6.3.2. Einige andere Besitzer des Hauses „Zum weißen Stern“

 

1. FRAU  THERESIA  VON  BAUERNFEIND

 

Sie erstand 1754 nach dem Tod von Johann Rudolf Fraß und seiner Gattin jenes Haus, das später als „Geylinghaus“ bezeichnet wurde (es wurde 1969 abgerissen, heute steht dort das Haus Windmühlgasse 28), und vereinigte dieses Gebäude mit Garten an der Windmühl mit zwei weiteren angrenzenden Parzellen: einem Viertel ehemaligen Weingarten und einem Haus („Zum weißen Stern“), das an der heutigen Mariahilfer Straße lag. [1]

Ihr war es also zu verdanken, dass für ca. vier Jahrzehnte ein riesiges Areal zu einem Besitz zusammen-geschlossen war.

 

 

2. FREIHERR  GOTTFRIED  VON  SOMMERAU

Einheit von drei Parzellen

 

1767 kaufte Gottfried von Sommerau von den Erben der Theresia von Bauernfeld diese Einheit von drei Parzellen, die durch eine Kastanienallee verbunden waren, die bis ins 20. Jahrhundert bestand, als die Grundstücke längst wieder getrennt waren und die laut mündlicher Überlieferung „Sternallee“ genannt wurde, weil sie eben bis zu jener Stelle der Hauptstraße hinaufführte, wo das „Sternhaus“ stand, also das Haus „Zum weißen Stern“, heute Mariahilfer Straße 51.[2]

 

Gottfried Freiherr von Sumerau/Sommerau wird um 1770 sowohl als Besitzer des Hauses mit der heutigen Orientierungsnummer Windmühlgasse 28 als auch des Gebäudes Mariahilf 12 (später Mariahilfer Straße 51) genannt.

 

Dass man von einer Identität der beiden Adressen ausgehen kann, wird auch durch Blascheks Anmerkung zum Verkauf im Jahr 1794 bestätigt:

„19. Februar 1794 erscheinen Andreas Geyling, k. k. Hof-Zimmermaler, und dessen Gattin Barbara als Käufer eines Teiles dieses Hauses (Kaufpreis 8500 fl.), das sich zu dieser Zeit bis zur Mariahilferstraße (heute Orientierungsnummer 51) erstreckte.“ [3] 

 

Teilung durch die Sommerauischen Erben bzw. Andreas und Barbara Geyling nach dem Tod des Freiherrn

 

Im HV von 1789 wird dieses Haus in der Windmühlgasse überhaupt nicht angeführt.[4] Als Besitzer des Hauses Mariahilf KNR 12 (Hauszeichen: Weißer Stern / Hauptstraße) scheint dagegen Freiherr von Sommerau auf, obwohl er bereits verstorben ist. 

 

Erst durch die Nummernänderung von 1795 erhielt das „Geyling-Haus“, das in der Literatur fast immer mit der späteren Orientierungsnummer Windmühlgasse 28 verbunden wird, die KNR Mariahilf 1.

 

Im HV von 1796 (also nach der 1. Nummernänderung) wird Andreas Geyling als Besitzer des Hauses Mariahilf KNR 1 (Hauszeichen: Weißer Stern / Hauptstraße[!]) genannt.

 

Das Haus, das früher Nummer 12 hatte, hat nun die KNR Mariahilf 14 und ist Eigentum der „Samerauischen Erben“ (Hauszeichen: Weißer Stern / Hauptstraße).[5]

 

Mit dem Ankauf durch die Familie Geyling (1794) ist offenbar eine Teilung der Liegenschaft vollzogen worden.

 

Aus dem  HV 1798 [6], in dem man die frühere KNR neben die neue Nummer stellt, wird nochmals klar ersichtlich, dass das Haus des Andreas Geyling mit dem Haus der Erben des Freiherrn von Sommerau früher eine Einheit gebildet hat:

 

neue KNR: 1 / alte KNR: 12 ½  (sic!) / Besitzer: Andreas Geyling / Hauptstraße

neue KNR: 14 /  alte KNR: 12 /  Besitzer: Freyh. v. Samerauische Erben / Hauptstraße / Hauszeichen: Weißer Stern.

 

So wie die Kirchenbucheintragung mit der Nummer 13 ½ bei der Taufe des Franz Xaver Münzenberger (vgl. Abschnitt 4.1.) signalisierte, dass das Gebäude zwar noch zu Mariahilf 13 gehörte, aber eine neue Nummer erhalten sollte, so zeigt hier ein Häuserverzeichnis durch die Nummernangabe 12 ½, dass eine Teilung des Grundstückes, das ursprünglich von der Hauptstraße bis zur Windmühlgasse reichte, bzw. eine Nummernänderung angedacht war.

 

----------------------------------------------------------------------- 

[1] Blaschek 1924, S. 116

[2] Blaschek 1924, S. 112

[3] Blaschek 1926, S. 117

[4] HV 1789, S. 137; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/438711 (Zugriff: 10.6.2017)

[5] HV 1796, S. 167; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/437644 (Zugriff: 10.6.2017)

[6] HV 1798, S. 283f.; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/421428 (Zugriff: 10.6.2017)

 

 

Abb. 19.  Bildtitel: "Wien 6, Windmühlgasse 22 ('Geylinghaus'. Gesamtaufnahme von rechts)"

 (= ehemaliges Palais Sommerau, ab 1907 mit der Hausnummer Windmühlgasse 28) 

Foto: August Stauda: Glasplatte 1899

ÖNB Wien, Bildarchiv / Inv. ST 257F / Stauda

 

 

Abb. 20. Windmühlgasse 28 (im Jahr 2017), wo einst das Geyling-Haus bzw. das Palais Sommerau stand 

 

DIE HERKUNFT DER FAMILIE SOMMERAU [1]

 

Der Begründer des Geschlechts war Philipp von Sommerau, geb. 1679 zu Sommerau, Sohn des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Rheinfels und eines Fräuleins von Fechenbach aus der Linie Sommerau.

