Kapitel 3.2. Familie Seeböck

 

 

3.2.1. Eintragung im Dienstbuch des Grundbuches Braunhirschen: [1]

 

 

Abb. 4. Michael Seeböck als Besitzer des Hauses Reindorf 35 –

Grundbuch Braunhirschen B 199, 1a, Dienstbuch A, Fol. 283, Bestand des Wiener Stadt- und Landesarchivs [1] 

 

 

Die Eintragung im Dienstbuch des GB Braunhirschen lautet folgendermaßen: [1]

 

Mitte:

Fol. 283

Ein Haus und Hofstatt

Nr. 35 Reindorf

Besitzer: 

Michael Seeböck allein vermög Kaufkontrakt ddo. (= dato) 16ten August 1789 und Aufsandung de eodem Dato

links:

Zehend-Obrigkeit

Haus Nr. 35

Besitzst(and) H(au)ptb(uch) pag.

Bau(parzelle) Nr. 167

Grundp(arzelle) Nr. 169

Gewöhrbuch (= Gewährbuch): Lit.(= Buchstabe) / Fol. (= Blatt) A./267 //Tax / Gulden: 270

rechts:

Dienstgebühr jährlich zu Michaeli: zwey Gulden

Robbatgeld, solang wie Herrschaft solches nicht erhöhet, oder in natura zu verrichten verlanget: zwölf Gulden

 

 

Weitere Einzelheiten über den Besitzer könnte man eventuell aus dem Gewährbuch zum Grundbuch Braunhirschen erfahren, das aber derzeit (November 2019) als verschollen gilt.

 

 

3.2.2. Biografisches

 

Wer war Michael Seeböck?

 

Es gab in Braunhirschen einen Johann Michael Seeböck, der im Jahr 1773 mit seiner Frau Antonia ein „dienstbahres backhauß und garten“ zwischen dem Haus des Freiherrn von Fischer und der Straße neben dem Wirtshaus „Zum braunen Hirschen“ – ca 300 m von Reindorf 35 entfernt – kaufte. Auf die Funktion als Backhaus weist auch der Zusatz bei der Gewähr für Michael und Antonia Seeböck hin:

Sie wurden im Gewährbuch dazu verpflichtet, die „gemeinden und Inwohner und Erbauten Häusern welche unter die Herrschaft gumpendorf ausser der Linie gehören, mit genugsamen in den gewicht und in der qualitaet gut beschaffenen Brod zu allen Zeiten zu versehen“ und den auf der „Viehweyd bey dem würthshaus“ errichteten Brotladen zu beliefern. [2]

 

Das Backhaus, ursprünglich im Besitz der Gräfin Anna Maria Reichsgräfin von Meraviglia geb. Mollard, wurde von ihr am 6. April 1773 lt. Kontrakt an Johann Michael Seeböck und seine Frau Antonia verkauft. [2]

 

Dieses Backhaus und das Gasthaus „Zum braunen Hirschen“, anfangs noch mit der Bezeichnung „Zum hellen Brunnen“, dem es angeschlossen war, wurden lt. dem Geografen und Historiker Ernst Spiesberger im Jahr 1754 erbaut.  Die Gebäude hatten, wie man seinen kartografischen Studien entnehmen kann, im Jahr 1904 die Standorte Schwendergasse 37 und 39, standen also im Bereich der Dreihausgasse. [3]

 

Dementsprechend könnte es sich bei dem ersten bekannten Besitzer des Hauses Reindorf 35, dem oben genannten Michael Seeböck, um einen Bäcker gehandelt haben.

Ob der Besitzer des Backhauses und der Besitzer des Hauses in der Kirchengasse (heute Reindorfgasse) identisch waren, konnte nicht mit Sicherheit ermittelt werden.

 

Von einem Bäckermeister Johann Michael Seeböck (Sebek) konnten einige Eintragungen in den Kirchenbüchern von Penzing bzw. Gumpendorf gefunden werden. Darin gibt es aber keine Hinweise auf das Haus in der Kirchengasse (Reindorfgasse).

