3.5.2. Exkurs 6: Margit Schey, geb. Kux

 

Künstlerin, Gesangspädagogin und Schwägerin von Dr. Oskar Samek, der es gelang, in der Emigration nach dem Tod von Ilona Samek, geb. Kux, die Isolation des menschen-scheuen Rechtsanwalts zu durchbrechen.

 

 

 

Abb. S 31. Margit Schey-Kux. Bild von Geni.

https://www.geni.com/people/Margit-Schey-Kux/6000000014275355219

(Zugriff: 20.7.2020)

 

1) Einige biografische Daten: [1]

 

Geburt: am 12.1.1892 in Liptovsky, Czechoslovakia [2]

Trauung: am 11.7.1922 mit Moses (später: Fritz) Schey [3]

Tod: am 1. März 1986 [4]

Grabstelle: Woodstock Cemetery, Woodstock, Ulster County, New York, USA, Grabstelle: Section C138 Kux/Stern&Stossel [5]

 

Margit Schey geb. Kux reiste am 12. August 1938 von Rotterdam, Holland, auf dem Schiff „Nieuw Amsterdam“ in New York ein. [6]

Im Antrag auf Einbürgerung (Petition of Naturalization) wird als Beruf angegeben: „teacher of singing“. Adresse: 404 E., 55th St., New York, N.Y. [7]

Als ein Affidavit fungierte Lacy (Ladislaus) Kux, ihr Bruder, ein Börsenmakler.

 

Die Einbürgerung erfolgte 1943. [8]

 

 

Fritz Schey folgte erst am 11. November 1938. Er reiste mit der „SS Washington“ von Le Havre nach New York [9]

Auf image 171 steht als Beruf: clerk – es dürfte wohl ein kaufmännischer Angestellter gemeint sein.

Die Einbürgerung erfolgte 1944. [10]

Tod: am 19.4.1948 mit 67 Jahren in Bronx, New York, New York, United States [11]

Grabstelle: Flushing, Queens, New York, United States of America, Mount Hebron Cemetery [12]

 

2) Margit Schey, geb. Kux, und die Musik

 

Ihr musikalisches Wirken ist schon in Wien nachweisbar:

.) In einer Veranstaltung des Wiener Konzerthauses am Mittwoch,10. November 1920, scheint Margit Kux als Sopranistin auf. [13]

 

INTERPRETEN

Alt-Wiener Quartett Schreinzer

Margit KuxSopran

Richard RonerBariton

Anni Antl-PlakowitzKlavier

 

.) Offenbar stand sie bereits im Jahr 1922 (im selben Jahr wurde sie mit Fritz Schey getraut) als Opernsängerin auf der Bühne der Wiener Staatsoper: Am 13. 3. 1922 sang sie die zweite Dame in Mozarts „Zauberflöte“. [14]

 

Sie dürfte aber niemals ein großer Bühnenstar gewesen sein und wandte sich deshalb der Gesangspädagogik zu.

Nach ihrer Emigration in die USA dürfte sie in diesem Bereich sehr erfolgreich bzw. beliebt gewesen sein.

 

.) So wird sie in The La Scala Encyclopedia of the Opera als Lehrerin der berühmten Jeanette Scovotti genannt. Diese gefeierte Koloratur-sopranistin war viele Jahre ein Star der Metropolitan Opera und wurde auch durch ihre Aufnahmen von Operetten, u.a. „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, bekannt.

Margit Schey-Kux dürfte sie an der Third Street Music School und an der Juilliard School unterrichtet haben. [15]

 

.) Rita Gardner, berühmte Schauspielerin, Sängerin und Broadway-darstellerin [16], hat sehr positive Erinnerungen an ihre Gesangslehrerin:

 

„I had a wonderful, old Hungarian voice teacher named Margit Schey-Kux who would say, ‚Rita, no belting!‘ I’ve always remembered that. And I still study. Now, I have a terrific singing Teacher named John Bayliss.“

(Es geht darum, dass Margit Schey-Kux sie vor zu lautem Singen, vor „Schmettern“ bzw. vor übermäßigem Forcieren warnte, damit sie ihre Stimme lange bewahren könne.) [17]

 

 

 

3) Dr. Oskar Samek und die Musik

 

Dass Dr. Oskar Samek die Musik nicht nur als Zuhörer liebte, sondern auch ausführender Musiker war, wissen wir aus den Erinnerungen von Georg Knepler. [18] Dieser, ein ausgezeichneter Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler unterschied sehr klar zwischen angehenden Sängern (z.B. Hedi Marienschek) und Amateurmusikern (z. B. Oskar Samek). [19]