Am 5. April 1712 erhielt er in Wien für sich und seine Nachkommen den alten Ritterstand des heiligen römischen Reiches und der Erblande und den Titel „Edler von Sommerau“.

Das Wappen mit dem hessischen Löwen deutet allerdings durch den schiefen Querbalken auf die illegitime Abstammung hin.

Er war in erster Ehe mit Anna Sidonia Freiin von Riedt, genannt Kettig von Bassenheim, geb. 1682, verheiratet. Sie starb mit 31 Jahren am 25. März 1713 in Rockenberg.

Am 9. November 1723 heiratete er in  zweiter  Ehe  Eleonora, geborene Freiin von Jurmanowitz, Witwe des k.k. Obersten Freiherrn von Kreilingk. Die Trauung fand in Wien, Pfarre St. Stephan, statt.[2]

 

Philipps Sohn Georg Carl Anton, geboren am 11. Juli 1710 in Rockenberg, stammte aus der ersten Ehe. Er vermählte sich im Jahre 1733 mit Carolina Franziska Barbara Marianne Reichsfreiin von Crailsheim zu Rügland, durch die der Name Beeck, Anteile der Herrschaft Wonfort und das Familienvermögen auf die von Sommerau übergingen.[3] Georg Carl Anton starb 24. April 1754 in Wonfurt.

 

Georgs Sohn war Gottfried Wilhelm von Sommerau, getauft am 29.1.1843 zu Kaschau, verheiratet mit Klara von Summer, Tochter des Franz von Summer(n) und der Karoline von Maul.

 

Mit dem späteren Fürsterzbischof und Kardinal Maximilian Joseph Gottfried von Sommerau (1769 – 1853) ging das Geschlecht der Sommeraus zu Ende.

 

 

 

[1] Die genealogischen Informationen, die vom Autor durch weitere Daten aus Wiener Kirchenbüchern erweitert wurden, stammen aus folgenden Quellen:

 

Europäische Stammtafeln 1985, Bd. 3, Teilband 3, Tafel 586a

 

ADLER, Monatsblatt: 1895, Nr. 179, III. Band, Nr. 59, S. 435ff

 

Wurzbach, Bd. XXXV, S. 271

Blaschek 1926, S. 116f.

 

[2] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Stephan, Trauungsbuch 02-044, Fol. 274, 03-Trauung_0273, 9.November 1723

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/02-044/?pg=288

 

(Zugriff: 10.6.2017)

 

[3] Hanna 2012, S. 32

Hier wird auch folgende Erklärung angefügt:

Denn seine Schwiegermutter Sidona war die Erbtochter des aus Holland stammenden Geschlechtes von der Beeck. Dieses ging zurück auf Philipp Reichsfreiherr von der Beeck, der als hoher Offizier mit Fortüne eine wichtige Rolle im Heer von Wallenstein gespielt hatte und das Rittergut Wonfurt mit Reinhardswinden im Jahr 1650 erwarb. Seine weitere glänzende militärische Laufbahn endete als Generalfeldmarschall-Leutnant. Bei der Befreiung Ofens (Budapest) von der 145-jährigen Türkenherrschaft zeichnete er sich besonders aus und wurde Kommandant und Gouverneur der wiedereroberten Stadt. An die eheliche Verbindung war die Bedingung verknüpft, dem eigenen Familiennamen den des erloschenen Geschlechtes von der Beeck beizufügen. Es „sollte gewährleistet sein, dass das Andenken an die Familie v. d. Beeck, deren männliche Angehörige nun in den kaiserlichen Erblanden lebten, in Franken erhalten blieb.“

 

 

DIE FAMILIE DES FREIHERRN GOTTFRIED VON SOMMERAU IN WIEN

 

Einige biografische Daten:

 

1764 verkaufte die Familie von Sommerau den Stammsitz Schloss und Herrschaft Wonfurt und Reinhardswinden in Franken, den man von 1747 bis 1764 bewohnt hatte, weil Gottfried Wilhelm von Sommerau, der Enkel Philipps von Sommerau und Sohn des bereits verstorbenen Georg von Sommerau, seinen ständigen Aufenthaltsort in Wien hatte[1].

 

Am 2. Juli 1766 fand im Stephansdom in Wien die Trauung von

„Freyh. Godfrid v. Sommerau, Herr auf Wohnfurth und Reinhartswinden…, aus der K.K. Accademie“ und

„Freilä Clara Edle v. Sommern“ statt [2].

 

15. Oktober 1767: „Gottfried Freiherr v. Sommerau und Beckh erwirbt das Haus zufolge eines Kontraktes von den Erben der Theresia v. Bauernfeind um den Kaufschilling von 18.000 fl.“[3]

 

Im Jahr 1767 dürfte das erste Kind, Karl, zur Welt gekommen sein, allerdings konnte die Taufeintragung nicht gefunden werden.

