7. Zusammenfassung

7.1. Bewohnerlisten aufgrund von Kirchenbucheintragungen

 

Natürlich kann man aufgrund von Kirchenbucheintragungen keine jährlichen vollständigen Bewohnerlisten erstellen, wie sie bei manchen Jahrgängen des Lehmann-Adressbuches im 20. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Häuserverzeichnisse“ (gemeint sind damit eigentlich „Bewohnerverzeichnisse“ der einzelnen Häuser) veröffentlicht wurden. Man kann nur Zeiträume erfassen, da kirchliche Ereignisse nicht so häufig sind. Personen, bei denen es im untersuchten Zeitraum keine Taufe, keine Trauung oder keinen Todesfall gibt oder die vielleicht gar nicht katholisch sind, scheinen überhaupt nicht auf.

 

Die Listen enthalten zumindest einige Bewohner dieser Häuser, die im untersuchten Zeitraum hier gelebt haben. Sie verdeutlichen, für welche Familien sich die Adresse geändert hat und für welche Familien sie ab 1810 gleich geblieben ist. Sie deuten aber auch an (und in manchen Fällen wurde mir das auch in weiter führenden Recherchen bestätigt), dass manche Familien offenbar nur kurz in einem dieser Häuser gewohnt haben bzw. dass Wohnungswechsel damals nichts Ungewöhnliches war.

 

7.2. Die Methode

 

Bei Fehlen von Einwohnerverzeichnissen ist die Auswertung der Kirchenbücher ein mögliches Mittel, um zumindest für einige Bewohner die Wohnadresse zu einem bestimmten Zeitpunkt festzustellen. Sind die Eintragungen dort zwar chronologisch angeordnet, so finden sich doch stets Angaben zum Wohnort. Um nun die Personen eines bestimmten Hauses zu erfassen, ist es nötig, die Eintragungen komplett durchzuarbeiten. Das ist zwar extrem aufwändig, und es können natürlich nur katholische Bewohner mit einem kirchlich relevanten Ereignis (Taufe, Heirat oder Tod) sichtbar gemacht werden. Doch sind die Kirchenbücher– vor allem gemeinsam mit den Häuserverzeichnissen – eine hervorragende Quelle, um soziale und verwandtschaftliche Beziehungen zu dokumentieren.

 

 

7.3. Änderungen in der Nummerierung um 1810

 

Es zeigte sich, dass das Haus bzw. das Areal, das um 1800 die Nummer Mariahilf 13 hatte, eine Schlüsselrolle spielte: Die Parzelle wurde ab ca. Mai 1810 auf die neuen Nummern Mariahilf 13 und Mariahilf 14 aufgeteilt.

Dementsprechend wurden die Nummern der folgenden Häuser (Richtung Kirche) um eine erhöht.

Es wurde allerdings auch klar, dass es in Mariahilf offenbar zwischen den großen Nummernänderungen eine Adaptierung gegeben hat, die zwar registriert wurde, aber in den HV nur durch Vergleichen der Besitzer, Hausschilder und Einwohnerlisten erkennbar ist. Diese Änderung um 1810 betraf allerdings nur den Bereich um die Kirche: Anknüpfend an die Adaptierungen bei den Häusern, die in diesem Artikel behandelt wurden, erhöhte man auch die Konskriptionsnummern in der Kleinen Kirchengasse – jedenfalls bis zum Haus des Ignaz Weißkram, das vor 1810 die Nummer 27, danach aber Nummer 28 hatte. Beim nächsten Haus hat vielleicht nur der Besitzer gewechselt, aber bei den folgenden Grundstücken hat es offenbar einzelne Änderungen durch Neubau, Zusammenlegung und Abriss gegeben, die in neuen Nummern berücksichtigt wurden.

Ab Nr. 33 (Andreas Schnit), dem letzten Haus, das in der Kleinen Kirchengasse angeführt wird, sind die Konskriptionsnummern vor und nach 1810 gleich – also auch in der Hauptstraße, die mit dem „Schwarzen Thor“ Nr. 34 erreicht wird. Ansonsten konnten um 1810 in der Vorstadt Mariahilf keine Änderungen oder Verschiebungen bei den Konskriptionsnummern festgestellt werden.

 

7.4. Zusätzliche Ergebnisse und Erkenntnisse

 

Im Laufe der Arbeit wurde eine Fülle von genealogisch interessanten Details zusammengetragen.

Es wurde aber auch einiges an Material für heimatkundliche bzw. sozialgeschichtliche Untersuchungen bereitgestellt.

Auch auf Berufe, die in der Vorstadt Mariahilf im frühen 19. Jahrhundert ausgeübt wurden, wurde eingegangen. Ob bzw. wie weit der Beruf im Wohnhaus ausgeübt wurde, konnte im Rahmen dieser Untersuchung nur für wenige der Bewohner geklärt werden, aber immerhin für zwei der drei bürgerlichen Hausbesitzer, die mit ihren Familien in den eigenen Häusern wohnten. Ihnen wurde relativ viel Raum gewidmet.

Es wurde auch auf einige Besonderheiten und Einrichtungen hingewiesen, die diese Häuser prägten und die aus den vielen recherchierten Details erkennbar wurden.

 

Die Entdeckungsreise im Bereich der heutigen Mariahilfer Straße 47 bis 55, die Auseinandersetzung mit den Häusern und ihren damaligen Bewohnern soll eine Annäherung an die Geschichte der Vorstadt Mariahilf ermöglichen und einige Einblicke in das Leben der Menschen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geben.