9. ZUSAMMENFASSUNG

 

Ereignisse, Tatsachen, Überlegungen

 

Zwischen 1905 und 1907 wurde die Kirche St. Josef ob der Laimgrube, die ursprünglich an der Mariahilfer Straße stand und mit dem Pfarrhof ein Verkehrshindernis bildete, abgerissen und in der Windmühlgasse 3 im gleichen Stil wieder aufgebaut.

 

Vorwürfe von Kritikern:

 

Eine Kirche wurde aus der ersten Reihe (Mariahilfer Straße) entfernt und in einer Seitengasse (Windmühlgasse) versteckt.

 

Der Verkehr hat an Bedeutung gewonnen und Vorrang bekommen.

 

Aber es wäre wohl falsch, von einer grundsätzlichen „Zurücksetzung“ der Kirche zu sprechen. Der Standortwechsel war nur auf eine bestimmte Situation zurückzuführen und geschah mit Einwilligung der höchsten kirchlichen Stellen, die sich dessen bewusst waren, dass Kirche und Pfarrhof aus verkehrstechnischer Sicht zum Ärgernis für viele geworden waren.

 

Alternativen:

1) Abriss von Kirche und Pfarrhof ohne Ersatz

2) Durchgang unter der Orgelempore der Kirche (ähnlich wie bei der heutigen Stiftskirche), aber kaum eine sinnvolle Lösung für den Pfarrhof.

 

Man kann wohl verstehen, dass man von kirchlicher Seite aus das Angebot der Gemeinde Wien dankbar annahm, nur einige Meter entfernt eine Stilkopie der alten Laimgrubenkirche und einen neuen Pfarrhof zu errichten. 

 

Das ehemalige Kloster, später ein Polizeigefangenenhaus, wurde schon 1905 abgerissen, und auf diese Weise wurde ein riesiges Areal geschaffen, auf dem ein ganzer Häuserblock mit der neuen Laimgrubenkirche und dem neuen Pfarrhof errichtet werden konnte. Die baulichen Veränderungen führten auch zur Eröffnung neuer Straßenabschnitte, zu Umbenennungen und Änderungen bei der Nummerierung der Häuser.

 

Gedanken zum Schicksal des ehemaligen Klosters:

 

Ein riesiges Gebäude übernahm im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Funktionen: Aus einem Versorgungshaus wurde ein Kloster, danach eine Besserungsanstalt, ein  Knabenseminar und schließlich ein Polizeigefangenenhaus.

Es sollte Hilfe und Schutz bieten, geistiges und geistliches Zentrum sein, auf den rechten Weg führen.

 

Als sich um 1900 die Auffassung durchsetzte, dass es diese Aufgaben nicht mehr erfüllen konnte, wurde es verstärkt auch als Hindernis für andere Projekte gesehen.

Da sich der Gebäudekomplex damals im Besitz der Gemeinde Wien befand, konnte diese auch den Abriss verfügen und ein neues Wohn- und Verkehrskonzept für das Windmühlviertel erstellen.

 

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Es bemühten sich alle Seiten um die beste Lösung für die Bevölkerung, es wurde ein Konsens erzielt, und für die Umsetzung dieses großen Projektes mussten auch Opfer gebracht werden.

 

Mein Ziel war es, daran zu erinnern, dass es einmal anders war.

Aber natürlich wollte ich auch andeuten, wie es einmal war, Details sichtbar machen, die (schon) nach etwas mehr als hundert Jahren völlig in Vergessenheit geraten sind

 

Ich wollte dabei auch auf bestimmte Zusammenhänge aufmerksam machen, die sich unserer Generation nicht mehr von selbst erschließen.

 

 

Abb. 24: Die neue Kirche St. Josef ob der Laimgrube – tatsächlich im Hintergrund,

aber leicht zu finden, wenn man sie sucht,

und leicht zu erreichen, wenn man sie aufsuchen möchte

Foto: Autor (2017)