(Vgl. aber die Altersangabe - 12 Jahre - im Bahrleihbuch von St. Stephan aus dem Jahr 1779 [4])

 

Am 21.12.1769 wurde im Haus zum Weißen Stern zu Mariahilf, also im Palais des Freiherrn von Sommerau (heute: Windmühlgasse 28, damals noch Pfarre St. Michael) der zweite Sohn, Maximilian Joseph Gottfried, der spätere Kardinal von Olmütz, geboren [5].

 

Am 6.4.1774 kam Carolina Vincentia, die einzige Tochter, zur Welt – an der Adresse Innere Stadt, KNR 953. Die Taufe fand in St. Stephan statt [6].

 

Am 6.8.1779 starb Karl von Sommerau mit 12 Jahren an der Adresse Innere Stadt, KNR 1001, in der Johannesgasse „Beim goldenen Kreuz“ [7].

(Pfarre St. Stephan)

 

Am 21.12. 1787 starb der Freiherr von Sommerau im Haus Mariahilf 12 (= „Zum weißen Stern“), also in seinem kleinen Palais. Die schlichte Sterbeeintragung des Freiherrn befindet sich im Sterbebuch der Pfarre Mariahilf [8]:

 

 

 

Abb. 21. Sterbeeintragung des Freiherrn Gottfried von Sommerau im Sterbebuch der Pfarre Mariahilf (1787)

 

Am 25.11.1792 fand in der Franziskanerkirche die Trauung von

Friedrich Karl Freiherr von Erlach, einem 27-jährigen Finanzrat in Breslau, mit der erst 18-jährigen Karolina Freiin von Sommerau statt.

Ihre Adresse: Innere Stadt, KNR 953 [9]

 

Am 27.11.1807 starb „Wittfrau Clarisse Freyin von Sommerau bäck“ mit 60 Jahren an der Adresse Innere Stadt KNR 1087 in der „Wallfischgasse“ nach einem Schlaganfall (Sterbepfarre: St. Augustin).[10]

 

 

[1] Hanna 2012, S. 32

 

[2] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Stephan, Heiratsbuch 02-063, Fol. 231, Bild 04-Trauung _0456, 2.7.1766

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/02-063/?pg=462 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[3] Blaschek 1926, S. 116; Anmerkung des Autors: "Haus" bezeichnet in diesem Fall die gesamte Besitzung vom Gebäude in der Windmühlgasse (Palais Sommerau, später "Geyling-Haus" genannt) bis zur heutigen Mariahilfer Straße, also bis zum Haus "Zum weißen Stern"

 

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 01., St. Stephan, Bahrleihbuch 03a-103, Bild 03-Tod_0545, Fol. 274, 6.8.1779

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/03a-103/?pg=586 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[5] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 1., St. Michael, Taufbuch 01-15, Fol. 459, Bild 03-Taufe_0230, 21.12.1769, 

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-michael/01-15/?pg=233 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Stephan, Taufbuch 01-091, Fol. 144, Bild 02-Taufe_0288, 6. April 1774

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/01-091/?pg=291 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[7] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 01., St. Stephan, Bahrleihbuch 03a-103, Bild 03-Tod_0545, Fol. 274, 6.8.1779

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/03a-103/?pg=586 (Zugriff: 10.6.2017)

 

Erzdiözese Wien, Pfarre Wien 01., St. Stephan, Sterbebuch 03-33, Bild 02-Tod_0302, Fol. 152, 6.8.1779

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/03-33/?pg=305 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[8]  Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-01, Fol. 272, 21.12.1787; 02-Tod_0273 

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/03-01/?pg=276 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[9] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., Franziskaner, Trauungsbuch 02-03, Fol. 175, Bild 02-Trauung_0091, 25.11.1792

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-franziskaner/02-03/?pg=93 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[10] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Augustin, Sterbebuch 03-04,5 Fol. 39, Bild 04-Tod_0039, 27.11.1807, 

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-augustin/03-04%252C5/?pg=166 (Zugriff: 10.6.2017)

 

 

Abb. 22. Titel: "Wien 6, Windmühlgasse 28. Portal und Balkonpartie links davon"

(= eigentlich: einseitig vermauertes Doppelportal mit Wappen in der Mitte)

Foto: August Stauda, Glasplatte 1899

ÖNB Wien, Bildarchiv / Inv.-Nr. ST 258F / Stauda

 

Das Wappen der Familie Sommerau

an der Fassade des Vorstadt-Palais

 

Über dem zur Hälfte geöffneten Eingangstor erkennt man in Abb. 22 den Namen der damaligen Besitzer GEYLING, auf die die Bezeichnung „Geylinghaus“ zurückgeht. Direkt über dem Torbogen ist in den Ecken auch die alte Mariahilfer Konskriptionsnummer 1 („Nr. I“) zu lesen, die von 1795 bis zur Einführung der Orientierungsnummern aktuell war. Auch diese ab 1862 gültige Nummer „Windmühlgasse 22“ war an der Fassade im Jahr 1899, als Stauda dieses Foto machte, noch deutlich zu erkennen. Im Zuge einer kleinen Nummernänderung wurde daraus wenige Jahre später „Windmühlgasse 28“.

