3.2. Samek – Exkurs 2: Antonia Schalda, verehelichte Fantner, später verehelichte Kindl

 

Dr. Oskar Sameks Hausverwalterin zwischen mehreren Fronten

Anmerkungen zum bewegten und konfliktreichen Leben der Antonia Kindl, geb. Schalda

 

Einerseits stand sie als Kanzleileiterin im Dienst des jüdischen Rechtsanwaltes Dr. Oskar Samek, andererseits war sie Verwalterin seiner Liegenschaften. Sie hatte das Mandat für die Verwaltung der Gebäude auch in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes und wurde danach von der Finanzlandesdirektion und von Dr. Samek mit der Weiterführung ihrer Tätigkeiten und mit Angelegenheiten der Restitution betraut. Es gab massive Auseinandersetzungen mit mehreren Mietern und Hausparteien sowie Vorhaltungen und Verdächtigungen mancher Hausbewohner:

 

Es wurde ihr eine nationalsozialistische Gesinnung nachgesagt, andererseits wurde behauptet, sie sei mit der Familie Samek verwandt gewesen. Und es wurde ihr vorgeworfen, sie sei gegenüber manchen Bewohnern ungerecht gewesen, habe willkürlich gehandelt und sie sei in ihren Dienstpflichten nachlässig gewesen.

 

Zur beruflichen Tätigkeit:

 

.) Als Zeugin bei der Anmeldung einer monatlichen Rente der Erna Fleck im Jahr 1942 (vgl. 3.2. Samek – Exkurs 3: Erna Fleck) gibt Antonia Kindl selbst Auskunft über ihre berufliche Tätigkeit bei Dr. Oskar Samek:

 

Ich Endesgefertigte, Antonia K i n d l, war vom 1. März 1927 bis Ende Dezember 1938 Kanzleileiterin in der vorm. Rechtsanwaltskanzlei des Dr. Oskar Samek (Kanzlei in Wien I., Schottenring 14, späterhin XV., Reindorfgasse 18).

Daher ist mir persönlich bekannt, dass Herr Dr. Oskar Israel S a m e k  2 Häuser besass, und zwar:

in Wien, XV., Reindorfgasse 18 und in Wien X., Antonsplatz 16; schon als Kanzleileiterin habe ich diese beiden Häuser verwaltet. [1a]

 

.) In dem Dokument „Anmeldung von Veränderungen im angemeldeten Vermögen des Dr. Oskar Samek…“ vom 28. November 1938 beruft sich Antonia Fantner, beh. konz. Hausverwaltung, Wien, 14., Reindorfg. 18/12, auf eine beglaubigte Vollmacht des Dr. Oskar Samek vom 16. September 1938. [1b]

 

Antonia Kindl scheint also im ersten Dokument als Kanzleileiterin der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Oskar Samek (im Zeitraum 1. März 1927 bis Ende Dezember 1938) und als Verwalterin seiner Häuser auf, im zweiten aber als konzessionierte Hausverwalterin. Sie war beruflich selbstständig. Sie scheint zwar noch bis zum Jahresende offiziell in Dr. Sameks Kanzlei beschäftigt gewesen zu sein – eine Rechtsanwaltskanzlei Dr. Samek gab es am 28. November 1938 aber gar nicht mehr.

Als Hausverwalterin scheint Antonia Kindl 1966 letztmalig im Herold Adressverzeichnis von Wien mit der Adresse 15., Reindorfg. 18 auf. [1c]

 

Diese beiden Dokumente sowie zahlreiche weitere Erwähnungen von Antonia Fantner bzw. Kindl als Liegenschaftsverwalterin waren die wesentlichsten Ausgangspunkte für die Erstellung einer kleinen Biografie.

 

Die wichtigsten Hilfen dabei waren das Herold-Adressbuch der Stadt Wien, das Lehmann-Adressbuch der Stadt Wien, die Grabstellensuche der Stadt Wien, die Verlassenschaftsabhandlung im WStLA, die Meldezettel von Benedikt Fantner, vom WStLA online gestellt, einige Internet-Artikel über Benedikt Fantner, mehrere Genteam-Indexe, zahlreiche Kirchenbucheintragungen der Erzdiözese Wien (Matricula Online) sowie verschiedene Bemerkungen und Notizen in den Akten des ÖSTA.

