5.2. Witwenschaft

 

Dass ein Witwer oder eine Witwe oft nicht am selben Ort bzw. in derselben Kirche heiratete wie bei der ersten Trauung, ist auch unabhängig von den Matriken von Mariahilf immer wieder festzustellen. Die Gründe dafür können natürlich unterschiedlich sein, aber oft steht wohl der Wunsch dahinter, an einem Ort zu heiraten, an dem man nicht an die erste Eheschließung erinnert wird.

 

Aber es kam durchaus auch vor, dass ein Witwer in seiner Wohnortpfarre heiratete, obwohl die Braut bei der zweiten Ehe nicht zu dieser Pfarre gehörte.

Möglicherweise hatte der Bräutigam zu diesem Zeitpunkt bereits Kinder, eine angesehene berufliche Stellung und war (samt seiner Familie) gut in die Pfarre, die Stadt oder das Dorf integriert.

 

Eine Gesamtzahl von Witwen und Witwern für den Zeitraum 1850 – 1870 wurde nicht ermittelt, aber bei den 5% der Trauungen, bei denen die Braut zum Zeitpunkt der Eheschließung nicht in Mariahilf wohnte, wurde Folgendes erhoben [1]:

 

78 Brautleute bei diesen 239 Trauungen waren verwitwet. Das bedeutet, dass ungefähr bei einem Drittel dieser Hochzeiten ein Witwer oder eine Witwe heiratete. Allerdings gab es auch Trauungen, bei denen beide Brautleute verwitwet waren.

 

 

[1] Matriken der Pfarre Mariahilf

Matricula online, Österreich, Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Mariahilf; online: http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/ (Zugriff: 29.3.2018)