Kapitel 7. Zusammenfassung

 

Es war ein Ziel des Autors, möglichst viel über die Geschichte jenes Hauses bzw. jenes Standorts herauszufinden, wo Dr. Oskar Samek in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Eigentümer war und ein kleines Karl-Kraus-Museum einrichtete.

 

Es musste also eine Art Hausgeschichte verfasst werden, die sich (zum Teil aufgrund der Quellenlage) auf die Hausbesitzer konzentrierte. Wegen der etwas wirren grundherrschaftlichen Situation in den Vororten Reindorf und Braunhirschen ist es zwar (noch) nicht gelungen, den Bauherrn bzw. ersten Besitzer des Hauses zu finden, aber ab 1789 stehen die Eigentümer des Hauses bis zur Gegenwart fest. Bis 1954 wurden sie in diesem Artikel möglichst genau erfasst.

 

Die frühesten Besitzer waren vermutlich ein Bäckermeister, Kleinfuhrleute und Gastwirte, für deren Berufsausübung das Gebäude geeignet war. Es gab auch zwei recht prominente Besitzer, Wenzel Dadler und Heinrich Zwölfer, nach denen sogar Gassen im 15. Bezirk benannt sind. Während Dadler niemals am Standort Reindorfgasse 18 gewohnt hat, ist Zwölfer mehrere Jahre lang durch Kirchenbucheintragungen an dieser Adresse nachweisbar. Dadlers Ziel war vor allem der Liegenschaftserwerb zu grundherrschaftlichen Zwecken und zur Parzellierung, Zwölfer war mehrfacher Hausbesitzer und wohnte in den letzten Jahren seines Lebens  im Fünfhauser Bräuhaus, dessen Besitzer er war und das er großzügig erweiterte. Errichtungs- und Umbauarbeiten an seinen Häusern konnte er wohl selbst vornehmen, da er lt. Kirchenbucheintragungen Baumeister und Architekt war.

Ab der Mitte des 19. Jahrhundert waren Trödler und Möbelhändler die Eigentümer. Besonders interessant: Der Trödler Jonas Samek ließ 1904 das alte Haus abreißen und ein neues erbauen, das für seinen neuen Beruf, „Möbelhändler“, wohl besser geeignet war, wie aus dem Baukonsens hervorgeht. Spuren dieser Tätigkeit, die wohl auch Tischler- und Restauratorarbeiten umfasste, konnten bei einem Hausbesuch gefunden und durch Fotos dokumentiert werden.

Zwischen ca. 1930 und 1954 gehörte das Haus – mit Unterbrechung durch die Beschlagnahme und Enteignung – einem Rechtsanwalt, der hier vor dem 2. Weltkrieg auch seine Kanzlei hatte und einen Raum des Gebäudes der Karl Kraus – Verehrung widmete.

 

Es muss darauf hingewiesen werden, dass bereits der alte Bau eine beachtliche Größe aufgewiesen haben muss, da zum Beispiel laut HV von Ziegler aus dem Jahr 1837 bereits vier Betriebe in diesem Haus untergebracht waren. Über Größe und mögliches Aussehen des alten Hauses wurden vor allem im Kapitel 6.1. Überlegungen angestellt.

 

Obwohl das Biografische eigentlich nur dazu dienen sollte, die Besitzer mit ihren Häusern in Beziehung zu setzen, wurden manchmal auch weitere Daten festgehalten, die für Forscher hilfreich sein könnten. Es wurde großer Wert darauf gelegt, bei allen diesen Informationen die Quellen genau anzugeben und nach Zugängen zu suchen, wie sie bei genealogischen Forschungen und im Bereich der Häuserforschung bevorzugt verwendet werden.

 

Eine Erkenntnis zur Verlässlichkeit einer dieser Quellen selbst:

Beim Vergleich der Angaben in verschiedenen Unterlagen zeigte sich, dass das Lehmann-Adressbuch von Wien mit den unzweifelhaft verlässlichen und aktuellen Grundbüchern sowie mit anderen verbürgten Dokumenten überraschend genau übereinstimmt, sowohl bezüglich des Hausbesitzes als auch bezüglich der Bewohnerlisten. Zwei Beispiele: Die Enteignung 1941 (siehe Grundbuch) spiegelt sich darin wider, dass ab diesem Jahr im Lehmann-Häuserverzeichnis der Name des Eigentümers fehlt, die Emigration des Dr. Oskar Samek im Jahr 1938 äußert sich im Lehmann darin, dass sein Name 1939 im Einwohnerverzeichnis nicht mehr aufscheint.

 

Dass das Haus ab 1866 mit den Familien Neurath und Samek jüdische Besitzer hatte, war dem Autor am Beginn seiner Arbeit nicht bekannt. Das Schicksal des Dr. Oskar Samek, der 1938 alles verlor (auch das geliebte Karl-Kraus-Museum), sowie die überraschende und schockierende Direktheit und Unverfrorenheit, mit der in den Grundbüchern und Bescheiden auf irgendwelche „Gesetze“ und „Verordnungen“ hingewiesen wurde, mit denen den jüdischen Bürgern ihr Eigentum genommen wurde, haben den Autor veranlasst, sich in einem weiteren Artikel mit dem Titel „Drei jüdische Emigranten und ihre Familien – Dr. Oskar Samek, Viktor Ephrussi, Maximilian Resch. Flucht aus Österreich im Jahr 1938“ mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und Hintergründe und manche Einzelheiten dieser drei Schicksale ausführlicher zu untersuchen bzw. miteinander zu vergleichen. Voraussichtlicher Publikationstermin: Anfang 2020.

 

Bezüglich des vorliegenden Artikels sind eventuell Updates zu erwarten: Ergänzungen (z. B. aufgrund neuer Informationen), aber auch Berichtigungen (z. B. aufgrund von Leserzuschriften) sind geplant.