Besonders aufschlussreich ist aber der nächste Satz (Knepler bezieht sich dabei vor allem auf die Zeit um 1928):

 

„Er war ein leidenschaftlicher Sänger von Opernarien, bei denen ich ihn in Freundeskreisen öfter begleitete.“ [18]

 

Wir wissen leider nicht, welche Musikstücke das waren, aber prinzipiell kann gesagt werden, dass Opernarien hohe stimmliche und musikalische Anforderungen an den Ausführenden stellen und eine solide sängerische Ausbildung voraussetzen. Es handelte sich um keine öffentlichen Auftritte, aber das Wort „öfter“ lässt vermuten, dass Oskar Samek relativ regelmäßig in solchen kleinen Privatveranstaltungen zu hören war.

Das Attribut „leidenschaftlich“ zeigt eine Charaktereigenschaft Sameks, die eher selten bei ihm spürbar wird. Es deutet aber auch auf eine Vertrautheit im Allgemeinen mit der Musik hin.

Samek war natürlich bei den Aufführungen der Offenbach-Operetten im Publikum, er wohnte aber auch – wie Hedi Marienschek – oft den Proben bei. Vgl. auch 3.2. Samek – Exkurs 4: Hede Marienschek

 

4) Beziehung zwischen Margit Schey-Kux und Oskar Samek

 

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass zwischen Dr. Oskar Samek und seiner Schwägerin Margit Schey-Kux besonders nach Ilonas Tod eine tiefe Freundschaft entstand:

Man arbeitete im Hutmoden- bzw. Modistengeschäft, das ursprünglich von Ilona und Margit gemeinsam geführt wurde und in dem Oskar Samek versuchte, die Aufgaben eines Buchhalters zu erfüllen, eng zusammen.

 

Dass die gegenseitige Sympathie sehr groß gewesen sein muss, beweist ein Brief an Albert Bloch vom 23. Juli 1941 (B 27), in dem er ankündigt, dass er demnächst mit seiner Schwägerin zwei Wochen auf Urlaub fahren werde. Bemerkenswert erscheint, dass sie damals mit Fritz Schey verheiratet war.

 

Es konnten zwar keine Belege dafür gefunden werden, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die Musik bei dieser freundschaftlichen Beziehung eine große Rolle gespielt hat.

Zwei musikbegeisterte Menschen, die beide ausführende Musiker waren, haben sicher auch gemeinsam Musik gemacht. Margit hatte als Gesangspädagogin sicher auch die Möglichkeit, gelegentlich Klavierbegleiter für Oskar Samek zu finden. Und von der angesehenen Gesangslehrerin konnte der Amateurmusiker Oskar Samek natürlich viel lernen.

 

 

****************************************************************

[1] Vgl. auch Kapitel 3.1. Samek - Genealogisches und Biografisches

[2] Einbürgerungsantrag von Margit Schey

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9HD-29WB-T?i=834&cc=2060123&personaUrl=%2Fark%3A%2F61903%2F1%3A1%3AQLMZ-D32V (Zugriff: 30.6.2020)

"New York, Southern District, U.S District Court Naturalization Records, 1824-1946," database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9HD-29WB-T?cc=2060123&wc=M5PW-C6F%3A351574801 : 14 August 2019), Petitions for naturalization and petition evidence 1943 box 866, no 466401-466700 > image 835 of 1359; citing NARA microfilm publication M1972, Southern District of New York Petitions for Naturalization, 1897-1944. Records of District Courts of the United States, 1685 - 2009, RG 21. National Archives at New York.

[3] Trauung von Margit Kux und Moses (Fritz) Schey:

Lt. Genteam, Datenbank Index der jüdischen Matriken WIEN und NÖ: 1922 / Zahl 421

Kopien der Matriken im WStLA – Transkription:

421 / 11. Juli 1922, Trauungsort: I., Seitenstetteng. 4

Bräutigam: Moses Schey, Vertreter, geb. Baden, zust. Wien; Vater: Nathan Schey, Mutter: Theresia geb. Hecht,

geb. 7.4.1881, Witwer, III., Schrottg. 11

Anmerkung: Änderung des Vornamens von Moses zu Fritz mit 25.10.1924

Braut: Margit Kux, geb. und zust. Liptoszentmiklos; Vater: Dr. Adolf Kux, Mutter: Ida geb. Greiner

geb. 12.1. 1892, ledig, III., Wassergasse 36

[4] Lt. Personenprofil „Margit Schey (Kux)“ von Itai Hermelin bei GENI:

https://www.geni.com/people/Margit-Schey-Kux/6000000014275355219

(Zugriff: 20.2.2020)