 

Biografie:

 

.) Die spätere Hausverwalterin Antonia Fantner / Antonia Kindl wurde am 2. März 1898 als Antonia Carolina Schalda im 5. Bezirk in der Siebenbrunn(en)gasse Nr. 49 (Pfarre Wien 05. St. Florian / Matzleinsdorf) geboren.

Ihre Eltern: Franz Mathias Schalda, Fabriksarbeiter aus Obrowitz in Mähren, und Anna geb. Kuttner aus Weißensulz in Böhmen [2]

 

.) Am 8.1.1921 heiratete sie standesamtlich – sie war am 26.10.1920 aus der kath. Kirche ausgetreten [2] – Benedikt Maria Fantner. [3]

 

.) Sowohl ihr 1. Mann Benedikt Fantner als auch sie selbst waren zu diesem Zeitpunkt von Beruf Bankbeamte. [4]

 

.) Scheidung von Benedikt Fantner laut Meldezettel vom 16. Juli 1926 bereits vor diesem Datum [5], laut Meldezettel vom 14.12.1933 erfolgte die gerichtliche Scheidung allerdings erst mit dem Urteil vom 27.1.1930 [6].

 

.) Nach eigenen Angaben war sie ab „1. März 1927 bis Ende Dezember 1938 Kanzleileiterin in der vorm. Rechtsanwaltskanzlei des Dr. Oskar Samek (Kanzlei in Wien I., Schottenring 14, späterhin XV., Reindorfgasse 18).“ Schon als Kanzleileiterin war sie auch als Verwalterin von Dr. Sameks Häusern Wien, XV., Reindorfgasse 18 und Wien X., Antonsplatz 16 zuständig. [1a]

 

.) Spätestens ab 28.11.1938 war Antonia Fantner behördlich konzessionierte Hausverwalterin mit der Firmenadresse Wien 14., Reindorfg. 18/12 [1b]

 

.) Standesamtlich getraut bei dem Standesamte Fünfhaus – Süd am 18. II. 1939 [7] oder am 15. II. 1939 [8] unter Familienbuch Nr. 185 mit Franz Johannes Kindl

.) Antonia Kindl ist am 6.12.1966 in Wien 15., Goldschlagstr. 56/Stiege 1, verstorben. [8]

Als Beschäftigung wird in der Todfallsanzeige bei „Mitteilung eines Sterbefalles“ „Pensionistin“ angegeben, auf den übrigen beiliegenden Dokumenten „Behördlich konzessionierte Gebäude-verwaltung“ [8]

.) Bei der Grabstellensuche Wien findet man mit historischer Suche auf dem Heiligenstädter Friedhof, Wien 19., Wildgrubg. 20, das Grab, in dem Antonia Kindl und Franz (Johannes) Kindl begraben sind: Teil N, Gruppe 13, Nummer 176

Antonia Kindl, begraben am 12.12.1966, Sterbealter: 68 Jahre

Franz Johannes Kindl, Bestattungsdatum: 30.11.1954, gestorben mit 66 Jahren, also ca. 1888 geboren.

Im gleichen Grab sind auch ihre Eltern Franz und Anna Schalda bestattet. [9]

 

Die beiden Ehemänner der Antonia geb. Schalda

 

1)

Benedikt Maria Fantner – glühender Sozialist, Arbeiterdichter und großer Karl-Kraus-Verehrer – ihr erster Mann

 

 

Abb. S 19a. Benedikt Fantner. Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv.