 

Das vormalige Palais Sommerau besaß ein Doppelportal, eines der Eingangstore wurde allerdings später vermauert .[1]

Darüber prangte in der Mitte ein Wappen, das, so wird im Ausstellungskatalog „Steinerne Zeugen“  vermutet, bereits an einem anderen Bauwerk der Sommeraus angebracht war, bevor es in Mariahilf die Fassade zierte.[2]

Als 1969 das Haus demoliert wurde, wurden einzelne Fassadenelemente von den ehemaligen Besitzern aufbewahrt. Das Wappen – seine Höhe wird im Ausstellungskatalog mit 100 cm, seine Breite mit 38 cm angegeben – wurde 1998 durch das Wien Museum von einem Nachkommen der Familie Geyling erworben. Es hat die Inv. Nr. 215.244/1 und wurde im Rahmen der Ausstellung „Steinerne Zeugen“ im Jahr 2008/9 in der Hermesvilla gezeigt.   

 

Es gibt jedenfalls zwei Aufnahmen von diesem Wappen:
Im Heimatbuch von Blaschek gibt es eine relativ kleine Abbildung von R. Klaus. [4]

Im Ausstellungskatalog „Steinerne Zeugen“ befindet sich ein hervorragendes Foto. [5]

Es ist durchaus zu empfehlen, sich zum Beispiel in der Österreichischen Nationalbibliothek das hervorragende Foto des Wappens (und weiterer Objekte, die aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden sind) im Ausstellungskatalog „Steinerne Zeugen“ aus dem Jahr 2008 anzusehen.

 

Für diejenigen, die – aus welchen Gründen auch immer – keinen Zugang zu diesem eindrucksvollen Buch haben, wurde  vom Autor nach den beiden oben genannten Abbildungen eine Skizze angefertigt, die zwar nicht alle Details genau wiedergibt, die aber einen gewissen Eindruck vom Aussehen und von der Gestaltung dieses Wappens vermitteln soll.

 

--------------------------------------------

 

[1] Girardi 1963, S. 168

[2] Steinerne Zeugen 2008, S. 112

[3] Steinerne Zeugen 2008, S. 118

[4] Blaschek 1924, S. 141, Abb. 65

[5] Steinerne Zeugen 2008, S. 119

 

 

 

 

Abb. 23. Skizze des Wappens der Familie Sommerau,

das sich über dem Portal des Palais Sommerau (später "Geyling-Haus") in der Windmühlgasse befand

Skizze: Günter Oppitz 

 

DAS INNENSTADT – PALAIS DER FAMILIE SOMMERAU

 

IN DER WEIHBURGGASSE NAHE DER FRANZISKANERKIRCHE

 

1766: Bei der Trauung wird weder beim Bräutigam noch bei der Braut eine Wiener Adresse genannt.

 

15. Oktober 1767 beim Kauf des Palais in der Vorstadt Mariahilf: „Gottfried Freiherr v. Sommerau und Beckh erwirbt das Haus zufolge eines Kontraktes von den Erben der Theresia v. Bauernfeind um den Kaufschilling von 18.000 fl.“ [1]

 

Ab 1773 (frühestes online gestelltes HV der Wienbibliothek) konnte ein weiteres Haus der Familie Sommerau in der Weihburggasse (in manchen HV auch als „Weinburggasse“ bezeichnet), also in der Inneren Stadt, nachgewiesen werden.

 

Es hatte zuerst die KNR 953, ab 1795 KNR 978 und ab 1821 KNR 922.

Im Jahr 1885 wird als Orientierungsnummer Weihburgg. 12 angegeben, die EZ ist 1385, die Parzellennummer 953.[2]

Das Gebäude ist unter dieser EZ noch im HV 1905 (Lenobel) verzeichnet (Besitzer: Anna Kosko und Mitbesitzer). [3]

Nach dem Abriss des Gebäudes und der Errichtung des Hauses Weihburggasse 10 – 12 im Jahr 1911 wurde jedoch die EZ 1383 (von der ehemaligen Weihburggasse 10) auf den gesamten Gebäudekomplex übertragen.

 

Interessant bzw. interpretationsbedürftig sind die Angaben über die Besitzer dieses Innenstadthauses:

HV 1773 (Trattner): Gottfried Baron von Sommerau

HV 1776: Gottfried Baron von Sommerau

HV 1778 (Trattner): Gottfried Baron von Sommerau

HV 1779 (Ponty): Freiin Klara von Sommerau

HV 1784 [4]: Klara von Sommerau

HV 1786 (Fischer): Klara von Sommerau

HV 1786 (Häuser in der Stadt Wien): Freih. v. Sommerau

HV 1789 (Hofer): Klara von Sommerau

HV 1795 (Schuender): Johanna Freiin v. Sommerau

HV 1796: Johanna Freiin v. Sommerau

HV 1798: Johanna Freiin v. Sommerau

HV 1805: Rochus Freiherr von Dorfleitner

HV 1816 (Gutjahr), HV 1821 (Gutjahr), HV 1833, HV 1843 (Schwab): Johann Edler von Mack

 

 

Freiherr Gottfried von Sommerau dürfte das Palais zwar ursprünglich unter seinem Namen erworben haben, es später (spätestens ab 1779) aber seiner Frau Klara – vermutlich als ständigen Wohnsitz – überlassen haben. Dass ab der Änderung der KNR 1795 statt „Klara“ der Vorname „Johanna“ angegeben wird, halte ich für einen Irrtum, der durch direkte Übernahme der Daten in andere HV übertragen wurde. Klara von Sommerau war zum Zeitpunkt der Versteigerung im Jahr 1800 sicher noch Besitzerin.

