3.2. Samek - Religion und Beruf – wichtige Personen in Oskar Sameks Leben

 

JÜDISCHER HINTERGRUND:

a) Die Familie Samek

Dr. Oskar Sameks Vater Jonas stammte aus Senitz/Senica (heute Westslowakei, früher Ungarn).

 

Jüdische Ansässigkeit in Senitz reicht nachweislich (mindestens) bis ins 17.Jahrhundert zurück. Doch bereits im hohen Mittelalter und in der frühen Neuzeit sollen sich Juden in der Region aufgehalten und unter dem Schutz der Adelsfamilie Palffy gestanden haben. Die hiesige Gemeinde - die meisten Angehörigen waren aus Mähren zugewandert - gehörte zu einer der größten, die es im 18.Jahrhundert auf dem Boden der Slowakei gegeben hat. 1869 soll es 1.128 Juden gegeben haben, 45% der Bevölkerung. [1]

 

 

Abb. S 7.  Synagoge (hist. Postkarte, aus: judaica.cz) [1]

 

b) Die Familie Kux lebte in der mittelslowakischen Stadt Liptovský Mikuláš (andere Bezeichnungen:  bis 1952 slowakisch „Liptovský Svätý Mikuláš“; deutsch Liptau-Sankt-Nikolaus oder Sankt Nikolaus in der Liptau, ungarisch Liptószentmiklós). Einwohnerzahl am 31. 12. 2018: 31.194 Einwohner. Es ist die größte Stadt des Okres Liptovský Mikuláš und gleichzeitig dessen Hauptstadt und das traditionelle Zentrum der Landschaft Liptau (slowakisch Liptov). [2]

 

Der Name der Stadt geht auf eine Kirche des heiligen Nikolaus zurück. Die Bedeutung als Handelszentrum der Gegend wurde durch die Einwanderung von Juden seit dem 18. Jahrhundert bestätigt, die so erfolgreich waren, dass sie Anfang des 20. Jahrhunderts 90 Prozent des städtischen Handels kontrollierten. Die jüdische Gemeinde wurde während des Zweiten Weltkriegs fast vollständig ausgelöscht.

Nach der Eingliederung in die Tschechoslowakei im Spätjahr 1919 trug der Ort den offiziellen slowakischen Namen Liptovský Svätý Mikuláš, der aber auch schon vorher verwendet wurde. In der Tschechoslowakei war Liptovský Mikuláš von 1923 bis 1928 Sitz der Grafschaft Podtatranská župa, danach nur noch Sitz eines Okres. 

1952 wurde das Attribut Svätý (= "heilig") aus politischen Gründen aus dem Namen entfernt. [2]

 

Im Jahr 1880 gab es in Liptau-Sankt-Nikolaus/Liptovský Mikuláš ca. 1.100 Juden (= ca. 40% der Bevölkerung). [3]

 

 

 

 

Abb. S 8. Synagoge von Liptovský Mikuláš

Ing. Mgr.Jozef Kotulič - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Liptovsk%C3%BD_Mikul%C3%A1%C5%A1#/media/Datei:LiptovskyMikulas11Slovakia13.JPG

(Zugriff: 5.7.2020)

 

 

Abb. S 9. Kirche St. Nikolaus in Liptovský Mikuláš –

Paweł Kuźniar (Jojo_1Jojo) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Liptovsk%C3%BD_Mikul%C3%A1%C5%A1#/media/Datei:Liptovsky_Mikulas_04.jpg

 

(Zugriff: 5.7.2020)

 

 

Abb. S 10. Blick in die Innenstadt von Liptovský Mikuláš.
Paweł Kuźniar (
Jojo_1Jojo) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Liptovsk%C3%BD_Mikul%C3%A1%C5%A1#/media/Datei:Liptovsky_Mikulas_02.jpg (Zugriff: 5.7.2020)

 

Der Liptauer – pikanter Brotaufstrich aus der slowakischen und österreichischen Küche

 