Auf der Datenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands

https://www.doew.at/result?id=200926&cat=1 (Zugriff: 24.7.2020)

 

 

Antonia Schalda war in erster Ehe mit einem revolutionären Arbeiterdichter verheiratet. Ob unterschiedliche politische oder gesellschaftliche Auffassungen zur Scheidung nach wenigen Jahren beigetragen haben, kann nicht beurteilt werden. Aber aus den Meldezetteln des WStLA [12] geht hervor, dass es nach der Abmeldung Benedikt Fantners von der gemeinsamen Adresse Karolinengasse 18 im Jahr 1926 weiterhin Kontakte zwischen Benedikt und Antonia gab. Benedikt Fantner zog zwar vorübergehend als Untermieter seiner Mutter in sein Geburtshaus Dingelstedtgasse 5-7 (früher Blüthengasse 9-11) zurück. Mit der neuerlichen Anmeldung am Weihnachtstag, dem 24.12.1926, als Untermieter bei seiner Frau Tony in der Karolinengasse scheint es ein Aufflackern der früheren Beziehung oder aber ein Zeichen der Unterstützung für den mittlerweile arbeitslosen Benedikt gegeben zu haben. Nach nicht einmal drei Monaten kehrte Benedikt in die Dingelstedtgasse zurück. Danach trennten sich die Wege wohl endgültig: Benedikt heiratete 1933 Josefine Bauer [6], Antonia 1939 Franz Kindl. [7]  bzw. [8]

 

Einige Stationen seines Lebens:

.) Benedikt Maria Fantner wurde am 9. Juni 1893 Wien-Fünfhaus 15., Blüthengasse 9, geboren.

Seine Eltern: Benedikt Fantner, Kürschnergehilfe, geb. im Gebärhaus in der Alservorstadt, und Juliana geb. Neumaier, geb. in Romau in Böhmen [10]

.) Am 10.1.1920 ist Benedikt Maria Fantner aus der kath. Kirche ausgetreten. [10]

.) Im 1. Weltkrieg Soldat in der k.k. Armee in Russland – russische Gefangenschaft – Kämpfer in der russischen Revolution [11]

.) Zur 1. Trauung 1921 mit Antonia Schalda bzw. der Scheidung wenige Jahre später siehe [3], [5]  und [6].

.) 21.12.1933 Trauung mit Josefine Bauer, geb. 12.1.1909 in Prag lt. Meldezettel [6]

.) 1921 Bankbeamter, 1926 arbeitslos, 1933 Schriftsteller [11]

 

.) in den späten 20er Jahren bzw. bis in die frühen 30er Jahre schriftstellerische Tätigkeit, u.a. Artikel und (vor allem satirische Erzählungen in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, u.a. in der Arbeiter-Zeitung, aber auch selbstständige Werke, z.B. Lazarus. Die Geschichte eines Menschen unserer Zeit, Wien 1929 und Geschichten aus der grauen Masse, Wien 1931 [12]

.) Am 11. November 1926 wurde Karl Kraus von Benedikt Fantner in überraschend unterwürfiger Art eingeladen, einen Vortrag für die Genossen des Bezirkes Wieden zu halten. [13]

.) Seine schwärmerische Verehrung für Karl Kraus äußert sich aber auch in einem Artikel der Zeitschrift „Junge Menschen“ im Dezember 1927 mit dem Titel „Der revolutionäre Künstler Karl Kraus“. [14]

.) 1937 Kämpfer im Spanischen Bürgerkrieg – Internierung in Frankreich – 1938 Rückkehr nach Wien – Deportation nach Dachau – wegen Arbeitsunfähigkeit Überstellung nach Hartheim bei Linz und Ermordung im Jänner 1942. [11]

.) Beisetzung der Urne mit seiner Asche durch seine Schwester Albertine (Skarwada) auf dem Baumgartner Friedhof im April 1942. [15]

 

II) Franz Johannes Kindl, Antonias zweiter Mann

 

Es war für Antonia Fantner in Hinblick auf die politische Situation sicher nicht von Nachteil, dass sie im Februar 1939 Franz Kindl heiratete. Sie wurde den Namen Fantner los, der auf ihre Verbindung mit dem revolutionären Arbeiterdichter hinwies, und Franz Kindl scheint auch „der Partei“ angehört zu haben.

