5. Die Familie Samek als Hauseigentümer

 

5.1. Eintragungen im historischen Grundbuch Rudolfsheim:

 

a) AMALIE SAMEK geb. Neurath und JONAS SAMEK:

 

.) Ab 15. Juni 1901 ist Amalie Samek, geb. Neurath, nach dem Tod ihrer Mutter Rosa Neurath Miteigentümerin einer Haushälfte (es gibt 14 weitere MiteigentümerInnen dieser Haushälfte). [1a]

 

.) Am 30. Oktober 1902 erwirbt ihr Mann Jonas Samek per Kaufvertrag die Anteile von 8 der oben erwähnten 14 MiteigentümerInnen an der Haushälfte / Einverleibung 7. November 1902. [1b]

 

.) Am 30. Oktober 1902 erwirbt ihr Mann Jonas Samek per Kaufvertrag die übrigen Anteile von 6 der oben erwähnten 14 MiteigentümerInnen an der Haushälfte / Einverleibung 18. Jänner 1903. [1c]

 

.) Am 23. Jänner 1903 wird nach dem Tod des Vaters Samuel Neurath dessen Realhälfte für Amalia Samek einverleibt. [1d]

 

Jonas und Amalia Samek geb. Neurath waren also ab Jänner 1903 grundbücherlich im Besitz der gesamten Liegenschaft Reindorfgasse 18.

 

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b) DR. OSKAR SAMEK:

 

.) Nach dem Tod seiner Mutter Amalia Samek im Jahr 1925 ist Dr. Oskar Samek ab 23. September 1926 erstmals – gemeinsam mit den Schwestern Irma Samek und Hilda Spitzer – Miteigentümer einer Haushälfte. [1e]

 

.) Nach dem Tod des Vaters Jonas Samek im Jahr 1932 wird erst am 10. Februar 1934 im Grundbuch das Alleineigentumsrecht für Dr. Oskar Samek angemerkt. [1f]

 

Die Schwester Hilda Spitzer geb. Samek war bereits 1926 [2], Irma Samek 1928 [3] verstorben.

 

.) 1941 – BESCHLAGNAHMEVERFÜGUNG der Geheimen Staatspolizei (Anmerkung vom 23. September 1941): [4]

 

.) 1944 – EIGENTUMSRECHT FÜR DAS „GROSSDEUTSCHE REICH“ (Einverleibung mit 19. Juli 1944): [5]

 

.) 1948 – Rückstellung an Dr. Oskar Samek bzw. Einverleibung mit 2. Dezember 1948 angemerkt. [6]

 

.) 1954 – VERKAUF DER LIEGENSCHAFT per Kaufvertrag vom 14. und 29. 12. 1954 durch Dr. Oskar Samek an Dr. Ing. Stefan Sztatecsny (Einverleibung mit 30. Dezember 1954) [7]

 

Eine detailliertere Betrachtung der Grundbuchseintragungen für Dr. Oskar Samek und einiger Bescheide in den Urkundenbüchern im Zeitraum 1938 bis 1954 soll in einem eigenen Artikel „Drei jüdische Emigranten und ihre Familien – Dr. Oskar Samek, Viktor Ephrussi, Maximilian Resch. Flucht aus Österreich im Jahr 1938“ erfolgen, in dem die Schicksale von Dr. Oskar Samek, Viktor Ephrussi und Maximilian Resch im Mittelpunkt stehen. [8]

 

5.2. Jonas Samek und Dr. Oskar Samek im Lehmann-Adressbuch von Wien

 

Jonas Samek ist ab 1893 bis 1904 als Trödler an der Adresse Reindorfgasse 18 eingetragen. 1905 und 1906 ist als Hauptadresse XIV., Ullmannstr. 41 angegeben – wohl als Ausweichquartier in jener Zeit, als das alte Haus abgerissen und das neue erbaut wurde.

