Kapitel 3.3. Familie Dadler

 

3.3.1. Eintragung im Dienstbuch des Grundbuches Braunhirschen: [1]

 

Herr Wenzl Franz v. D‘Adler allein vermög eingelegter Original Aufsandung ddo 2ten Jänner 1803

 

Es gibt hier einen Hinweis auf das Gewährbuch A / Fol. 281 bzw. auf die Tax-Summe von 540 Gulden.

 

 

Laut dieser Eintragung im Dienstbuch war das Haus Reindorf 35 (später Kirchengasse bzw. Reindorfgasse 18) von 1803 bis 1815 in seinem Besitz.

 

3.3.2. Grunderwerb durch Wenzel Franz Dadler (1760 – 1835):

 

Franz Wenzel Dadler (auch D'Adler oder Tadler geschrieben) war ursprünglich Gutsverwalter, 1799 kaufte er die Herrschaft Braunhirschen aus der Konkursmasse von Anna Gräfin Meraviglia und vergrößerte sie danach durch Zukauf. Beruflich war er als Tuchfabrikant und Pottascheerzeuger nun selbständig. [2]

 

Ob Wenzel Franz Dadler Gutsverwalter bei der Gräfin Maria Anna Meraviglia war, wie in manchen Quellen zu lesen ist, konnte nicht verifiziert werden. Bei der Trauung im Jahr 1791 wird er zwar als „herrschaftlicher Verwalter“ [6] und bei der Taufe der Tochter Josepha Rosalia, geb. 1791, als „Rechnungsrevident bei Fürst Schwarzenberg“ [7] bezeichnet, aus den Eintragungen vor 1799 ist jedoch kein Zusammenhang mit der Gräfin Meraviglia erkennbar, sodass ein diesbezüglicher Irrtum nicht auszuschließen ist.

 

Etwas genauer wird der Herrschafts- und Grundstückserwerb im Buch von Michael Hahn beschrieben:

„Herr Wenzel Franz Dadler erkaufte in Folge Licitationsprotokolles des k. k. n. ö. Landrechtes vom 14. September 1799 aus der gräflichen Meraviglia’schen Concursmasse den Braunhirschengrund Einl. Nr. 410. Ferner wurde von ihm laut, mit dem Metropolitan=Kapitel in Wien, als Verkäufer, am 26. Juli 1800 abgeschlossenen Kaufkontraktes, die Grundherrlichkeit über die außer der Mariahilfer=Linie in Reindorf, Braunhirschengrund und hangenden Lüssen liegenden Häuser und Gründe (jetzige Kirchengasse am Braunhirschengrunde, von der Schönbrunner Hauptstraße an, die Häuser links und rechts, bis zur Kirche, dann in der Kirchengasse, weiter die Häuser links zu Reindorf bis zur Sechshauser Hauptstraße, endlich die Häuser und Gründe zwischen der Schwanen= und Josefigasse zu Fünfhaus) […] erkauft.“ [3]

 

Demnach wurde durch Dadler der Besitz des Braunhirschengrundes ab dem Jahr 1800 noch erweitert, indem er u.a. in Reindorf Gründe und Häuser erwarb – von der heutigen Mariahilfer Straße (damals Schönbrunner Hauptstraße) kommend die Häuser in der heutigen Reindorfgasse (früher Kirchengasse) links und rechts bis zur Kirche, dann aber bis zur Sechshauser Hauptstraße auf der linken Seite.

 

3.3.3. Veranschaulichung des Grunderwerbs und der Parzellierungen von Wenzel Franz Dadler durch den aktuellen Stadtplan und durch den Franziszeischen Kataster 1819

 

a) aktueller Stadtplan:

Der aktuelle Stadtplan zeigt den Bereich des früheren Braunhirschengrundes und des früheren Vororts Reindorf, südlich aber auch Teile des ehemaligen Vorortes Sechshaus, nordwestlich Teile des Vorortes Rustendorf:

 

 

Abb. 5. Aktueller Stadtplan von https://www.wien.gv.at/kulturportal/public/ (Zugriff: 6.10.2019)

Bereich zwischen Anschützgasse und Arnsteingasse bzw. zwischen Mariahilfer Straße und Sechshauser Straße 

 

Beschreibung:

Die aktuelle Karte verdeutlicht, dass also das Haus mit der aktuellen Orientierungsnummer Reindorfgasse 18 (früher Kirchengasse) auf der linken Seite lag, wenn man von der Mariahilfer Straße (früher Schönbrunner Hauptstraße oder Post-Straße) Richtung Sechshauser Straße ging. Die Kirche befand / befindet sich an der Ecke der heutigen Reindorfgasse / Oelweingasse. (Siehe auch Karte b)