 

-----------------------------

 

[1] Blaschek 1926, S. 116

 

[2] HV 1885 (Schlesinger)

 

[3] HV 1905 (Lenobel)

 

[4] HV 1884 = K.K. Staats-und Standeskalender 1884; online:

 

https://books.google.at/books?id=BZBkAAAAcAAJ&pg=PA43&lpg=PA43&dq=%22Klara+von+Sommerau%22&source=bl&ots=ipWMNm2zZ4&sig=yyMINi7RGyiJlbwGrw4AzT8OUB0&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjTx9GB7pDUAhWJOSwKHcT8DWQQ6AEIJTAB#v=onepage&q=%22Klara%20von%20Sommerau%22&f=false (Zugriff: 10.6.2017)

 

Abb. 24. Bildtitel: "Wien 1, Weihburggasse 12 (Fassade. Teilansicht schräg von links 7 von Franziskanerplatz)"

Innenstadthaus der Familie von Sommerau in der Weihburggasse Nr. 12

Foto: August Stauda: Glasplatte (1898)

ÖNB Bildarchiv / Inv. ST 14F / Stauda

 

 

Abb. 25. Das 1911 erbaute Doppelhaus Weihburggasse 10-12 (Foto von 2017)

Der linke Teil des Gebäudes steht an der Stelle des ehemaligen Innenstadtpalais

der Familie Sommerau.

 

FINANZIELLE  UND  PRIVATE  PROBLEME

 

Bei der Geburt des Sohnes Maximilian Joseph Gottfried im Jahr 1769 wird als Wohnadresse das Haus „Zum weißen Stern“ in Mariahilf angegeben.

 

In der Taufeintragung der Tochter Karolina Vincentia im Jahr 1774 finden wir die Innenstadtadresse KNR 953 (Weihburggasse).

 

Im Februar 1776 gab es derart große finanzielle Probleme bei Gottfried von Sommerau, dass in der Wiener Zeitung ein Aufruf an die Gläubiger erschien, dass sie am 28. März ihre Forderungen bekanntgeben sollten.

Der Aufenthaltsort „des von hier abwesenden Herrn Gottfried Freyherrn von Sommerau“  wird nicht genannt. [1]

 

Angesichts der oben erwähnten Geburtsadresse der Karolina im Jahr 1774 scheint sich die folgende Forderung eines Zutrittsverbotes auf die Innenstadtwohnung zu beziehen:

 

Am 18. November 1776 forderte Klara Freiin von Summerau – in Anwesenheit Gottfrieds von Sommerau – vor dem Wiener Konsistorialgericht aus verschiedenen Gründen, dass ihrem Ehemann für eine bestimmte Zeit der Zutritt zur Wohnung verboten werden sollte und sie getrennt von ihm leben dürfe. [2]

 

Dieser Antrag dürfte letzten Endes dazu geführt haben, dass Klara von Sommerau in den HV ab 1779 als Besitzerin des Palais in der Weihburggasse geführt wird.

 

Beim Tod des Sohnes Karl 1779 scheint zwar beim Vater des Verstorbenen eine Innenstadtadresse auf, aber nicht jene des Palais in der Weihburggasse, sondern das Haus „Zum goldenen Kreuz“ mit der damaligen KNR 1001 in der Johannesgasse, dessen Besitzer Franz Xaver Edler von Gapp war.

Der 12-jährige Karl wird wohl bei seiner Mutter in der Weihburggasse gewohnt haben, aber für das Begräbnis (erster Klasse) in St. Stephan wollte oder musste man wohl eine Innenstadtadresse des Vaters angeben.

 

Gottfried von Sommerau dürfte in den letzten Jahren seines relativ kurzen Lebens in seinem kleinen Palais in Mariahilf gelebt haben – dort ist er 1787 schließlich auch gestorben.

 

„26. September 1788. Maria Aloys Edler von Bach, beider Rechte Doktor und Hof- und Gerichts-Advokat, übernahm nach dem Tode Gottfrieds Freiherrn v. Sommerau als bestellter Vormund der zwei minderjährigen Kinder Maximilian und Karolina die Verlassenschaft.(…)“ und verkaufte am 19.2.1794 dem k.k.Hof-Zimmermaler Andreas Geyling und seiner Frau Barbara einen Teil dieses Hauses.[3]

 

Der Aufruf an die Gläubiger im Jahr 1788, im Zuge der Verlassenschaftsabhandlung etwaige Ansprüche geltend zu machen, war wohl prinzipiell eine Routinehandlung, aber es scheint so, als wären durch diese Verlassenschaftsabhandlung nicht alle finanziellen Schwierigkeiten beseitigt worden.

 

Wie die Adressangabe bei der Trauung der Tochter Karoline im Jahr 1792 zeigt, wohnte sie damals bei ihrer Mutter in der Weihburggasse.

 

 

Die Schulden waren aber offenbar derart erdrückend, dass sich Klara von Sommerau im Jahr 1799 entschloss, dieses Haus versteigern zu lassen.[4]

 

 

Abb. 26. Ankündigung der Versteigerung des Innenstadtpalais in der Wiener Zeitung

 

Durch eine „Erinnerung an Maria Karolina Freyin v. Erlach“ in der Wiener Zeitung vom 29.1.1800 erfahren wir einerseits, dass  neue Verbindlichkeiten aufgetaucht sind und andererseits, dass für die Tochter der Sommeraus „wegen derselben Abwesenheit aus den k.k. Erblanden“ ein Hof- und Gerichtsadvokat bestellt wurde.[5]

 

Klara von Sommerau starb jedenfalls am 27.11.1807 in keinem Haus, dessen Besitzerin sie war. Ihr Sterbehaus befand sich in der Inneren Stadt in der Walfischgasse und hatte die KNR 1087.

