5.4. Evangelische Brautleute im Zeitraum 1850 - 1870

 

5.4.1. Untersuchungsergebnis aus Kapitel 4.2./Trauungen mit pfarrfremder Braut:

 

Im Zeitraum von 21 Jahren gab es 12 Trauungen, bei denen einer der Ehepartner evangelisch war, das heißt, dass der Anteil an gemischt-konfessionellen Trauungen im Sektor pfarrfremde Braut (5%) nur geringfügig höher ist als in den übrigen Trauungen dieses Zeitraums (4%)

Ob das eine hohe Zahl ist bzw. ob die Pfarre Mariahilf eventuell deswegen als Trauungspfarre ausgesucht wurde, weil hier gemischt-konfessionelle Trauungen problemlos möglich waren, kann eventuell ein Vergleich mit einer anderen Pfarre zeigen.

 

5.4.2. Untersuchungen aller Trauungen im Zeitraum 1850 – 1870:

 

Bei 98 Trauungen war der Bräutigam evangelisch (bei 94 Trauungen evangelisch/Augsburger Konfession, bei 4 Trauungen evangelisch/Helvetischer Konfession).

Bei 33 Trauungen war die Braut evangelisch (bei 32 Trauungen evangelisch/Augsburger Konfession, bei einer Trauung evangelisch/Helvetischer Konfession).

Insgesamt gab es also 131 gemischt-konfessionelle Trauungen, das sind etwa 4% aller Trauungen in diesem Zeitraum. Ob das ein hoher Prozentsatz ist bzw. ob die Pfarre Mariahilf eventuell deswegen als Trauungspfarre ausgesucht wurde, weil hier gemischt-konfessionelle Trauungen problemlos möglich waren, kann eventuell ein Vergleich mit einer anderen Pfarre zeigen.

 

Es soll dazu noch angemerkt werden, dass manchmal bei den Eltern einer katholischen Braut oder eines katholischen Bräutigams als Religion „evangelisch“ angegeben wurde (manchmal bei einem Elternteil, manchmal aber ausdrücklich bei Vater und Mutter). Die Hintergründe bzw. Ursachen für einen allfälligen Konfessionswechsel konnten in diesem Artikel jedoch nicht ergründet bzw. behandelt werden.

 

Dass Trauungen von Partnern mit unterschiedlicher Konfession besonders oft in Mariahilf stattfanden, darf bezweifelt werden, gibt es doch in den Heiratsbüchern dieser Zeit allgemein die Eintragungsspalte „protestantisch“, aber möglicherweise hat man in solchen Fällen trotzdem die Anonymität vorgezogen, die gegenüber der Wohnpfarre der Braut gegeben war.

 

Einige grundsätzliche Informationen zum Verhältnis der Konfessionen zueinander bzw. zu den gesetzlichen Regelungen und Vorschriften:

„Spezielle Erschwernisse gab es bei Mischehen: Die Trauung war grundsätzlich durch den katholischen Pfarrer vorzunehmen, die Kinder katholischer Väter wurden automatisch katholisch, den Söhnen akatholischer Väter wurde die Wahl der Konfession freigestellt.“ … Ab 1850 gestattete der junge Kaiser Franz Joseph „immerhin die ‚Nachtrauung‘, also die nachträgliche Einsegnung der Ehe durch den evangelischen Pfarrer, sofern ihr eine Konsensannahme durch den katholischen Pfarrer voranging. Das Protestantenpatent vom 8. April 1861 stellte die Gleichberechtigung der Konfessionen endlich auf eine verfassungsrechtliche Grundlage, aber erst im Jahr 1868 wurden auch die Eheschließungen beider Konfessionen gleich behandelt.“ [1]

 

5.4.3. Beobachtungen bezüglich der Matrikenführung bzw. Besonderheiten

bei gemischt-konfessionellen Trauungen

 

  • Religionsverschiedenheit galt als kirchliches Ehehindernis, sodass vor der Trauung die Dispens eingeholt werden musste.

Beispiel: Trauung am 15.1.1861 -

Friedrich Rudolf Schmöle, evang. AB (= „protestantisch AC“) ∞ Anna Katharina Schmittfull, kath.

Anmerkung wörtlich: „Dispens v. kirchlichen Ehehindernisse d. Religionsverschiedenheit“ [2]

  • In der Anmerkungsspalte wird (fallweise) ein Revers für die katholische Erziehung der Kinder festgehalten [2]:

Anmerkung wörtlich: „ Revers für die Kath. Erziehung v. Kindern“

  • Bei Eheschließungen zwischen einem katholischen und einem evangelischen Ehepartner wurde manchmal das Eheversprechen der Brautleute auch schriftlich vom Trauungspriester festgehalten.

Ein Beispiel:

Trauung am 2.2.1852 –

Karl Friedrich Adolf Ulrich, evang. AB ∞ Katharina Braunisch, kath.

Anmerkung wörtlich: „Diese Brautpersonen haben sich zu ehelichen erklärt coram me Don Ambrosio Münich, Parocho“ [3]

  • Es fällt auf, dass Personen mit evangelischer Konfession oft mindestens 2 Vornamen hatten, auch in Zeiten, wo das ansonsten nicht mehr üblich war,

z. B. Regina Elisabeth oder Karl Alexander.

Einige Vornamen waren besonders beliebt: Friedrich, Heinrich, Wilhelm,  Adolf, Konrad, August, Gustav, Christian, Gottlieb,

  • Ein Großteil der evangelischen Brautleute stammte aus dem Gebiet des heutigen Deutschland sowie aus Ungarn.
  • Eine Bevorzugung des katholischen Ehepartners wird aus den Kirchenbüchern nicht deutlich.

 

 

 

[1] Csendes / Opll 2001

Peter Csendes / Ferdinand Opll, Wien: Von 1790 bis zur Gegenwart (= Wien: Geschichte einer Stadt, Bd. 3), Böhlau Verlag Wien, 2001, S. 154 f.

online: https://books.google.at/books?id=vqEfmPCsBP0C&pg=PA154&lpg=PA154&dq=evangelisch+katholisch+Trauung +um+1850&source=bl&ots=d4myv3lO_r&sig=3ZhryJaqKB3Um1ytNn0ykMQYOmk&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj0reLr86LZAhXFJ1AKHXowBYkQ6AEIfzAM#v=onepage&q=evangelisch%20katholisch%20Trauung%20um%201850&f=false (Zugriff:  16.3.2018)

 

[2] Trauung am 15.1.1861 –

Friedrich Rudolf Schmöle, evang. AB (= „protestantisch AC“) ∞ Anna Katharina Schmittfull, kath.

Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-10, Fol. 78, Bild 03-Trauung_0080; online:

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/02-10/?pg=83 (Zugriff: 15.3.2018)

 

[3] Trauung am 2.2.1852 –

Karl Friedrich Adolf Ulrich, evang. AB ∞ Katharina Braunisch, kath.

Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-08, Fol. 253, Bild 03-Trauung_0259

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/02-08/?pg=275 (Zugriff: 15.3.2018)