1. EINLEITUNG

 

 

Bei der Erstellung eines Trauungsindexes für die Wiener Pfarre Mariahilf (Zeitraum 1850 bis 1900) und der anschließenden Vollerfassung der Jahre 1850 bis 1870 wurde mir bewusst, dass viele Brautleute nicht aus dem Bereich des heutigen Wien stammten. Aber „viele“ ist relativ und kann unterschiedlich verstanden werden.

 

Daher beschäftigte ich mich mit folgenden Fragen:

 

  • Wie groß war die Zahl der Zuwanderer tatsächlich?
  • Woher kamen sie?
  • War Mariahilf eine Art Wallfahrtskirche, eine Art Zufluchtspfarre, oder hatte sie Aufgaben und Funktionen wie jede andere Pfarre in Wien?  
  • Gab es – neben der Pfarrzugehörigkeit der Braut – auch andere Gründe, in dieser Pfarre den Bund der Ehe zu schließen?

 

Es wäre vermessen, in dieser kleinen Untersuchung alle diese Fragen beantworten zu wollen, aber es war eine Gelegenheit, konkrete Zahlen zu nennen und zumindest einige Überlegungen anzustellen.

 

Die Heiratsmatriken als Quellen[1]

 

Im vorliegenden Aufsatz wurde die Zeitspanne von 1850 bis 1870 untersucht. Für diese 21 Jahre lag eine Vollerfassung der Matriken vor, und dieser Zeitraum deckt sich ungefähr mit der sogenannten „Gründerzeit“, dem Vierteljahrhundert zwischen Revolution 1848 und Börsenkrach 1873.

Es war jene Zeit, in der die Stadt von einem starken Liberalismus geprägt war (u.a. zahlreiche Firmen-, Industrie- und Bankgründungen), in der die Stadtbefestigungen abgerissen wurden und die Stadt durch die Eingliederung der Vorstädte erweitert wurde. In den Vorstädten kam es zu einer baulichen Verdichtung und zum Aufbau einer Hinterhofindustrie.[2]

 

Vor allem die fast vollständig ausgewerteten Heiratseintragungen von 1850 bis 1870 (die Trauzeugen wurden aus Zeitgründen nicht erfasst) lieferten detaillierte Informationen über Braut und Bräutigam.

 

Fast bei jedem Bräutigam und jeder Braut wurden Herkunftsort und Wohnadresse zum Zeitpunkt der Eheschließung, Heiratsalter, Familienstand, Religionsbekenntnis und (auch bei Witwern und Witwen!) die Namen der Eltern angegeben. In der Regel führten die Schreiber auch den Beruf des Bräutigams, seines Vaters und des Brautvaters an.

 

Zuerst wurde ein Überblick über die Entwicklung der Trauungszahlen in der Pfarre Mariahilf in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gegeben (Kapitel 2).

Danach wurden Zahlen erhoben und Statistiken angefertigt, die vor allem in Hinblick auf die Herkunft bzw. Zuwanderung der Brautleute aufschlussreich sind (Kapitel 3 und 4).

Des Weiteren wurden einige mögliche spezielle Motive für die Eheschließung in der Pfarre Mariahilf untersucht (Kapitel 5).

 

Hauptziel dabei war es, Zahlen und Informationen zur Verfügung zu stellen, die für sich zwar bereits recht aufschlussreich sind, die aber auch als Mosaiksteinchen für größere Untersuchungen dienen könnten.

 

Mein besonderer Dank gilt bei diesem Artikel jenen beiden Stellen, die die Digitalisate der Kirchenbücher zur Verfügung stellen, der Erzdiözese Wien und Matricula/Icarus.

 

Ursprünglich sollten in einem zweiten Teil des Artikels folgende Fragen behandelt werden:

Wo wohnten die Brautpaare bzw. Ehepaare? Zum Teil auch: In welchen Verhältnissen lebten sie?

 

Diese lokalgeschichtliche Betrachtung einiger Häuser wurde jedoch durch eine grundlegende Arbeit über eine kleine Wiener Vorstadt bzw. einen Bezirksteil von Mariahilf ersetzt, die von diesem Artikel getrennt wurde und auf meiner Homepage unter "Städte / Ortschaften / Siedlungen" → „Magdalenengrund, auch Ratzenstadl genannt – ein Teil des Pfarrbezirks Mariahilf“ zu finden ist.

 

 

 

[1] Matriken der Pfarre Mariahilf

Matricula online, Österreich, Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Mariahilf; online: http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/ (Zugriff: 29.3.2018)

 

[2] Wien Geschichte Wiki: Gründerzeit; online: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Gr%C3%BCnderzeit

(Zugriff: 14.3.2018)