 

Auszüge aus einer „Beschwerde“ gegen die Gebäudeverwalterin, die Karl Sperl, der Ehemann der Hausbesorgerin Maria Sperl, am 28.8.1947 an die Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland richtete:

 

Bis zu dem Jahre 1945 lebten wir mit Frau Antonia K i n d l in bestem Einvernehmen. Im Jahre 1945 war ich als Hausvertrauensmann verpflichtet, die in dem Hause wohnenden Parteigenossen in einer Liste zusammenzufassen. Ich musste deswegen auch den Gatten der Frau Antonia K i n d l, Herrn Franz K i n d l, in diese Liste aufnehmen. Seither verfolgt Frau Antonia K i n d l meine Gattin und mich mit ihrer Gehässigkeit. [20]

 

Etwaige konkrete nationalsozialistische bzw. judenfeindliche Aktivitäten bzw. Äußerungen wurden Franz Kindl (in den Akten) allerdings von niemandem vorgeworfen.

 

.) Von ihm sind nur wenige biografische Daten bekannt. Aus den Grabdaten ist zu erschließen, dass er ca. 1888 geboren worden sein muss.

.) Er ist am 30. 11. 1954 auf dem Heiligenstädter Friedhof begraben worden. Lebensalter: 66 J. [9]

.) Er wurde mit Antonia Fantner geb. Schalda bei dem Standesamte Fünfhaus – Süd am 18. II. 1939 [7]oder am 15. II. 1939 [8] unter Familienbuch Nr. 185 standesamtlich getraut.

 

Antonia Fantner und Franz Kindl dürften im gleichen Jahr im Haus Reindorfgasse 18 eingezogen zu sein:

 

1938 scheint Antonia Fantner erstmals im Einwohnerverzeichnis des Lehmann in der Reindorfgasse 18 als Kanzleibeamtin auf. [16]

Im selben Jahr wird erstmals auch Franz Kindl als Bewohner des Hauses Reindorfg. 18 genannt, der in den Jahren davor seine Firma in Wien III., Erdbergstr. 39, hatte, aber die Wohnung in Wien III., Lechnerstr.13.

 

1939 wohnt laut Lehmann im Haus Reindorfg. 18 eine Antonia Fantner, Kanzleibeamtin.

Auch ein Franz Kindl, Elektrotechniker, ist in diesem Haus ein Haushaltsvorstand. [17]

 

Im Jahr 1940 scheinen die beiden unter „Kindl“ im Einwohnerverzeichnis auf – die Trauung vom Februar 1939 ist erst in diesem Jahr berücksichtigt worden:

Antonia als Gebäudeverwalterin, XV., Reindorfg. 18, und Franz als Elektrotechniker, III., Erdbergstr. 39; Wohnung: XV., Reindorfg. 18. [18] Ob es sich nur um eine Türnummer handelt oder um zwei (Wohnung und Büro der Gebäudeverwalterin), ist nicht klar.

 

Im Jahr 1945 scheint der Name Kindl auf der Zinsliste der Hauses Reindorfgasse 18 bei Tür Nr. 12 auf, außerdem gibt es – ohne Türnummer – zwei Magazine: „Trenner Magazin“ und „Kindl Magazin“ [19]

 

.) Der jüdische Rechtsanwalt und Hausbesitzer Dr. Oskar Samek als Dienstgeber

 

Von 1. März 1927 bis Ende Dezember 1938 stand die ehemalige Bankbeamtin Antonia Fantner als Leiterin der Rechtsanwaltskanzlei in den Diensten von Dr. Oskar Samek [1a], der wie Benedikt Fantner glühender Karl-Kraus-Verehrer war, aber auch beruflich – durch die Vertretung bei zahlreichen Prozessen für Karl Kraus – mit diesem eng verbunden war. Der Beginn von Antonia Fantners beruflicher Tätigkeit als Kanzleileiterin fällt ziemlich genau mit der 2. Abmeldung von der (ursprünglich gemeinsamen) Wohnung in der Karolinengasse zusammen. [Vgl. 12]

Wie sich am Lehmann-Adressbuch von Wien beweisen lässt, befand sich diese Kanzlei bis zum Jahr 1933 an der Adresse Schottenring 14, ab 1934 im Haus Reindorfg. 18, dessen Besitzer Dr. Samek war. [21]

Dr. Oskar Sameks Vater Jonas M. Samek war im Juni 1932 [vgl. Kapitel 3.1.] gestorben, und seit Dezember 1932 war Oskar Samek nun grundbücherlich eingetragener Alleineigentümer des Hauses [vgl. Kapitel 3.4.] – eine mögliche Erklärung für die Übersiedlung der Rechtsanwaltskanzlei nach Rudolfsheim.