 

 

b) Habsburgermonarchie - Franziszeischer Kataster 1819:

 

 

Abb. 6. Habsburgermonarchie - Franziszeischer Kataster 1819:

Im Zentrum der Bereich zwischen Dreihausgasse (D) und Reindorfgasse (R); zentral der schlossartige Werdenburger Hof mit dem Park

https://mapire.eu/de/map/cadastral/?layers=3%2C4&bbox=1816976.985522311%2C6138320.194471269%2C1818397.639352705%2C6138738.209469703

(Zugriff: 19.10.2019)

 

Beschreibung:

Im Zentrum des Kartenausschnitts liegt der Braunhirschengrund mit dem Schloss und den weitläufigen Parkanlagen. Im weiten Bereich zwischen Braunhirschengasse (blaues B) und heutiger Reindorfgasse (frühere Kirchengasse, blaues R) gab es noch keine Gassen.

Etwas weiter westlich verlief bereits die heutige Dreihausgasse (blaues D), benannt nach den namensgebenden „Drei Häusln“, die es anfangs hier gab. Auf der Karte ist nördlich mit Nr. 85 der alte Herrensitz (ursprünglich „Schloss Plankenau“ bzw. „Werdenburger Hof“ genannt) eingezeichnet.

Das blaue Kreuz (x) markiert den Standort des heutigen Hauses Reindorfg.18 – damals (1819) KNR 167.

 

3.3.4. Der Braunhirschengrund

 

1696 hatte Josef Christoph von Plankenau (Planquenau) einen Herrschaftssitz errichtet, ein schlossartiges Landhaus mit Nebengebäuden und ausgedehntem Park, der sich von der heutigen Schwendergasse Richtung Süden zwischen Dadlergasse und Braunhirschengasse erstreckte. [4]

 

Durch den Kauf der Herrschaft im Jahr 1799 und die darauffolgende Parzellierung begründete Dadler den Ort Braunhirschen. In diesem Bereich entstanden zwei neue Gassen, die Dadlergasse und die Fischergasse (heute Grimmgasse). Das Schloss selbst wurde von Dadler erst in seinem Sterbejahr 1835 erworben. Der Neubau wurde durch seinen Erben Karl Dadler vollendet. [4]

 

Durch Grunderwerb auch außerhalb des Bereichs von Braunhirschen (z.B. Reindorf 35 im Jahr 1803 / heute Reindorfgasse 18) förderte er aber insgesamt die Bau- und Renovierungstätigkeit im Bereich zwischen dem heutigen Schwendermarkt und der Sechshauser Straße. [vgl. 4]

 

Wenzel Franz Dadler verlor seine Frau durch einen Unfall sehr früh (siehe unter Biografisches / Sterbeeintragung von Juliana Dadler). Ca. 35 Jahre verbrachte Wenzel Dadler allein bzw. mit seinen Kindern und widmete sich möglicherweise besonders deshalb den verschiedenen Herrschafts-, Haus- und Grundstücksangelegenheiten.

 

3.3.5. Biografisches zur Familie Dadler:

 

.) Geburts- bzw. Taufeintragung für Wenzel Tadler in Olmütz – St. Mořic: [5]

30.9.1761/ Vater: Joseph Tadler, Gastwürth / Mutter: Barbara / Kind: Wenceslaus Hieronymus / Taufpaten: Joseph Frost, bürgerlicher Rauchfangkehrer, Maria Anna Weichmann

Der Vater hieß also Joseph Tadler, die Mutter hieß Barbara, der erste Vorname des Kindes ist Wenceslaus – das sind Übereinstimmungen mit der Trauungseintragung. Eine gewisse Unsicherheit gibt es insofern, als der 2. Vorname des Getauften mit „Hieronymus“ angegeben ist, bei der Trauung steht „Franz“.

 

.) Trauungseintragung von Wenzel Franz Tadler und Juliana Kling 1791 in der Pfarre Schottenfeld: [6]

BRÄUTIGAM: Wenzel Franz Tadler, ledig, herrschaftlicher Verwalter, gebürtig von Olmütz in Mähren

Vater: Joseph Tadler, Hausinhaber, verstorben / Mutter: Barbara geb. Zuck, am Leben

Adresse: Gumpendorf Nr. 1 / 28 Jahre, ledig

 

BRAUT: Juliana Kling, ledig, gebürtig von Oberneustift

Vater: Johann Kling, Hausinhaber, verstorben / Mutter: Rosalia geb. Bammer, am Leben

Adresse: im Schottenfeld zur Alster Nr. 176 / 22 Jahre, ledig

 

KINDER:

 

.) Taufeintragung von Josepha Rosalia Dadler [7]

