Kapitel 2. Die ehemaligen Vororte und ihre Entwicklung zum 15. Bezirk

 

2.1. Von den selbständigen Vororten Braunhirschen, Reindorf, Rustendorf, Fünfhaus und Sechshaus zum Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus [1][2]

 

 

Am Anfang des 18. Jahrhunderts gab es im Bereich des heutigen 15. Bezirks nur wenige Gebäude. Im Jahr 1706 standen hier lediglich 11 Häuser. Im Lauf der folgenden Jahrzehnte nahm die Häuserzahl rasch zu.

1771: 123 Häuser, 1830: 500 Häuser, 1880: 1300 Häuser

 

Wie kann man den Begriff „Vororte“ umschreiben?

 

Es handelte sich um Ansiedlungen außerhalb des 1704 errichteten Linienwalls (im Allgemeinen also außerhalb des heutigen Gürtels). Sie unterstanden bis 1848 verschiedenen Orts- und Grundherren und waren danach selbständige niederösterreichische Gemeinden (die von Bürgermeistern geleitet wurden). [3]

 

Die Vororte Braunhirschen, Reindorf und Rustendorf  schlossen sich 1863 zur Großgemeinde Rudolfsheim zusammen, um die Probleme der Infrastruktur gemeinsam zu bewältigen.

 

1890/92 wurden die Vorortgemeinden Rudolfsheim und Sechshaus zusammengeschlossen und als 14. Bezirk Rudolfsheim in die Stadt Wien eingemeindet.

Ab 1938 bildete Rudolfsheim gemeinsam mit Fünfhaus den 15. Bezirk (damaliger Bezirksname: „Fünfhaus“), 1957 erhielt der 15. Bezirk die Bezeichnung „Rudolfsheim-Fünfhaus“. [2]

 

 

2.2. Weitere Informationen zum Vorort Reindorf [4]

 

 

1768, als die Grundherrschaft vom Stift Klosterneuburg an den Grafen Meraviglia verkauft wurde, gab es hier 55 Häuser. 1801 wurden von den 101 Häusern Reindorfs 67 zu Sechshaus eingemeindet.

 

Ein Teil der Häuser von Reindorf unterstand der Grundherrschaft Penzing (Kauf von Franz Xaver Freiherr von Mayr), einige Gebäude gehörten jedoch zur Herrschaft Braunhirschen (u. a. das Haus mit dem heutigen Standort Reindorfgasse 18).

 

2.3. Adressangaben und Nummernänderungen für den heutigen Standort Reindorfgasse 18

 

Bereits ab dem Ende des 18. Jh. wurde die heutige Reindorfgasse nach der 1786 – 1789 errichteten Reindorfer Kirche „Allerheiligste Dreifaltigkeit“ als „Kirchengasse“ bezeichnet.

 

Das Gebäude am heutigen Standort Reindorfg. hatte jedenfalls schon 1789 (bei der Eintragung des Michael Seeböck) die Konskriptionsnummer Reindorf 35. Der entsprechende Vermerk im Grundbuch Braunhirschen „Haus Nr. 35“ lässt vermuten, dass die Vergabe der Konskriptionsnummern in den Vororten Braunhirschen, Rustendorf und Reindorf möglicherweise sogar etwa gleichzeitig mit der 1. Nummerierung in der Inneren Stadt und in den Vorstädten ca. 1771 erfolgt sein könnte. [5]

 

1862/63 wurden statt der unübersichtlichen Konskriptionsnummern in den Bezirken 1 - 9 die Orientierungsnummern eingeführt. Die Vororte folgten dieser Maßnahme allmählich. 1869 weist Czapek im Vorwort seines HV darauf hin, dass der Wandel von den KNR zu den Orientierungsnummern in den meisten Vororten bereits vollzogen worden ist, so auch in Rudolfsheim. Er stellt die beiden Nummern nebeneinander: KNR Reindorf 35 = Rudolfsheim, Kirchengasse 18 (Reindorf) [6]

Allerdings dürfte sich die Verwendung der Orientierungsnummern nur allmählich durchgesetzt haben. Im Lehmann 1870 werden Bewohner desselben Hauses mit verschiedenen Nummern angegeben: Franz Hornung – Reindorf KNR 35, Samuel Neurath – Rudolfsheim, Kirchengasse 18.

 

1894 wurde die Kirchengasse zur Wahrung des Vorortnamens Reindorf in Reindorfgasse umbenannt. [4]

Das Haus hatte ab nun also die Orientierungsnummer Reindorfgasse 18.

 

 

 

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[1] Wien Geschichte Wiki: Rudolfsheim-Fünfhaus

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolfsheim-F%C3%BCnfhaus (Zugriff: 19.10.2019)

[2] Wien Geschichte Wiki: Rudolfsheim (Vorort)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolfsheim_(Vorort) (Zugriff: 19.10.2019)

[3] Wien Geschichte Wiki: Vororte

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Vororte (Zugriff: 19.10.2019)

[4] Wien Geschichte Wiki: Reindorf

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Reindorf (Zugriff: 19.10.2019)

[5] Siehe Kapitel 3.2.1. / Abb. 4. Michael Seeböck als Besitzer des Hauses Reindorf 35 – Grundbuch Braunhirschen B 199, 1a, Dienstbuch A, Fol. 283, Bestand des Wiener Stadt- und Landesarchivs

[6] HV 1869 (Czapek)

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/zoom/411412?zoom=3&lat=1839&lon=810&layers=B  (Zugriff: 19.10.2019)