 

Besitzerinnen: Anna Freiin v. Heidau und Eleonora v. Fritz [6] 

 

 

 

[1] Wiener Zeitung vom 14.2.1776, S. 19

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=17760214&seite=19&zoom=33&query=%22Sommerau%22&ref=anno-search (Zugriff: 10.6.2017)

 

[2] Ehen vor Gericht. Eheprozesse zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert

http://www.univie.ac.at/ehenvorgericht/?cat=13 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[3] Blaschek 1926, S. 116f.

 

[4] Wiener Zeitung vom 28.12.1799, S. 28

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=17991228&seite=28&zoom=33&query=%22Sommerau%22&ref=anno-search (Zugriff: 10.6.2017)

 

[5] Wiener Zeitung vom 29. 1. 1800, S. 29

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18000129&seite=29&zoom=33&query=%22Sommerau%22&ref=anno-search (Zugriff: 10.6.2017)

 

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Augustin, Sterbebuch 03-04,5 / Fol. 39, 27.11.1807, Bild 04-Tod_0039

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-augustin/03-04%252C5/?pg=166 (Zugriff: 10.6.2017)

 

 

 

BESONDERE EREIGNISSE UND LEGENDEN IM ZUSAMMENHANG MIT DEM PALAIS SOMMERAU

1. Legende über Besuche der Regentin Maria Theresia im Vorstadtpalais

 

Abb. 27. Maria Theresia, römisch - deutsche Kaiserin.

Kupferstich von Giuseppe Camerata nach Gemälde von Martin van Meytens

 

ÖNB Bildarchiv / Inv. Nr. PORT_00047563_01

 

Im Zusammenhang mit dem Palais Sommerau in Mariahilf möchte ich die folgende Überlieferung, die von verschiedenen Autoren und Lexika bzw. auch vom Wien Geschichte Wiki [1] zitiert wird, in der ursprünglichen Fassung des Mariahilfer Heimatbuches von Ernest Blaschek wiedergeben [2]:

„Eine Sommerau, wahrscheinlich die Gattin des Freiherrn Gottfried von Sommerau, war Hofdame der Kaiserin Maria Theresia. Bei ihr soll die Kaiserin nach der in der Mariahilfer Kirche abgelegten Beichte und Kommunion des öfteren erschienen sein, um dort zu frühstücken.“

 

Die Entfernung des Palais Sommerau von der Kirche:

 

Das Palais Sommerau wäre von der Mariahilfer Kirche aus heute über die Barnabitengasse in maximal fünf Minuten zu Fuß zu erreichen. Allerdings muss man wohl berücksichtigen, dass es die heutige Barnabitengasse damals noch nicht gab. Es ist wohl schwer denkbar, dass sich Maria Theresia auf dem Mittelweg des Friedhofs Richtung Palais Sommerau hätte tragen lassen – an der Stelle der heutigen Häuser der Barnabitengasse befanden sich die Gräber des Mariahilfer Friedhofs, der erst 1783 aufgelassen wurde.

 

Allerdings war der Weg wohl kaum weiter, wenn man den Zugang zum Palais über die Hauptstraße Mariahilf KNR 12 („Zum weißen Stern“) nahm.

 

 

Abb. 28. Von der Mariahilfer Kirche zum Palais Sommerau.

Karte von Joseph Anton Nagel 1770: Unterlegung mit aktuellen Nummern und Straßennamen, die aktuellen Gebäudestrukturen in Rosa;  rote Kreuze vor der Mariahilfer Kirche und an der Stelle des ehemaligen Palais Sommerau (heute Windmühlg. 28)

und rote Markierung an der Zugangsmöglichkeit Mariahilf KNR 12 (heute Mariahilfer Straße 51) [3]

 

Der mögliche zeitliche Rahmen für diese Besuche:

 

Wenn es sich bei der genannten Hofdame tatsächlich um Klara von Sommerau handelte, dann käme nur der Zeitraum zwischen 1767 (Erwerb des Hauses durch Gottfried von Sommerau) und 1776 (Ansuchen um das Zutrittsverbot zum Innenstadthaus für Gottfried von Sommerfeld), wahrscheinlich aber schon 1774 (Geburt von Karolina in der Inneren Stadt) in Frage.

 

Zu bedenken ist allerdings, dass Klara von Sommerau, wenn ihr Alter von 60 Jahren in der Sterbeeintragung von 1807  korrekt angegeben wurde, im Jahr 1767 erst 20 Jahre alt war [4] und dass sie außerdem 1767, 1769 und 1774 drei Kinder zur Welt gebracht hat. 

 

Es ist zwar nicht unmöglich, dass eine sehr junge Adelige, die auch Kinder hatte, bei der Regentin als Hofdame beschäftigt war, aber es muss auch berücksichtigt werden, dass Klara noch nicht lange in Wien lebte und die Sommeraus keine Adeligen waren, die besonders angesehen waren oder die besondere Verdienste aufzuweisen hatten.

 

Solange Klara von Sommerau nicht unter den Angehörigen des Hofpersonals gefunden werden kann, darf man die Möglichkeit nicht außer Acht lassen, dass eine andere (Hof-)Dame von Sommerau die Regentin nach Kirchenbesuchen empfangen durfte, deren Wohnung eventuell in der Nähe einer ganz anderen Kirche lag.

