur der Silberplatte (siehe auch Kapitel 4.6. Resch – Erinnerungen Nr. 6), die Max Resch anlässlich seines 40-jährigen Dienstjubiläums erhielt, geht hervor, dass Max Resch seine Tätigkeit für das Unternehmen am 1. Oktober 1893 begann.

Zuerst war er für die Firma als „Reisender“ tätig, also gewissermaßen als Vertreter. (Vgl. Berufsangabe bei der Ziviltrauung und bei der Geburtseintragung seiner Tochter Gertrude) [3] [4]

Eine Zeitungsnotiz aus dem Jahr 1916 zeigt an, wann Max Resch zum Generaldirektor ernannt wurde: [5]

 

In der Zeitung „Freiheit!“ über die konstituierende Generalversammlung der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Komp. A.-G. vom 3. August 1916 berichtet.

Darin heißt es u.a.:

„In das Exekutivkomitee des Verwaltungsrates wurden berufen die Herren: Direktor Max Resch […], von welchen der bisherige Direktor der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller und Komp., Max Resch, der gleichzeitig zum Generaldirektor des Unternehmens ernannt wurde, als stellvertretender Vorsitzender im Exekutivkomitee fungieren wird.“

 

Angaben über Max Resch aus dem Lehmann-Adressbuch von Wien[6]

 

Sie bestätigen vor allem seine Zeit als Generaldirektor, wenn man berücksichtigt, dass dieses Adressbuch oft die aktuellen Daten erst im nächsten Jahr liefern konnte.

 

Im Lehmann-Adressbuch von Wien ist er bereits 1910 – 1915 als Mühlen-Oberbeamter mit Wohnung Wien XX, Engerthstr. 113 zu finden, ob das bereits die Erste Wiener Walzmühle war, ist unklar.

1916 ist er „Direktor der Wiener Walzmühle, XX., Handelskai 3“

1917 – 1920: Generaldirektor und Verwaltungsrat der Ersten Wiener Walzmühle Vonmiller & Co., beeideter Sachverständiger und Schätzmeister, XX., Handelskai 3

1921 – 1925: Kommerzialrat, Handelskammerrat, Generaldirektor und Verwaltungsrat der Ersten Wiener Walzmühle Vonmiller & Co., beeideter Sachverständiger, I., Johannesg. 18

1926 – 1931: Kommerzialrat, Handelskammerrat, Generaldirektor, I., Johannesg. 18

1932  - 1935: Kanzleirat, Generaldirektor, I., Johannesgasse 18

 

Zusammenfassung: Max Resch war ca. ab 1916/17 bis ca. 1934/1935 Generaldirektor der Ersten Wiener Walzmühle Vonmiller & Co. Spätestens ab 1921 hatte er auch den Ehrentitel Kommerzialrat.

 

 

Abb. R 12. Die Villa in Weidling, Lenaug. 28, vor 1938.

Foto aus dem Familienbesitz Resch-Fischa-Easton.

 

 

Er kaufte 1917 ein riesiges Haus in Klosterneuburg – Weidling, ca. eine halbe Stunde von Wien entfernt:

Grundbuch Katastralgemeinde Weidling – KG-Nummer: 01706

Lenaug. 28, EZ 133, B-Blatt (Seite 80) / Postzahl 6 [7]

 

Es war eine prunkvolle Villa, mit Holzschnitzereien, Marmortreppen und sechs Kaminen. Es hatte einen riesigen Garten mit Palmen, Tennisplatz und einem Swimming-Pool. Es gab Dienstmädchen und einen Chauffeur.

 

 

Zum 60. Geburtstag (1929) ließ die Gesellschaft ein Porträt von ihm anfertigen, das einen Platz im Wohnzimmer der Familie Resch bekam. [8] [9]

 

 

Abb. R 13a. Porträt von Max Resch aus dem Jahr 1929. Auf der Tafel steht:

Unserem lieben Kollegen Max Resch zum 60. Geburtstag - 10 Januar 1929.

Das engere Exekutiv Komitee der Getreide A.G.

Heute in San Diego, Kalifornien, im Besitz von Frau Susanna Fischa-Easton

 

 

Zur Weltreise dieses Gemäldes: Dieses Bild wurde von Margarethe Métall von Weidling nach Genf, Rio, Montreal, Great Neck und schließlich wieder nach Genf geschafft.  

Als Grete 1991 starb (Rudolf Métall war schon 1975 gestorben) war die Nichte Susanna Christine Easton, geb. Fischa, die einzige Erbin. Über Umwege gelangte das Bild schließlich nach San Diego. 

 

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Mühle am Handelskai zerstört und nie wieder aufgebaut.