In den Jahren 1896 bis 1906 besaß Jonas Samek auch eine Krawatten-Niederlage im II. Bezirk, Stephaniestr. 13.

Ab 1907 (bis 1925) findet man als Berufsangabe „Möbelhandlung“ und als Adresse Reindorfgasse 18.  Erst zwischen 1926 und 1930 wird der Möbelhändler Jonas Samek auch als Hausbesitzer von Reindorfgasse 18 bezeichnet. (Im Allgemeinen wurden im Lehmann die Eigentümer erst ab 1925 angegeben.)

1931 wird Jonas Samek als Privatier ausgewiesen, einen Hinweis auf den Hausbesitzer gibt es nicht.

1932 werden zwei Eigentümer von Reindorfgasse 18 angeführt: Jonas Samek, Privatier, und Dr. Oskar Samek, Rechtsanwalt.

 

Dr. Oskar Samek, Rechtsanwalt, wird ab 1921/22 als Bewohner der Hauses Reindorfgasse 18 genannt, aber erst ab 1932 als Eigentümer.

Im Einwohnerverzeichnis scheint Dr. Oskar Samek nur bis 1938 auf, ab 1934 gibt es in diesem Verzeichnis keinen Hinweis mehr darauf, dass er der Eigentümer des Hauses ist.

Im Häuserverzeichnis (Bezirksfachregister) wird Dr. Oskar Samek bis zum Jahr 1940 als Hausbesitzer ausgewiesen, danach (in den beiden letzten Jahren des Lehmann-Adressbuches) steht „Eigentümer ungenannt“. [9]

Anmerkung: In den letzten Jahren steht im Häuserverzeichnis (Bezirksfachregister) eine falsche EZ: 279 statt 270

 

Das Büro war lt. Lehmann von 1921/22 bis 1933 in Wien I., Schottenring 14; ab 1934 fehlt diese Büroadresse – es wird nur mehr „Reindorfgasse 18 angegeben.

* Über die Gründe für diese Verlegung des Büros sollen noch Recherchen durchgeführt werden. Diesbezügliche Ergebnisse werden voraussichtlich im Artikel „Drei jüdische Emigranten und ihre Familien“ (auf dieser Homepage) Anfang 2020 veröffentlicht. 

 

 

 

 

5.3. Biografisches

 

5.3.1. Jonas Samek und Amalie geb. Neurath

 

.) Geburt von Jonas Samek:

geb. 14.8.1855 [10] in Szenitz (Szenics), Nitra (Neutra), zuständig nach Hradist, Ungarn [11]

 

.) Geburt von Amalie Neurath: [12]

15. Juli 1859

Amalia Neurath

Vater: Samuel Neurath, Pfaidler in Reindorf (bei Wien)

Mutter: Rosina geb. Engel

Adresse: Reindorf 43

 

.) Trauung von Jonas Samek und Amalie Neurath:

Lt. Geburtseintragung von Oskar Samek: am 30. 10. 1887 in Neudörfl (Burgenland) [14]

 

.) Tod von Jonas Samek:

 

a) 16. Juni 1932 lt. Sterbeanzeigen in der Neuen Freien Presse: [13]

 

 

Abb. 22. ANNO-Suche der ÖNB - Sterbeanzeigen für Jonas Markus Samek in: Neue Freie Presse [13]

Hinweis durch eine Genteam-Datenbank (Sterbeanzeigen in der „Neuen Freien Presse“) 

 

 b) Hinweis durch eine Genteam-Datenbank – „Begräbnisse auf den Wiener Israelitischen Friedhöfen“:

Verstorbener: Jonas Markus Samek

Adresse: 1140, Reindorfg. 18, Beruf: Privat, Alter: 76 Jahre

Sterbeort: Gleichenberg

Begräbnisdatum: 19.6.1932

Zentralfriedhof / Tor 1 / Gruppe 52 / Reihe 4 / Grabnr. 36

 