 

.) Taufe von Johann Michael Seeböck 1731 [4]

.) Taufe von Magdalena Antonia Seebeck 1768 [5]

.) Taufe von Joseph Michael Seebeck 1769 [6]

.) Taufe von Alois Johann Seeböck 1770 [7]

.) Taufe von Johann Nepomuk Petrus Seebeck 1771 [8]

.) Taufe der Maria Theresia Elisabeth Seebäck 1772 [9]

.) Taufe der Magdalena Seböckh 1775 [10]

.) Sterbeeintragung für Magdalena Sehbök, 1 Jahr,  1776 [11]

.) Taufe des Johann Michael Joseph Seebäck 1776 [11]

.) Taufe der Magdalena Seebeck 1777 [12]

.) Sterbeeintragung für Magdalena Sebök 1778 [13]

.) Taufe der Katharina Seböck 1778 [14]

.) Sterbeeintragung der Katharina Seböck 1779 [15]

 

Alle Kinder und auch der Vater Johann Michael Seeböck wurden in der Pfarre Penzing getauft, die beiden Sterbeeintragungen jedoch stammen aus der Pfarre Gumpendorf und weisen eine andere Adresse auf als die Taufen: In der Rein Nr. 47.

Der Familienname begegnet in den unterschiedlichsten Schreibungen. Der Vater wird immer als Bäckermeister bezeichnet. Als Mutter wird immer Antonia angegeben, lediglich 1777 (vermutlich irrtümlich) Josepha.

 

Bei den Taufen dagegen wird angegeben: „Dreihäusln Nr. 9“, im Jahr 1778: „Dreihäusln Nr. 9“ (gemeint ist offenbar die Gegend der Dreihausgasse). Diese Adressangabe passt ausgezeichnet zur Lokalisierung des Gasthauses „Zum braunen Hirschen“ und des Backhauses in der Dreihausgasse an der Kreuzung mit der Schwendergasse (früher: Marktgasse).

 

Einige Male werden als Taufpaten Joseph und Magdalena Herzog, Wirt / Wirtin „bei den 3 Häusln“, angegeben.

Die Familie Herzog war laut Hahn 1853 [16] von 1767 – 1771 im Besitz des Gasthauses „Zum braunen Hirschen“, dem Kern der Herrschaft Braunhirschen:

1767 – Kauf um 6.300 Gulden durch Georg Herzog und seine Frau Theresia

1771 – Verkauf um 7.300 Gulden an Frau Anna Gräfin von Meraviglia, geborene Gräfin von Mollard

 

 

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[1] Grundbuch Braunhirschen B 199, 1a, Dienstbuch A, Fol. 283, aus dem Bestand des Wiener Stadt- und Landesarchivs

[2] Grundbuch Kloster Pulgarn, B 140 – Grundbuch 9 – Gewährbuch B, Fol. 75 verso, aus dem Bestand des Wiener Stadt- und Landesarchivs

[3] Spiesberger 1964, S. 6

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-02, Fol. 11, 03-Taufe_0012

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-02/?pg=19 (Zugriff: 19.10.2019)

12.10.1731

[5] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 113, 03-Taufe_0112

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=117 (Zugriff: 19.10.2019)

21.2.1768

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 136, 03-Taufe_0135

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=140 (Zugriff: 19.10.2019)

1.10.1769

[7] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 147, 03-Taufe_0146

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=151 (Zugriff: 19.10.2019)

21.6.1770

[8] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 163, 03-Taufe_0162

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=167 (Zugriff: 19.10.2019)

29.4.1771

[9] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 183, 03-Taufe_0182

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=187 (Zugriff: 19.10.2019)

1.10.1772

[10] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 212, 03-Taufe_0213

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=218 (Zugriff: 19.10.2019)

3.4.1775

[11] Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Gumpendorf, Sterbebuch 03-07, Fol. 126., 03-Tod_0251

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-gumpendorf/03-07/?pg=254 (Zugriff: 19.10.2019)

7.4.1776

[11] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 225, 03-Taufe_0226

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=231 (Zugriff: 19.10.2019)

14.8.1776

[12] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 236, 03-Taufe_0237

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=242 (Zugriff: 19.10.2019)

10.10.1777

[13] Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Gumpendorf, Sterbebuch 03-07, Fol. 168, 03-Tod_0335

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-gumpendorf/03-07/?pg=338 (Zugriff: 19.10.2019)

23.8.1778

[14] Erzdiözese Wien, Pfarre 14., Penzing, Taufbuch 01-03, Fol. 254, 03-Taufe_0255

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/14-penzing/01-03/?pg=260 (Zugriff: 19.10.2019)

12.10.1778

[15] Erzdiözese Wien, Pfarre 06., Gumpendorf, Sterbebuch 03-07, Fol. 190 v., 03-Tod_0380

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-gumpendorf/03-07/?pg=383 (Zugriff: 19.10.2019)

3.9.1779

[16] Hahn, 1853, S. 1

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