Daher wurde Schwechat zum Hauptstandort, wo auch die beliebte Marke Fini’s Feinstes ihren Ursprung hat. Aufgrund des großen Erfolges erwarb Vonwiller im Jahr 2000 zwei weitere Mühlen in Graz und Rannersdorf – heute als Farina-Mühle und Rannersdorfer Bio-Mühle bekannt.

 

2008 entschloss sich die Raiffeisen Holding NÖ-Wien, sieben Mühlengruppen an 29 Standorten in einer europaweiten Holding zu vereinen. Die Mühlen, manche im 19. Jahrhundert erbaut, haben eine lange Tradition und sind immer noch von höchster Wichtigkeit in ihrem Land. [2]

 

 

Heute ist die ehemalige Erste Wiener Walzmühle Vonwiller GesmbH die österreichische Tochtergesellschaft der GoodMills Group. Nach vielen turbulenten Jahren befindet sich der Hauptstandort der Gruppe nun in Schwechat, Niederösterreich – in einem der bestes Anbaugebiete Österreichs. Nach Angaben des Unternehmens ist die Fini’s Feinstes-Mühle in Schwechat eine der modernsten Mühlen Österreichs. [2]

 

Die Familie Resch und ihre Hunde

 

Max Resch war äußerst tierliebend. Auf extrem vielen Fotos, auf denen der Villenbesitzer von Weidling oder ein Familienmitglied abgebildet ist, ist auch ein Hund zu sehen. 

 

 

Abb. R 14. Trude Resch (später verheiratete Fischa) mit einem Dackel sowie Martha und Max Resch in ihrer Villa in Weidling im Jahr 1922.

 

Foto: Privatbesitz Fam. Resch-Fischa-Easton; Quelle: Susi memoirs, PDF 2018, S. 64

 

 

Abb. R 15. Teddy, der dreifärbige Spaniel aus einem Videofilm über Kindheit und Jugend der Susanna, Enkelin von Max und Martha Resch; alle Rechte: Familie Resch – Fischa – Easton

 

 

Abb. R 16. Max Resch mit dem Scottish Terrier „Lassie“ auf der Stiege vor der Villa in Weidling.

Im Hintergrund rechts auf der Bank: Martha Resch.

Foto im Familienbesitz der Nachfahren von Maximilian Resch.

 

Die beiden Dackel Filipek und Liese, die Max Resch sogar bei seiner Emigration im Jahr 1938 begleiten durften, sind auf Abb. R 7 im „Kapitel 4.1. Resch – Genealogisches und Biografisches / Kinder von Maximilian Resch und Martha, geb. Sollfrank“ zu sehen. Abb. R 53 zeigt Max in Brasilien mit einem Deutschen Schäferhund.

                             

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[1] Quelle: Susi memoirs pdf 2018, S. 73

[2] GoodMills Österreich

https://www.goodmills.at/unternehmen/geschichte/ (Zugriff: 20.2.2020)

[3] Ziviltrauung Max Resch – Martha Sollfrank

Staatliches Gebietsarchiv Litomerice – Archivabteilung: Ziviltrauung O • inv.č. 10658 • sig. C24/1 • O • 1868 - 1917 • matriční obvod Teplice

http://vademecum.soalitomerice.cz/vademecum/permalink?xid=09ddd7cea03b9b8d:-55df6153:12c61053793:-75b5&scan=29#scan29 (Zugriff: 18.10.2019)

[4] Geburts- und Taufeintragung von Gertrud Franziska Resch:

Archiv Leitmeritz, Pfarre Teplitz-Schönau (Teplice-Sanov), Taufbuch Sig. 162/54, 1904-1909, Fol. 104, Scan 109, geb. 15. 12. 1905, getauft 4. 1. 1906

http://vademecum.soalitomerice.cz/vademecum/permalink?xid=8d0e01f6cf78fd58:-6ca67971:13f99d54109:-7edb&scan=109#scan109 (Zugriff: 23.11.2019)

[5] Freiheit! / Christlich-soziale Arbeiter-Zeitung Nr. 33 (1916) vom 12. August 1916 (S. 6)

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=frh&datum=19160812&query=%22Max+Resch%22~3+%22Klosterneuburg%22&ref=anno-search&seite=6 (Zugriff: 3. 10. 2019)

[6] Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- u. Gewerbe-Adressbuch für d. k.k. Reichshaupt- u. Residenzstadt Wien u. Umgebung 1. Jahrgang (1859)-63. Jahrgang (1941/42)

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/titleinfo/5311 (Zugriff: 15.06.2020]

[7] Vgl. Kapitel 4.4.3 Resch – Villa in Weidling

[8] Quelle: Susi memoirs pdf 2018, S. 73ff.

[9] Vgl. auch Kapitel 4.6. Resch – Erinnerungen / Porträt / Abb. R 13 und R 14