Die Besitzer des Hauses

Reindorfgasse 18

von 1789 bis 1954.

oder:

 

Das Haus, in dem Dr. Oskar Samek ein kleines

Karl-Kraus-Museum einrichtete

 

Ein Artikel von Günter Oppitz für die Homepage www.guenteroppitz.at 

 

                                        verfasst im November 2019

 

 

 

Abb. 1. Titelbild. Die unauffällige Fassade des Hauses Reindorfgasse 18.

 Foto: Günter Oppitz (9.5.2019)

 

 

 

IMPRESSUM 

 

Copyright © 2019 by Günter Oppitz, Wien

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INHALTSVERZEICHNIS

 

 

 

 

 

1. Einleitung

 

2. Die ehemaligen Vororte und ihre Entwicklung zum 15. Bezirk 

 

3. Besitzer des Hauses am heutigen Standort Reindorfgasse 18 zwischen 1789 und 1866

 

3.1. Erstbesitzer

 

3.2. Familie Seeböck

 

3.3. Familie Dadler

 

3.4. Familie Zwölfer

 

3.5. Familie Fischer

 

3.6. Familie Hornung

 

3.7. Familie Richter

 

4. Die Familie Neurath als Hauseigentümer

 

5. Die Familie Samek als Hauseigentümer

 

6. Reindorfgasse 18 – früheres und derzeitiges Gebäude

 

7. Zusammenfassung

 

8. Abkürzungen

 

9. Quellenverzeichnis

 

 

 

Kapitel 1. Einleitung

 

Wenn man vor dem Haus Reindorfgasse 18 steht, bemerkt man nichts, das darauf hinweist, dass hier eine verdienstvolle bzw. berühmte Persönlichkeit gelebt hat oder dass das Gebäude irgendwelche Geheimnisse oder Besonderheiten birgt. Die Fassade ist schlicht. Aber das Eingangstor lässt bereits erahnen, dass ein früherer Besitzer einen ausgeprägten Kunstgeschmack hatte.

 

 

 

Abb. 2. Eingangstor des Hauses Reindorfgasse 18.

Foto: Günter Oppitz (9.5.2019)

 

 

Öffnet man das Tor, bieten sich viele erfreuliche Anblicke:  

 

 

Abb. 3. Stuckaturen im Flur des Hauses Reindorfgasse 18.

Foto: Günter Oppitz (22.10.2019)

 

Fasst man das Eingangstor jedoch als Zutritt zur Vergangenheit auf, erwarten den Besucher nicht nur erfreuliche Perspektiven.

 

Wer waren die Besitzer dieses Hauses? Welche besonderen Vorkommnisse sind mit dem Gebäude verbunden?

 

Eine Bewohnerin dieses Hauses, Frau Gerlinde Kainz, hat sich viele Jahre lang mit der Geschichte des Hauses beschäftigt und es verstanden, bei anderen Personen (u. a. beim Autor) das Interesse für dieses Gebäude und die Menschen, die hier gelebt haben, zu wecken. Sie hat viele Informationen gesammelt und sie dankenswerterweise jenen zur Verfügung gestellt, die sich mit diesem Haus oder jenen Personen beschäftigen, die damit in Verbindung stehen. [1]

 

Dieses Gebäude war vor einigen Jahrzehnten Eigentum, aber auch Wohnhaus und Arbeitsstätte von Dr. Oskar Samek, dem Anwalt von Karl Kraus. Seine Vorfahren, die Familien Samek und Neurath, waren jahrzehntelang im Besitz dieses Hauses gewesen. Er selbst ist im Grundbuch ab 1926 als Miteigentümer, allerdings erst von 1932 bis 1941 offiziell als Alleineigentümer ausgewiesen [2] und errichtete in einem Raum dieses Hauses eine Gedenkstätte für Karl Kraus, die allerdings heute nicht mehr existiert.

 

Das Haus, in dem Dr. Oskar Samek dieses Karl-Kraus-Museum einrichtete, wurde 1905 erbaut, aber es schien interessant, sich auch mit dem Vorgängerbau zu beschäftigen. Immerhin lebten ja die Familien Neurath und Samek bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts an diesem Standort.

 

An wen richtet sich dieser Artikel im Besonderen?

 

.) An alle, die sich mit den beiden Persönlichkeiten Dr. Oskar Samek und Karl Kraus beschäftigen.

Der Artikel ist nicht als abgeschlossene, selbständige Arbeit zu betrachten. Er dient dazu, einen kleinen Bereich innerhalb der Samek- bzw. der Karl-Kraus-Forschung abzudecken, genaue Recherchen zum Standort Reindorfgasse 18 zu dokumentieren und Erkenntnisse festzuhalten, die durch verlässliche Belege nachvollziehbar sind.

 

Ziel dieses Artikels ist es, einige Informationen über die Geschichte des jetzigen Hauses Reindorfgasse 18 und seines Vorgängerbaues an diesem Standort zusammenzutragen und möglichst lückenlos die Reihe der Besitzer von den Anfängen (um 1789) bis 1954 aufzulisten.