 

Dr. Oskar Samek stellte Antonia Fantner (später Kindl) am 16. September 1938 eine beglaubigte Vollmacht für Vermögensangelegenheiten aus. Sie kannte seine Liegenschaften durch die jahrelange (wohl bisher inoffizielle) Verwaltung ausgezeichnet und hatte spätestens ab 1938 eine Konzession als Hausverwalterin. (Vgl. [1a] und [1b])

Bis zur Beschlagnahmeverfügung 1941 war Dr. Samek der rechtmäßige Besitzer der Liegenschaften.

 

Am 10.3.1947 stellte Dr. Oskar Samek Antonia Kindl von New York aus abermals eine sehr umfassende Vollmacht für die Vertretung in Vermögensangelegenheiten, für Rückstellungsangelegenheiten sowie eine Prozessvollmacht aus. [22]

 

.) Einige andere massive Auseinandersetzungen zwischen der Gebäudeverwalterin und bestimmten Wohn- und Geschäftsparteien sowie der Finanzlandesdirektion:

 

.) Manche Auseinandersetzungen zwischen Antonia Kindl und Mietern bzw. dem Hausbesorgerehepaar waren eng mit ihrer Funktion als Hausverwalterin verbunden, z. B.

-      Untervermietung von Lagerräumen durch die Haas und Zischek an die Fa. Berghofer – ohne Wissen der Hausverwaltung [23]

- Streitigkeiten um die Vergabe eines Arbeitsauftrages zwischen dem Hausbesorger und der Gebäudeverwalterin [24]

 

.) Sehr interessant in Hinblick auf „Judenwohnungen“, Arisierung bzw. Restitution ist aber auch eine aktenkundige Auseinandersetzung zwischen Antonia Kindl und einem Wohnungswerber, der den Antrag stellte, in die Mietrechte seiner alten, kranken Mutter einzutreten.

Laut seinen Angaben hatte Antonia Kindl die Absicht, diese Wohnung selbst zu übernehmen, gegenüber der FLD argumentierte die Gebäudeverwalterin, das sei eine Judenwohnung gewesen, die von den derzeitigen Bewohnern arisiert worden sei.

 

Die Arisierung wurde vom Wohnungswerber vehement bestritten, und sein Antrag wurde von der FLD genehmigt. Letztlich entschied allerdings der Hauseigentümer Dr. Oskar Samek gegen den Wohnungswerber, gegen die FLD und für Antonia Kindl. [25]

Im Laufe dieser aktenkundigen Rechtssache verhält sich Antonia Kindl äußerst selbstbewusst und impulsiv.

Sie betrachtet die FLD nicht als vorgesetzte Behörde, sondern meint, die Finanzlandesdirektion gehe sie gar nichts an, sie habe ohnehin noch ein Hühnchen mit ihr zu rupfen.

Ihre Widerborstigkeit und ihr Umgangston mit der FLD, aber auch mit den Hausparteien, haben die Beamten der Geschäftsabteilung XII der FLD zur Verzweiflung gebracht, sodass sie den Leiter der Geschäftsabteilung XIII um Androhung des Verwaltungsentzuges für Antonia Kindl baten. [25]

 

Testament

 

Antonia Kindl war jedenfalls eine sehr emotionale und später auch ziemlich verbitterte Frau. Dies zeigt sich nicht nur in den oben zitierten Akten des ÖSTA, sondern auch in ihrem Testament vom 5. Oktober 1966: Sie beklagt sich bitter über die mangelnde Unterstützung und Fürsorge ihrer Verwandten, insbesondere ihrer Schwestern. Der genaue Wortlaut dieser Stelle:

 

Meine gesamten Geschwister und deren Angehörigen haben mir, trotzdem sie gewußt haben, daß ich durch einen schweren Sturz fast gehunfähig geworden bin, seit dem Tode meines Gatten Franz Kindl, keine Hilfe angedeihen lassen, man hat mir nicht einmal eine warme Schale Milch gebracht.

 

Sie werden enterbt, und ihre Verlassenschaft (2/3 – Anteil des Hauses Goldschlagstr. Nr. 56 sowie Liegenschaft in Gleisenfeld, Gerichtsbezirk Neunkirchen) fällt testamentarisch einem befreundeten Ehepaar zu. [8]

 

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[1a] ÖSTA, KT 1076, Registratur 18349 / P6g/ 1, Akt 0-5300-G-384, Anmeldung einer monatlichen Rente von RM 200.- durch Frl. Anna Fleck (Foto IMG_7875)

[1b] Vermögensanmeldung Dr. Oskar Samek – Schreiben von Antonia Fantner an die Vermögensverkehrsstelle vom 28.11.1938,

ÖStA, VA Kt. 98, 11304, IMG 7798

[1c] Herold, Adressbuch von Wien, früher Lehmann, Bd. I, Einwohnerverzeichnis, 1966

[2] Geburt / Taufe von Antonia Carolina Schalda am 2./13. März 1898

Matricula Online, Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 04., St. Florian (Matzleinsdorf), Taufbuch 01-60a, Fol. 64, Aufnahme 02-Taufe_0066

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/05-st-florian-matzleinsdorf/01-60a/?pg=69 (Zugriff: 15.3.2020)

[3] Trauung Benedikt Maria Fantner ∞ Antonie Karoline Schalda

WStLA, Akt 1.3.2.116.A1005(prov.).9322/1921 - 9322/1921 | 8.1.1921

[4] Meldezettel für Benedikt Fantner vom 14.1.1921 / Wien XIX., Diemgasse 6 / 1 / 11

Online bei WStLA: https://www.wien.gv.at/actaproweb2/benutzung/image.xhtml?id=seRsZjmnI62/c6Nv/yHr9OM0+8OkdD4Jp25sfgC2ACs1

(Zugriff: 25.3.2020)

[5] Meldezettel für Benedikt Fantner vom 16.7.1926 / Wien XV., Dingelstedtg. 5-7/ 3 / 33

Online bei WStLA:

https://www.wien.gv.at/actaproweb2/benutzung/image.xhtml?id=VhSsdXQJxEbeV/fwsAdsyOM0+8OkdD4Jp25sfgC2ACs1

(Zugriff: 25.3.2020)

[6] 14.12.1933 / Meldezettel für Unterparteien (Wohnungsgeber = Juliana Fantner): Dingelstedtg. 5/7, 3. Stock, Tür 33

https://www.wien.gv.at/actaproweb2/benutzung/image.xhtml?id=BvuALs+L5yLZWpnNelMLr+M0+8OkdD4Jp25sfgC2ACs1

(Zugriff: 25.3.2020)

[7] Vgl. Anmerkung zur Taufeintragung [2]

[8] WStLA, BG Fünfhaus, A4/4 – 4A-Verlassenschaftsakten / 4A/921/66, Verlassenschaftsabhandlung Antonia (Karoline) Kindl

[9] Grabsuche Wien

https://www.friedhoefewien.at/grabsuche_de (Zugriff: 12.3.2020)

[10] Geburts- bzw. Taufeintragung von Benedikt Maria Fantner

Geburt/Taufe von Benedikt Maria Fantner (jun.)

Matricula Online, Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 15., Fünfhaus, Taufbuch 01-18, Fol. 125, 02-Taufe_0125, 9./18.6.1893

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/15-fuenfhaus/01-18/?pg=127 (Zugriff: 5.3.2020)

[11] Wikipedia: Benedikt Fantner

https://de.wikipedia.org/wiki/Benedikt_Fantner (Zugriff: 5.3.2020)

[12] Meldezettel des WStLA / Wais: Benedikt Fantner

https://www.wien.gv.at/actaproweb2/benutzung/index.xhtml (Zugriff: 5.3.2020) → Suche → Volltext: Benedikt Fantner →Vollansicht Akt 2.5.1.4.K11.Fantner Benedikt.9.6.1893

[13] Die Fackel Nr. 712-716, Ende Januar 1926, XXVII. Jahr, S. 28

https://theodorkramer.at/site/assets/files/1034/bfa_ii_3.pdf (Zugriff: 25.3.2020)

