2.6. Ephrussi – Erinnerungen

 

Ein Nachfahre der Familie Ephrussi, Edmund de Waal, wusste selbst mehrere Jahrzehnte lang sehr wenig über das Schicksal des Emigranten Viktor Ephrussi und seiner Frau Emmy. In seinem Buch „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ [1] beschreibt er, wie er, zum Teil durch extrem zeitaufwendige und umfangreiche Recherchen in Archiven etc., immer mehr über seine Vorfahren bzw. über deren Schicksale erfuhr.

 

Es ist zum Großteil diesem Buch zu verdanken, dass die Öffentlichkeit  über die Emigration von Viktor Ephrussi und Emmy geb. Schey informiert bzw. daran erinnert wurde.

 

 

 

Abb. E 34. Das Buch von Edmund de Waal „Der Hase mit den Bernsteinaugen“;

Foto des Buches: Günter Oppitz (19.1.2020)


Aber es wurden auch Maßnahmen auf der musealen Ebene gesetzt, um das Andenken an die Vorfahren zu wahren: Man überließ das, was man von den Reichtümern retten hatte können, die Netsuke, dem Jüdischen Museum in Wien als Dauerleihgabe. Seither können alle kleinen japanischen Holz- und Elfenbeinfiguren von den Besuchern des Jüdischen Museums bewundert werden. Gleichzeitig sind sie Zeugen vom Kunstsinn der Ephrussis, aber auch vom brutalen und barbarischen Vorgehen der Gestapo. Die Aufgabe des Erinnerns haben also auch Museen übernommen.

 

 

Abb. E 35. Buch und Prospekt zur Ephrussi –

Ausstellung des Jüdischen Museums vom 6. November 2019 bis 8. März 2020

Foto des Buches und des Prospekts: Günter Oppitz (19.1.2020)

 

 

Sehr zurückhaltend wird in der Öffentlichkeit auf das tragische Schicksal verschiedener Familienmitglieder aufmerksam gemacht. Immerhin gibt es auf dem ehemaligen Wohngebäude der Ephrussis am Universitätsring 14 eine kleine Tafel, die an den Bauherrn Ignaz von Ephrussi (+ 1899) und an die Vertreibung der „Bankiersfamilie“ im Jahr 1938 erinnert. Die Namen der Emigranten, u.a. Viktor Ephrussi und Emmy geb. Schey, werden nicht genannt.

 

 

Abb. E 36. Tafel in der Schottengasse (Ecke zum Universitätsring) am Palais Ephrussi.

Foto: Günter Oppitz (14.9.2019) Foto-Nr. 6780 (Kopie)

 

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[1] Edmund de Waal, Der Hase mit den Bernsteinaugen. Das verborgene Erbe der Familie Ephrussi. 9. Auflage 2019. Deutschsprachige Ausgabe Paul Zsolnay Verlag Wien 2011.