Der Name leitet sich von der slowakischen Region Liptau ab und wird gerne in Heurigen und Buschenschanken angeboten. In Ungarn wird der Liptauer Liptói túró oder Körözött genannt, in der Slowakei ist der Auf-strich als Liptovská nátierka oder offiziell bryndzová nátierka (Brimsen- aufstrich) bzw. šmirkás (vom dt. Schmierkäse) bekannt, tschechisch: Liptovská pomazánka[4]

 

 

 

Abb. S 11. Liptauer

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Liptauer.jpg (Zugriff: 5.7.2020)

 

c) Die jüdische Gemeinde Rudolfsheim-Fünfhaus, die religiöse Heimat der Familien Neurath und Samek:

 

Es gab zwei Phasen jüdischer Besiedelung in dieser Gegend: [5]

 

1) Ab 1794 prägte das Arnsteinsche Schloss das jüdische Leben in Sechshaus, Fünfhaus bzw. Rudolfsheim (die Begriffe wechselten). Die Frau des Schlossherrn Nathan von Arnstein, Fanny von Arnstein, führte u.a. einen äußerst angesehenen

literarischen Salon im Palais Arnstein am Hohen Markt.[6]

 

Ein literarischer Salon war ein zumeist privater gesellschaftlicher Treff-punkt für Diskussionen, Lesungen oder musikalische Veranstaltungen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. [7]

 

2) Auf Grund neuer Gesetze durften sich Juden im Jahr 1849 erstmals in Wien und Umgebung ansiedeln. [5]

 

Die israelitische Kultusgemeinde „Sechshaus“ machte sich als erste der vorstädtischen Gemeinden von der Wiener Muttergemeinde unabhängig und errichtete 1871 den Turnertempel – den dritten Synagogenbau Wiens. So bedeutend die Gemeinde in ihrem Ursprung war, blieb die Dichte der jüdischen Bevölkerung im Vergleich zu Gesamt-Wien relativ gering. 

 

3) Zahlen:

.) Im Jahr 1888 gab es in Rudolfsheim beinahe 28.000 Katholiken, 1.400 Israeliten, ca. 600 Protestanten. [5a]

.) Um 1900 lebten in Rudolfsheim und Fünfhaus fünf- bis sechstausend Juden. [5]

 

BERUFE:

 

Das soziale Profil der hier lebenden JüdInnen entsprach der Umgebung, die von ArbeiterInnen und Kleingewerbetreibenden dominiert war. [8]

 

Dr. Oskar Sameks Großvater mütterlicherseits, Samuel Neurath, war zuerst Pfaidler (= Hemdenmacher), ab 1867, gleichzeitig mit neuer Adressangabe Kirchengasse 18, aber Trödler.

Auch sein Schwiegersohn Jonas M. Samek war zuerst Trödler, ab 1907 liest man im Lehmann-Adressbuch die Berufsbezeichnung „Möbel-händler“. [10]

 

Oskar Samek schaffte als Rechtsanwalt den Sprung auf eine höhere berufliche Ebene.

 

Rechtsanwaltskanzlei:

 

Dr. Oskar Samek hatte eine Rechtsanwaltskanzlei im 1. Bezirk, Schottenring 14.

 

Im Lehmann-Adressbuch des Jahres 1933 wird diese Rechtsanwaltskanzlei sowohl im „Häusernachweis“ des Hauses Wien 1., Schottenring 14-14A [11] als auch unter den „Öffentlichen Notaren und Rechts-anwälten“ des 1. Bezirks unter dieser Adresse angeführt. [12]

 

Im Lehmann-Adressbuch des Jahres 1934 fehlt er in diesen beiden Verzeichnissen, die sich auf den 1. Bezirk beziehen. (Der „Häuser-nachweis“ heißt übrigens mittlerweile „Bezirksfachregister“).