 

 

[1] Wien Geschichte Wiki: Geylinghaus; online:  https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Geylinghaus (Zugriff: 4.6.2017)

 

[2] Blaschek 1926, S. 112

 

[3] Joseph Anton Nagel, Grundriß der Kayserlich-Königlichen Residenz-Stadt Wien, ihrer Vorstädte und deren anstoßenden Orte. Wien 1770; online:  https://www.wien.gv.at/  (Stadtplan/Kulturgut/Historische Pläne/Nagel 1770)

 

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Augustin, Sterbebuch 03-04,5, Fol. 39, 27.11.1807, Bild 04-Tod_0039

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-augustin/03-04%252C5/?pg=166 (Zugriff: 10.6.2017)

 

 

 

 

 

2. Die Aufführung der Oper „Der Apotheker“ von Joseph Haydn im Palais Sommerau

 

 

Abb. 29. Joseph Haydn. Porträt von Thomas Handy.

ÖNB Bildarchiv Inv. Nr. PORT_00001518_01

 

Nach den Ausführungen über die 4 Jahrzehnte dauernde Zusammengehörigkeit von 3 benachbarten Parzellen mit den beiden bekannten Häusern „Zum weißen Stern“ und Palais Sommerau (später als „Geylinghaus“ bezeichnet) verwundert es auch nicht, wenn für die denkwürdige Aufführung einer Oper von Joseph Haydn im Jahr 1770  im Palais des Freiherrn Sumerau/Sommerau beispielsweise im Wien Geschichte Wiki[1] Windmühlgasse 28, von Haydns Biografen Carl Ferdinand Pohl aber die Identadresse, das Haus „Zum weißen Stern“ (1. Nummerierung: Mariahilf 12) angegeben wird [2]:

 

Im März 1770 finden wir Haydn mit der fürstlich-esterházyschen Kapelle in Wien, um Oper Lo Speciale aufzuführen, aber nicht im Theater, sondern in einem Privathause bei Gottfried Freiherrn von Sumerau, dem Eigenthümer desselben. Es lag in der damals noch spärlich bebauten Vorstadt Mariahilf, Hauptstraße Nr. 12 (Schild: »zum weißen Stern«). Freiherr von Sumerau, ein damals noch junger Mann von 28 Jahren, war mit Clara von Hagen vermählt, bekleidete nie ein öffentliches Amt und starb in seinem Hause am 21. Dezember 1787 im 45. Lebensjahre. Was die Veranlassung zu der Opernvorstellung bot, die sogar in Form einer Akademie wiederholt wurde, ist nicht bekannt. Es war das erstemal, daß die fürstliche Kapelle sich vollzählig in Wien producirte und der Erfolg war ein ehrenvoller. Wir lesen darüber im Wiener Diarium Nr. 24:

»Als eine besonders angenehme Nachricht hat man hier nicht unangemerkt lassen wollen, daß jüngst abgewichenen Mittwochs den 22. dieses in der Behausung des (Titl.) Herrn Barons von Sumerau nächst Maria Hilf ein von dem fürstlichen Esterhasischen Kapellmeister Herrn Joseph Hayden in die Musik gesetztes Singspiel, der Apotheker genannt, von den sämmtlichen Fürst Esterhasischen Kammervirtuosen diesen Tag aufgeführet und den darauf gefolgten Donnerstag auf hohes Begehren in Gestalt einer musikalischen Akademie, und im Beysein vieler hoher Herrschaften, mit ganz besonderem Beyfall wiederholt worden, eine Sache die gedachten Herrn Kapellmeister Hayden, dessen große Talente allen Musikliebhabern zu Genüge bekannt sind. wie nicht minder den obgedachten sämmtlichen Virtuosen zur vorzüglichen Ehre gereichet«.

 

Zuerst soll eine kleine biografische Ungenauigkeit des Biografen Carl Ferdinand Pohl thematisiert werden: Er teilt Clara, der Ehefrau Gottfrieds von Sommerau, den Geburtsnamen „Hagen“ zu.

 

Laut Trauungseintragung der Pfarre St. Stephan von 1766 war ihr Vater jedoch Carl Franz Edler von Sommern.

Einer der Trauzeugen war Herr Ignaz von Hagen.[3]

 

Bei der Taufe der Tochter Karolina in der Pfarre St. Stephan im Jahr 1774 liest man bei der Mutter „Maria Klara, conjux, gebohrne von Sonnern“.

Taufpatin: Karolina von Haagen, geborene von Maul [4]

 

Bei der Trauungseintragung der Tochter Karolina vom Jahr 1792 (Franziskanerpfarre) findet man die Angabe „Klara gebor. v. Sumern“. [5]

 

Trotz gewisser orthografischer Unterschiede ergibt sich eine relativ eindeutige Namensform, die „Som(m)ern“ oder „Sum(m)ern“ lautet.

 

Zwei mögliche Erklärungen für Pohls Abweichung von den gesicherten Fakten:

1) Der Name eines Trauzeugen oder der Taufpatin wurde irrtümlich als Geburtsname der Klara von Sommerau wiedergegeben.

