6. ZUSAMMENFASSUNG

 

Es hat sich gezeigt, dass ein Großteil der Brautleute der Pfarre Mariahilf in den Jahren 1850 – 1870 nicht aus dem Bereich des heutigen Wien stammte. Es gab wesentlich mehr Zuwanderer, als aufgrund der Daten des Statistischen Amtes für das Jahr 1856 zu erwarten war, besonders bei den männlichen Brautleuten.

 

Es ist zwar anzunehmen, dass die meisten Ehepaare, die hier heirateten, auch in der Folge in Wien lebten. Dass die Mariahilfer Wohnadresse der Braut, die wichtig für den Nachweis der Pfarrzugehörigkeit war, über längere Zeit aktuell blieb, ist eher unwahrscheinlich.

 

Bei pfarrfremden Bräuten sind die Gründe für die Eheschließung in Mariahilf oft leicht aus den Matriken zu erkennen: Es gibt dann oft Zusammenhänge mit dem Heiratsalter, dem Familienstand, fallweise vielleicht mit der Konfession und dem Beruf des Bräutigams oder des Brautvaters. Es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Kirche von den Adeligen als beliebte Heiratskirche betrachtet wurde. Nicht alle möglichen Ursachen dafür, dass pfarrfremde Personen hier getraut wurden, lassen sich allerdings durch diesen Artikel dokumentieren oder plausibel erklären, z. B. eventuelle Spannungen zwischen dem Brautpaar und den Eltern oder der Ortsgemeinschaft bzw. (möglicherweise bereits unübersehbare) Schwangerschaften.

 

Natürlich könnte eine Ausdehnung des untersuchten Zeitraumes weitere bzw. präzisere Erkenntnisse bringen. Allerdings ist eine derartige Untersuchung sehr zeitaufwendig.

 

Die in dieser Untersuchung erhobenen Zahlen und Fakten deuten darauf hin, dass Mariahilf in den Jahren 1850 bis 1870 nur in sehr beschränktem Ausmaß die Funktion einer Wallfahrts- und Zufluchtspfarre für Heiratswillige hatte.

Ein Vergleich mit einer anderen Pfarre könnte jedoch zeigen, ob bestimmte Ergebnisse pfarrspezifisch sind, nur auf die Pfarre Mariahilf zutreffen, oder ob sie auch für andere Pfarren gültig sind. Daher ist auch eine Untersuchung für die Pfarre Gumpendorf geplant.

 

Ziel dieses Artikels war es, Zahlen und Fakten zusammenzutragen, die jedenfalls für sich eine gewisse Aussagekraft haben und die für weitere Untersuchungen (auch anderer Forscher) hilfreich sein könnten.

 

In einer weiteren Arbeit, ebenfalls ausgehend von den Trauungsmatriken der Pfarre Mariahilf, ursprünglich als zweiter Abschnitt dieser kleinen Studie gedacht, wurde ein Teil des Pfarrbezirks näher untersucht. Sie finden das kleine Bilderbuch auf meiner Homepage unter „Städte / Ortschaften / Siedlungen“.

 

Der Titel: „Magdalenengrund, auch Ratzenstadl genannt – ein Teil des Pfarrbezirks Mariahilf“