Vor allem sollte auch herausgefunden werden, welche Funktionen das frühere Haus gehabt hat.

 

.) An jene, die sich mit Menschen und Häusern in den früheren Vororten Wiens, vor allem aber mit der Geschichte des Bezirks Rudolfsheim-Fünfhaus beschäftigen.

Für den Autor war es eine Herausforderung, über die Geschichte eines Hauses in einem (früheren) Vorort zu schreiben: Für die Innere Stadt gibt es sehr viele bzw. relativ frühe Quellen, für die (ehemaligen) Vorstädte sind ebenfalls zahlreiche Häuserverzeichnisse und Karten leicht zugänglich, bei den Vororten (das sind heute die äußeren Bezirke) dagegen ist die Lage ziemlich triste.   

Es soll einerseits versucht werden, bestimmte Erkenntnisse herauszuarbeiten, die für die Sozialgeschichte eines (früheren) Vorortes von Bedeutung sein könnten, aber es sollen den Lokalforschern auch Hinweise auf Quellen (z. B. Karten) vermittelt werden, die für die Arbeit in den heutigen Außenbezirken hilfreich sein könnten.

 

.) An jene, die sich an dunkle bzw. schreckliche Zeiten erinnern lassen und sich sachlich über Schicksale einiger Menschen informieren lassen, die in Reindorf bzw. einem Außenbezirk lebten.

Ein besonderer Aspekt bei diesem Haus war, dass es ab 1866 jüdische Besitzer hatte. Der letzte Hauseigentümer der Familien Neurath und Samek, Dr. Oskar Samek, musste 1938 das Land verlassen. Er verlor sein Haus und versuchte möglichst viel vom literarischen und publizistischen Erbe Karl Kraus‘ zu retten. Da die Ergebnisse diesbezüglicher Recherchen den Rahmen der Arbeit sprengen würden, hat sich der Autor entschlossen, gewissermaßen als Fortsetzung dieses Artikels in einem Vergleich die Schicksale von drei jüdischen Emigranten ausführlicher zu behandeln. Aber auch in dieser Hausgeschichte werden bereits zahlreiche erschütternde Vorgänge und Fakten angedeutet (z. B. im Kapitel 5.1.b).

 

Für die Recherchen wurden vor allem die alten Grundbücher des Klosters Pulgarn (bzw. der Herrschaft Gumpendorf) sowie die Grundbücher der Herrschaft Braunhirschen herangezogen, die im WSTLA einsehbar sind, außerdem die historischen Grundbücher von Rudolfsheim im Bezirksgericht Fünfhaus, weiters die Häuserverzeichnisse, die über die Wienbibliothek online einsehbar sind, sowie das Lehmann-Adressbuch von Wien, ebenfalls über die Wienbibliothek online zugänglich (siehe Quellenverzeichnis).

 

Ein besonderes Anliegen ist es dem Autor, alle Fakten mit entsprechenden Belegen zu untermauern bzw. dort, wo die Primärquellen (Grundbücher, Häuserverzeichnisse, Kirchenbucheintragungen, Briefe etc.) nicht greifbar sind, die Unsicherheiten ausdrücklich zu kennzeichnen.

 

Mein besonderer Dank gilt Frau Gerlinde Kainz, ohne deren Initiativen und Vorarbeiten dieser Artikel überhaupt nicht entstanden wäre.

Ich möchte mich aber auch bei allen Institutionen sehr herzlich bedanken, die die nicht-kommerzielle Verwertung von Bildern und Digitalisaten für wissenschaftliche Arbeiten gestatten oder durch ihre Online-Angebote diesen Aufsatz ermöglicht oder erleichtert haben. Das waren diesmal vor allem Einrichtungen der Stadt Wien, wie Wienbibliothek digital und ViennaGIS, die Österreichische Nationalbibliothek mit den Möglichkeiten der ANNO-Suche, aber auch mit ihrem realen, nicht digitalisierten Buchbestand und einigen Werken aus dem ÖNB-Bildarchiv, weiters jene Stellen, die die Digitalisate der Kirchenbücher zur Verfügung stellen, in diesem Fall die Erzdiözese Wien und Matricula / Icarus, sowie die Israelitische Kultusgemeinde, die allen Interessierten (u.a. über Digitalisate bestimmter Organisationen) die Einsicht in die Matriken ermöglicht.

 

 

Mein Dank gilt aber auch dem Wiener Stadt- und Landesarchiv und dem Bezirksgerich Fünfhaus für die Bereitstellung der Grundbücher und der Urkundenbücher.

Unschätzbare Hilfen boten auch die Datenbanken von Familia Austria (Sterbefälle in Wien) und von Genteam (neben katholischen Tauf- und Trauungsindizes sehr viele Hinweise auf jüdische Matriken). 

 

Wien, im November 2019                                                                          Günter Oppitz

 

 

[1] Frau Gerlinde Kainz hat dem Autor die ausdrückliche Genehmigung erteilt, ihren Namen an dieser Stelle zu nennen.

[2] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 263, Postzahl 9, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus