3.6. Erinnerungen

 

Dr. Oskar Samek hatte keine direkten Nachfahren, die die Erinnerung an ihn hätten wachhalten können. Er heiratete erst kurz vor der Emigration 1938. Die Ehe blieb kinderlos. Seine Stieftochter Eva geborene Seiler, verehelichte Mont, starb relativ früh (1953).

 

Dr. Oskar Samek bleibt einerseits durch die Rettung eines Teils vom Nachlass des Schriftstellers Karl Kraus, durch die Publikation einiger Werke sowie durch die vielen Prozesse für Karl Kraus in Erinnerung – mit der Aufarbeitung der Akten, Briefe und Zeitungsmeldungen sind viele Wissenschaftler beschäftigt.

 

 

 

Abb. S 34. Wienbibliothek im Rathaus. Projekt Karl-Kraus-Archiv.

https://www.wienbibliothek.at/ueber-uns/projekte/karl-kraus-archiv

(Zugriff: 21.7.2020)  

 

 

 

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Abb. S 35. Projekt des Ludwig Boltzmann Instituts u. der Wienbibliothek im Rathaus KARL KRAUS ONLINE.

https://www.kraus.wienbibliothek.at/ (Zugriff: 21.7.2020)

Oskar Samek war ein sehr kritischer Mensch, der bis zu seinem Tod auch gegen bestimmte Maßnahmen und Entscheidungen kämpfte, die er im Zuge der Restitution eines relativ wertlosen Grundes in Eisenstadt als ungerecht empfand.

 

Auch bei manchen Zeitungen war er nicht beliebt. Er verlangte Entgegnungen und war unbequem. Und so verwundert es nicht, dass es relativ viele kritische Kommentare und negative Stellungnahmen zu seinen beruflichen Leistungen gab – ob zu Recht oder zu Unrecht, kann vom Autor nicht beurteilt werden.

 

 

In der ANNO-Suche der Österreichischen Nationalbibliothek findet man u.a. einen Bericht von 1926 aus „Die Stunde“, einer Zeitung, mit der Karl Kraus und Dr. Oskar Samek erbitterte Gefechte austrugen:

 

 

Abb. S 36. „Die Stunde“ vom 11. Juni 1926, S. 7.

Bericht über eine angebliche Milliarden-Schadenersatzklage gegen Dr. Oskar Samek.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=std&datum=19260611&query=%22oskar+samek%22+%22Neurath%22&ref=anno-search&seite=7 (Zugriff: 21.7.2020)

 

 

Das kleine Karl-Kraus-Museum, das er als Besitzer von Reindorfgasse 18 in seinem Haus hatte errichten lassen, soll nach den Aussagen früherer Bewohner des Hauses kurz nach seiner Emigration von den SA – Leuten zerstört worden sein, die Räumlichkeiten sind heute in Privatbesitz und können nicht mehr besichtigt werden. Vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Reindorfgasse gibt es nichts, was daran erinnert, dass hier Dr. Oskar Samek gewohnt hat, streitbarer Freund und Verehrer von Karl Kraus, vertrieben 1938 und danach enteignet.

 

 

Abb. S 37. Eingangsbereich von Reindorfg. 18.

Foto: Günter Oppitz (9.5.2019) IMG 5286

 

Es gibt auffallend wenig Persönliches über Dr. Oskar Samek – selbst in den Briefen äußert er sich nur wenig über sich selbst. (Vgl. Kapitel 3.5.1.) An ihn erinnern keine Verwandten, sondern Menschen, die aus irgendeinem Grund (z. B. als Bewohner des Hauses Reindorfg. 18) einen besonderen Bezug zu ihm haben, oder Menschen, die sich wissenschaftlich mit ihm oder Karl Kraus beschäftigen.

 

 

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