Josepha Rosalia, geb. 22.12.1791 in Reindorf Nr. 84 / Beruf des Vaters: Rechnungsrevident bei Fürst Schwarzenberg

.) Taufeintragung von Theresia Dadler [8]

Theresia, geb. 26.4.1794 in Reindorf Nr. 12 / Beruf des Vaters: Tuchfabrikant

.) Taufeintragung von Karl Franz Dadler [9]

Karl Franz, geb. 26.10.1795 in Reindorf Nr. 13 / Beruf des Vaters: Hausinhaber

 

.) Sterbeeintragung von Juliana Dadler in der Pfarre Reindorf: [10]

3.12.1799 abends 10 Uhr, Reindorf Nr. 13

Verstorbene: Frau Juliana, Ehegattin des Herr Wenzl v. Tadler, Herr der Herrschaft Braunhirschengrund

Alter: 30 Jahre

Todesursache: „an den folgen einer Hirnschedl Verlezung nach einen Sturz aus den Wagen“

begraben: 5.12.1799

.) Sterbeeintragung von Wenzel Franz Dadler: [11]

Am 14. Juli 1835 starb in Reindorf 44 Wenzl Franz Dadler, Besitzer der Herrschaft Braunhirschen, 75 Jahre alt, an Harnblasenbrand. Er wurde versehen. Das Begräbnis fand am 17. Juli statt.

 

Ein Dokument vom 24. Februar 1838 bezüglich des Braunhirschengutes gibt Einblick in die weitere Familiengeschichte: [12]

Ein Drittel wurde Frau Josefa Angelis geb. Dadler zugesprochen, das war die 1791 geborene Josefa Rosalia,

ein Drittel erhielten die minderjährigen Karl, Anna und Josef Dadler, Kinder des 1795 geborenen Karl Franz,

ein Drittel bekamen die Minderjährigen Karoline, Heinrich und Eduard Fischer, Kinder der 1794 geborenen Theresia Fischer geb. Dadler

 

******************************************************************

[1] GB Braunhirschen B 199, 1a, Dienstbuch A, Fol. 283, Bestand des Wiener Stadt- und Landesarchivs

[2] Wien Geschichte Wiki: Franz Wenzel Dadler

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_Wenzel_Dadler (Zugriff: 6. 10.2019)

[3] Hahn, S. 2

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/zoom/372688?zoom=1&lat=1169.91362&lon=724.5&layers=B / Aufnahme 13

(Zugriff: 6.10.2019)

[4] Wien Geschichte Wiki: Braunhirschengrund (Vorort)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Braunhirschengrund_(Vorort) (Zugriff: 6.10.2019)

[5] Landesarchiv Opava / Archiv Olomouc : Pf. Olmütz – St. Mořic / N • inv. č. 5587 • sig. O III 5 • 1760 - 1771 • Olomouc - vnitřní město, Lazce, Řepčín, Neředín, Povel, Novosady, …

Fol. 111, Scan Nr. 60 / 30.9.1761

 

http://digi.archives.cz/da/permalink?xid=be97ef0c-f13c-102f-8255-0050568c0263&scan=60#scan60 (Zugriff: 19.10.2019)

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre 07., Schottenfeld, Trauungsbuch 02-001, Fol. 245, 02-Trauung_0246, 8.2.1791

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/07-schottenfeld/02-001/?pg=248 (Zugriff: 19.10.2019)

[7] Erzdiözese Wien, Pfarre 15., Reindorf, Taufbuch 01-01, Fol. 032, 02-Taufe-0032

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/15-reindorf/01-01/?pg=34 (Zugriff: 19.10.2019)

[8] Erzdiözese Wien, Pfarre 15., Reindorf, Taufbuch 01-01, Fol. 080, 02-Taufe-0080

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/15-reindorf/01-01/?pg=82 (Zugriff: 19.10.2019)

[9] Erzdiözese Wien, Pfarre 15., Reindorf, Taufbuch 01-01, Fol. 112, 02-Taufe-0112

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/15-reindorf/01-01/?pg=114 (Zugriff: 19.10.2019)

[10] Erzdiözese Wien, Pfarre 15., Reindorf, Sterbebuch 03-01, Fol. 138, 03-Tod_0146, 3.12.1799

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/15-reindorf/03-01/?pg=148 (Zugriff: 19.10.2019)

[11] Erzdiözese Wien, Pfarre 15., Reindorf, Sterbebuch 03-04, Fol. 72, 02-Tod_0072

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/15-reindorf/03-04/?pg=74 (Zugriff: 19.10.2019)

[12] Hahn 1853, S. 1

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/zoom/372687?zoom=2&lat=158.856&lon=705.224&layers=B / Aufnahme 12

(Zugriff: 19.10.2019)