[14] Benedikt Fantner, Der revolutionäre Künstler Karl Kraus, in: Junge Menschen. Monatshefte für Politik, Kunst, Literatur und Leben aus dem Geiste des jungen Generation, hrsg. von Walter Hammer, 8. Jahrgang, Dezember 1927, Heft 12, S. 298.

https://theodorkramer.at/site/assets/files/1034/bfa_vii_3.pdf (Zugriff: 5.3.2020)

[15] Herbert Exenberger auf der Website des DÖW: Biografie von Benedikt Fantner

https://www.doew.at/erinnern/biographien/spurensuche/benedikt-fantner-1893-1942 (Zugriff: 5.3.2020)

[16] Lehmann, Adressbuch für Wien, Einwohnerverzeichnis 1938

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/268144?zoom=3&lat=1600.47124&lon=1000&layers=B

(Zugriff: 18.3.2020)

[17] Lehmann, Adressbuch für Wien, Häuserverzeichnis 1939

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/2426787?query=fANTNER&zoom=2&lat=1600&lon=1000&layers=BT

(Zugriff: 18.3.2020)

[18] Lehmann, Adressbuch für Wien, Einwohnerverzeichnis 1940

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/254918?zoom=4&lat=274.52&lon=1118.708&layers=B (Zugriff: 18.3.2020) 

[19] ÖSTA, KT 1076, Registratur 18349 / P6g/ 4, Akt 0-5300-G-384 ÖSTA, Zinsliste Reindorfgasse 1945 Jänner – Februar (Foto IMG_8022)

[20] Beschwerde des Hausmeisters Karl Sperl gegen Antonia Kindl:

ÖSTA, KT 1076 Registratur 18349 / Akt 0-5300-G-384, P6g/ 6

IMG_8066 ÖSTA Sperl contra Kindl, u.a. Franz Kindl

[21] Im Lehmann-Adressbuch des Jahres 1933 wird diese Rechtsanwaltskanzlei sowohl im „Häusernachweis“ des Hauses Wien 1., Schottenring 14-14A als auch unter den „Öffentlichen Notaren und Rechtsanwälten“ des 1. Bezirks unter dieser Adresse angeführt:

.) Lehmann 1933, Häusernachweis für Schottenring 14-14A

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/2480749?query=Samek&zoom=3&lat=809&lon=1731&layers=BT

(Zugriff: 2.3.2020)

.) Lehmann 1933, Öffentliche Notare und Rechtsanwälte im 1. Bezirk

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/2480545?query=Samek&zoom=3&lat=809&lon=1731&layers=BT

(Zugriff: 2.3.2020)

.) Im Lehmann-Adressbuch des Jahres 1934 fehlt er in diesen beiden Verzeichnissen, die sich auf den 1. Bezirk beziehen. (Der „Häusernachweis“ heißt übrigens mittlerweile „Bezirksfachregister“).

.) Dafür wird die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Samek 1934 unter „Öffentliche Notare und Rechtsanwälte“ des XIV. Bezirks (damals war Rudolfsheim der 14. Bezirk) an der Adresse Reindorfg. 18 genannt.

1934 Öffentliche Notare und Rechtsanwälte

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/2484171?query=Samek&zoom=3&lat=0&lon=2687&layers=BT

(Zugriff: 2.3.2020)

[22] ÖSTA, KT 1076 Registratur 18349 / Akt 0-5300-G-384, P6g/ 4

IMG_7988 ÖSTA, Vollmacht bei Rückstellung für Kindl

[23] ÖSTA, KT 1076 Registratur 18349 / Akt 0-5300-G-384, P6g/ 6

IMG_8046 ÖSTA, RDFG 1947 Sperl-Kindl, Untervermietung von Lagerräumen an Fa. Berghofer

[24] ÖSTA, KT 1076 Registratur 18349 / Akt 0-5300-G-384, P6g/ 6

IMG_8063 ÖSTA, Türschließer Zephyr – Mahnung

[B25] ÖSTA, KT 1076 Registratur 18349 / Akt 0-5300-G-384, P6g/ 6