[5] Find A Grave Gedenkstätte 146607302:

Find A Grave, Datenbank und Bilder (https://www.findagrave.com : aufgerufen 9 Dezember 2019), Gedenkstättenseite für Margit Schey-Kux (1892–1985), Find-A-Grave-Gedenkstätten-Nr. 146607302, zitierend Woodstock Cemetery, Woodstock, Ulster County, New York, USA ; Verwaltet von Marie Hayes (Mitwirkender 47293641)

[6] Quellenangabe / Certificate of Arrival Margit Kux Schey

"New York, Southern District, U.S District Court Naturalization Records, 1824-1946," database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-L9HD-294N-D?cc=2060123&wc=M5PW-C6F%3A351574801 : 14 August 2019), Petitions for naturalization and petition evidence 1943 box 866, no 466401-466700 > image 834 of 1359; citing NARA microfilm publication M1972, Southern District of New York Petitions for Naturalization, 1897-1944. Records of District Courts of the United States, 1685 - 2009, RG 21. National Archives at New York.

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-L9HD-294N-D?i=833&cc=2060123 (Zugriff: 14.7.2020)

[7] Quellenangabe / Petition of Naturalization Margit Schey

wie [6], aber image 836

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-L9HD-294J-8?i=835&cc=2060123 (Zugriff: 14.7.2020)

[8] Quellenangabe / Petition of Naturalization

wie [6], aber image 837

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-99HD-29H9-C?i=836&cc=2060123 (Zugriff: 14.7.2020)

[9] Quellenangabe / Petition of Naturalization Fritz Schey

"New York, Southern District, U.S District Court Naturalization Records, 1824-1946," database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-99HD-RW83?cc=2060123&wc=M5P6-FMZ%3A351578101 : 14 August 2019), Petitions for naturalization and petition evidence 1943 box 880, no 470801-471100 > image 169 of 1322; citing NARA microfilm publication M1972, Southern District of New York Petitions for Naturalization, 1897-1944. Records of District Courts of the United States, 1685 - 2009, RG 21. National Archives at New York.

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-99HD-RW83?i=168&cc=2060123 (Zugriff: 14.7.2020)

[10] Quellenangabe / Petition of Naturalization wie [9], aber image 172

[11] Tod von Fritz Schey 19.4.1948

"New York, New York City Municipal Deaths, 1795-1949", database, FamilySearch (https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:2WLN-1FK : 3 June 2020), Fritz Schey, 1948.

https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:2WLN-1FK (Zugriff: 17.7.2020)

[12] Grabstelle von Fritz Schey

"Find A Grave Index," database, FamilySearch (https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:QV2H-3D48 : 4 June 2020), Fritz Schey, 1948; Burial, , ; citing record ID , Find a Grave, http://www.findagrave.com.

https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:QV2H-3D48 (Zugriff: 17.7.2020)

[13] Veranstaltungsprogramm des Wiener Konzerthauses

https://konzerthaus.at/konzert/eventid/4361 (Zugriff: 14.7.2020)

[14] Archiv der Wiener Staatsoper

https://archiv.wiener-staatsoper.at/search/person/12424 (Zugriff: 14.7.2020)

[15] Giorgio Bagnoli, The La Scala Encyclopedia of the Opera. Übersetzt von Graham Fawcett. Verlag Simon und Schuster, 1993, S. 325

https://books.google.at/books?id=FUJ0bvo6rQIC&pg=PA325&lpg=PA325&dq=margit+kux&source=bl&ots=tadXdDvCuR&sig=ACfU3U1yjFEsA02Bg2YeevspwnlBvbB_GQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjAup7L_crqAhXHD5oKHUP9AhYQ6AEwDnoECCMQAQ#v=onepage&q=margit%20kux&f=false (Zugriff: 14.7.2020)

[16] Vgl. englischsprachige Wikipedia: Rita Gardner

https://en.wikipedia.org/wiki/Rita_Gardner (Zugriff: 14.7.2020)

[17] Rita Gardner/ Actress, singer, and renowned Broadway performer, in Theatermania / Theater News: Rita Gardner Remembers,

Michael Portantiere, New York City, March 07, 2000

http://www.ritagardner.com/ (Zugriff: 14.7.2020)

[18] Georg Knepler, Karl Kraus liest Offenbach: Erinnerungen, Kommentare, Dokumentationen. Berlin 1984, S. 11

[19] Siehe 3.2. Samek – Exkurs 4: Hedwig (Hede) Marienschek / 4. Georg Knepler und Hedi Marienschek