.) Tod von Amalie Samek geb. Neurath

 

a) Lt. Grundbuch Rudolfsheim / EZ 270 / B-Blatt / Postzahl 6: gestorben am 12.8.1925 [1e] 

 

b) Lt. Index der jüdischen Matriken Wien Niederösterreich (Datenbank von Genteam):

Verstorbene: Amalie Samek – Neurath

Sterbedatum: 12.8.1925, 66 Jahre

Zusatzinformationen: geb. 15.7.1859 in Wien, Möbelhändlersgattin

Quelle: Matriken der IKG: Band 1925, Zahl 1526

 

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5.3.2. Dr. Oskar Samek und Ilona Kux, geschiedene Seiler

 

.) Geburt von Oskar Samek: [14]

2. Jänner 1889

Oskar Samek (Jitzchak)

Vater: Jonas M. Samek, Trödler, zuständig nach Wradist in Ungarn

Anmerkung: Die Zuständigkeitsgemeinde des Vaters lautet richtig Hradist (nicht Wradist)

getraut in Neutörfel 30. 10. 1887

Mutter: Amalie geb. Neurath

Adresse: Rudolfsheim, Kirchengasse 18

 

.) Geburt von Ilona Kux

 

a) lt. Genteam-Datenbank Austritte in Wien aus der IKG 1915 – 1945:

geb. 20.3.1895 in Lipto-zt. Miklos

Austrittsdatum: 8.5.1926, damalige Wohnadresse: Wien 3., Baumgasse 28, damaliger Stand: gerichtlich getrennt

 

b) lt. Beschlagnahmeverfügung v. 6.9.1941: [15]

[15] Bescheid 1634 / 1941 zum histor. Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, B-Blatt, Postzahl 10:

geb. am 20.3.1895 in „Liptovsky, Mikulas, Prot.“

 

 

.) Trauung von Dr. Oskar Samek und Ilona geb. Kux, geschiedene Seiler

Lt. Genteam, Datenbank Index der jüdischen Matriken WIEN und NÖ:

Trauung am 28. 4. 1938 in der Tempelgasse, im Trauungsbuch Nr. 101

Bräutigam: Dr. Oskar Samek

Braut: Ilona geb. Kux, geschiedene Seiler (geschieden seit 30.4.1926)

 

 

.) Tod von Ilona Samek geb. Kux [16]

Verstorbene: Ilona Samek

Sterbedatum: 26.9.1940, Sterbeort: New York City, Queens, New York, United States

Adresse: 45 Kew Garden Road, Queens, New York

Alter: 45 Jahre, verheiratet, Beruf: milliner (= Hutmacherin, Modistin)

Geburtsort: Ungarn

Beerdigung: 27. 9. 1940 Queens, New York, Mount Hebron Cemetery

Eltern: Adolph Kux und Ida, geb. Greiner, beide aus Ungarn

Ehepartner: Oskar Samek

 

.) Tod von Dr. Oskar Samek

 

a) Daten von Findagrave: [17]

Verstorbener: Oscar Samek

Geburt unbekannt

Tod 28. Jänner 1959

Begräbnis: Mount Hebron Cemetery, Flushing, Queens County, New York, USA

 

b) Angaben von "Karl Kraus Online": [18]

Lebensdaten von OSKAR SAMEK, Rechtsanwalt: * 2. Januar 1889, + 28. Januar 1959 New York

 

 

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[1a] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 262, Postzahl 2, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[1b] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 262, Postzahl 3, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[1c] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 262, Postzahl 4, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[1d] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 262, Postzahl 5, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[1e] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 262, Postzahl 6, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[1f] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 263, Postzahl 9, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[2] Laut Index der jüdischen Matriken von Genteam ist Hilda Spitzer-Samek am 6.6.1926 mit 33 Jahren (geb. 4.12.1893 in Wien) verstorben; Quelle: Matriken der IKG Buch 1926/ Zahl 1231

[3] Laut Index der jüdischen Matriken von Genteam ist Irma Samek am 21.12.1928 mit 37 Jahren (geb. 4.5.1892 in Wien) verstorben; Quelle: Matriken der IKG Buch 1928/ Zahl 2586

[4] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 263, Postzahl 10, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[5] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 263, Postzahl 11, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[6] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 263, Postzahl 13, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[7] Historisches Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, Fol. 263, Postzahl 16, Bestand des Bezirksgerichtes Fünfhaus

[8] Dieser Artikel soll Ende 2019 oder Anfang 2020 auf der Website www.guenteroppitz.at erscheinen.

[9] Lehmann-Adressbuch von Wien, Jahrgang 1942, Band 2, Häuserverzeichnisse / Reindorfgasse 18

https://www.digital.wienbibliothek.at/periodical/zoom/267505?zoom=5&lat=1558&lon=1801&layers=B (Zugriff: 26.10.2019)

[10] lt. Grabstein auf dem Wiener Zentralfriedhof / 1. Tor / Gruppe 52 / Reihe 4 / Grabnr. 36

[11] lt. Angaben auf dem Geburtsschein der Kinder, z. B. Hilda Samek, geb. 4.12.1893, IKG Lit. P, Nr. 2875

Austria, Vienna, Jewish Registers of Births, Marriages, and Deaths, 1784-1911; https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:33S7-8B2Q-H2T?cc=2028320&wc=4692-DX5%3A344266801%2C344618001%2C344680101 (Zugriff: 26.10.2019)

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:33S7-8B2Q-H2T?i=1019&cc=2028320 (Zugriff: 26.10.2019)

[12] Österreich, Niederösterreich, Wien, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, 1784-1911, Wien (alle Bezirke), Geburtsbuch C 1858 Mai-1864, Aufnahme 53, Nr. 773:

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:33S7-LBKB-8RG?i=52&wc=4692-D6Q%3A344266801%2C344266802%2C344410201&cc=2028320 (Zugriff: 26.10.2019)

[13] ANNO-Suche der ÖNB - Hinweis durch eine Genteam-Datenbank (Sterbeanzeigen in der „Neuen Freien Presse“ / ANNO-Projekt der ÖNB): Sterbeanzeigen für Jonas Markus Samek in: Neue Freie Presse v. 18. Juni 1932, S. 15

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&aid=nfp&datum=19320618&seite=15&zoom=2 (Zugriff: 26.10.2019)

[14] Österreich, Niederösterreich, Wien, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, 1784-1911, 15. Bezirk (Fünfhaus-Sechshaus), Geburtsbuch 1868 -1892, Aufnahme 365, Nr. 1103:

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:33S7-8BKY-4WH?i=364&cc=2028320 (Zugriff: 26.10.2019)

[15] Bescheid 1634 / 1941 zum histor. Grundbuch Rudolfsheim, EZ 270, B-Blatt, Postzahl 10:

geb. am 20.3.1895 in „Liptovsky, Mikulas, Prot.“

[16] Quelle: Familysearch, New York, New York City Municipal Deaths, 1795-1949

https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:2WGX-4PT (Zugriff: 26.10.2019)

[17] Find A Grave, database and images (https://www.findagrave.com : accessed 01 October 2019), memorial page for Oscar Samek (unknown–28 Jan 1959), Find A Grave Memorial no. 61772886, citing Mount Hebron Cemetery, Flushing, Queens County, New York, USA ; Maintained by Erice Wilcox (contributor 47002678) .

https://www.findagrave.com/memorial/61772886 (Zugriff: 1.10.2019)

[18] "Karl Kraus Online", Projekt der Wienbibliothek im Rathaus und des Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie [in: Barbara Sauer und Ilse Reiter-Zatloukal, Advokaten 1938. Das Schicksal der in den Jahren 1938 bis 1945 verfolgten österreichischen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Wien 2010]

https://www.kraus.wienbibliothek.at/person/oskar-samek (Zugriff: 26.10.2019)