 

Dafür wird die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Samek 1934 unter „Öffentliche Notare und Rechtsanwälte“ des XIV. Bezirks (damals war Rudolfsheim der 14. Bezirk) an der Adresse 14. Bezirk, Reindorfg. 18 genannt. [13]

 

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[1] Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum / Senitz, Abb. S 7

https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/s-t/2455-senitz-senica-slowakei (Zugriff: 5.7.2020)

[2] Wikipedia: Liptovský Mikuláš 

https://de.wikipedia.org/wiki/Liptovsk%C3%BD_Mikul%C3%A1%C5%A1 (Zugriff: 5.7.2020)

[3] Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum

https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/k-l/2441-liptau-sankt-nikolaus-liptovsky-mikulas-slowakei

(Zugriff: 5.7.2020)

[4] Wikipedia: Liptauer

https://de.wikipedia.org/wiki/Liptauer (Zugriff: 5.7.2020)

[5] Peter Pabisch, Rudolfsheim - Krieau - Raimundtheater, oder, Der Fall Franz Rückauf sen: ein Ausschnitt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wiener Leben und Kultur, Verlag Peter Lang, 2009, S. 111

https://books.google.at/books?id=1GNjIS5hRngC&pg=PA111&lpg=PA111&dq=Juden+in+Rudolfsheim+F%C3%BCnfhaus&source=bl&ots=mt_LWZ55gf&sig=ACfU3U0w5o3zLtJaSN-vabuRfJqFv90v5A&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwi5prOLsKjnAhVskosKHWUvDKE4FBDoATAIegQICxAB#v=onepage&q=Juden%20in%20Rudolfsheim%20F%C3%BCnfhaus&f=false (Zugriff: 4.7.2020)

[5a] Franz Echsel, Rudolfsheim : historisch-topographische Darstellung des Ortes nebst einem Rückblicke auf die geschichtl. Entwicklung [...] Rudolfsheim 1888, S. 96

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/367006 (Zugriff: 4.7.2020), zitiert in: Peter Pabisch, Rudolfsheim - Krieau - Raimundtheater, oder, Der Fall Franz Rückauf sen: ein Ausschnitt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wiener Leben und Kultur, Verlag Peter Lang, 2009, S. 111

https://books.google.at/books?id=1GNjIS5hRngC&pg=PA111&lpg=PA111&dq=Juden+in+Rudolfsheim+F%C3%BCnfhaus&source=bl&ots=mt_LWZ55gf&sig=ACfU3U0w5o3zLtJaSN-vabuRfJqFv90v5A&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwi5prOLsKjnAhVskosKHWUvDKE4FBDoATAIegQICxAB#v=onepage&q=Juden%20in%20Rudolfsheim%20F%C3%BCnfhaus&f=false (Zugriff: 4.7.2020)

[6] Wikipedia: Fanny von Arnstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Fanny_von_Arnstein (Zugriff: 4.7.2020)

[7] Wikipedia: Literarischer Salon

https://de.wikipedia.org/wiki/Literarischer_Salon (Zugriff: 4.7.2020)

[8] Steine der Erinnerung in Rudolfsheim-Fünfhaus

https://steinedererinnerung.net/projekte-2/15-bezirk/ (Zugriff: 4.7.2020)

[10] Vgl. den Artikel von Günter Oppitz auf der Homepage www.guenteroppitz.at :

Die Besitzer des Hauses Reindorfgasse 18 von 1789 bis 1954.

oder: Das Haus, in dem Dr. Oskar Samek ein kleines Karl-Kraus-Museum einrichtete / Kapitel 4.2. und Kapitel 5.2

[11] Lehmann 1933, Häusernachweis für Schottenring 14-14A

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/2480749?query=Samek&zoom=3&lat=809&lon=1731&layers=BT

(Zugriff: 11.2.2020)

[12] Lehmann 1933, Öffentliche Notare und Rechtsanwälte im 1. Bezirk

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/2480545?query=Samek&zoom=3&lat=809&lon=1731&layers=BT

(Zugriff: 11.2.2020)

[13] 1934 Öffentliche Notare und Rechtsanwälte

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/2484171?query=Samek&zoom=3&lat=0&lon=2687&layers=BT

(Zugriff: 11.2.2020)