 

2) Möglicherweise verbirgt sich hinter der Taufpatin von 1774 die Mutter

der Freiin Klara von Sommerau, deren Vorname Karolina war, die eine geborene von Maul war und die inzwischen möglicherweise einen Herrn von Haagen geheiratet hatte. In der Trauungseintragung von 1766 ist jedenfalls bereits vermerkt, dass Carl Franz Edler von Sommern zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben ist. Der Familienname des Stiefvaters könnte also für Klaras Geburtsnamen gehalten worden sein.

Ein Beweis für diese These (z. B. durch eine 2. Trauung von Klaras Mutter) konnte leider nicht erbracht werden.

 

Der Aufführungsort - eine Opernaufführung in einem Privathaus

 

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Gottfried von Sommerau ein Kunstliebhaber war oder dass er sich als Vorstadtadeliger mit der Aufführung von Haydns Oper „Der Apotheker“ als Kunstmäzen profilieren wollte, aber plausibler erscheint wohl die Begründung, die Hans-Josef Irmen in seinem Buch über Joseph Haydn gibt:

 

„Das kapriziöse Werk sollte aber nicht in Eszterháza verklingen, sondern Haydn wollte damit in Wien Eindruck schinden. Das Eszterházy-Palais in der Wallnerstraße bot aber zu wenig Platz für eine Opernaufführung, darum mietete der Fürst das Palais des Barons Sumerau im Wiener Vorort Mariahilf. Der Apotheker verbrannte sich dort aber am 21. März 1770 beinahe die Finger, denn in der Fastenzeit war es in Wien untersagt, Opern aufzuführen. Kurzerhand wurde daher die Wiederholung der musikalischen Komödie als ‚Akademie‘, d. h. als Konzert, deklariert.“ [6]

 

Es ist natürlich zu hinterfragen, ob ein Privathaus in der Vorstadt Mariahilf (der Begriff „Vorort“ ist eigentlich nicht korrekt) tatsächlich über ein größeres Platzangebot verfügte als ein Palais des Fürsten Esterhazy in der Inneren Stadt oder ob vielleicht andere Gründe für die Wahl des Aufführungsortes entscheidend waren. Aber es darf angenommen werden, dass es im Interesse des Freiherrn von Sommerau lag, durch eine solche Veranstaltung einerseits seinen Bekanntheitsgrad in adeligen Kreisen zu erhöhen, dass er aber drei Jahre nach dem Kauf des Hauses und etwaigen Renovierungsarbeiten und Ausbauten finanzielle Mittel dringend nötig hatte.

 

 

 

[1] Wien Geschichte Wiki: Joseph Haydn; online: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Joseph_Haydn (Zugriff: 10.6.2017)

 

[2] Die Uraufführung fand in Schloss Eszterháza 1768 statt. Pohl/Botstiber 1882, S. 44 f.; online: http://www.zeno.org/Musik/M/Pohl,+Carl+Ferdinand/Joseph+Haydn/2.+Band/Esterh%C3%A1z+I.?hl=sumerau (Zugriff 10.6.2017).

 

[3] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Stephan, Heiratsbuch 02-063, Fol. 231, Bild 04-Trauung _0456, 2.7.1766

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/02-063/?pg=462 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., St. Stephan, Taufbuch 01-091, Fol. 144, Bild 02-Taufe_0288, 6. April 1774

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/01-091/?pg=291 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[5] Erzdiözese Wien, Pfarre 01., Franziskaner, Trauungsbuch 02-03, Fol. 175, Bild 02-Trauung_0091, 25.11.1792

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-franziskaner/02-03/?pg=93 (Zugriff: 10.6.2017)

 

[6] Irmen 2007, S. 134f.

 

 

 

3. MAXIMILIAN  JOSEPH  GOTTFRIED  VON  SOMMERAU – BEECKH

Geburt des berühmten und verdienstvollen Sohnes der Familie im Mariahilfer Palais Sommerau [1]

 

 

Er wurde am 21.12.1869 im Haus „Zum weißen Stern“ in Mariahilf als Sohn des Freiherrn Gottfried Wilhelm von Sommerau und seiner Frau Klara geb. Sommern, auch: Summern, geboren.

 

Nach der Ausbildung in der Theresianischen Ritterakademie trat er in die Armee ein (Infanterie – Regiment Neugebauer). Er nahm am letzten „Türkenkrieg“ teil und wurde zum Unter- und dann zum Oberleutnant befördert.

 

Ein Besuch beim nachmaligen Fürsterzbischof von Würzburg, Freiherrn von Fechenbach, einem Verwandten, beeinflusste ihn so stark, dass er danach von 1792 bis 1796 Theologie studierte und 1797 zum Priester geweiht wurde.

 

Stationen seines geistlichen Wirkens:

 

Kooperator in den Pfarren Pillichsdorf, Hernals und Matzleinsdorf, ab 1803 in der Pfarre Wieden.

Er war ein mitreißender Prediger und bekannt für seine vielbesuchten Fastenpredigten.

 

1809 folgte er der Aufforderung, die ersten drei Landwehrbataillone als Feldkaplan in die Schlachten zu begleiten.

 

1810 wurde er als Pfarrer in die Leopoldstadt (Pfarre St. Leopold) berufen.

 

Nach seiner Einsetzung als nichtresidierender Kanoniker in Olmütz im Jahr 1813 wurde er Domherr, Propst und Pfarrer von St. Mauritius und 1836 schließlich Erzbischof. 1850 wurde er von Papst Pius IX. zum Kardinal erhoben.

 

1853 starb Maximilian Joseph Gottfried von Sommerau in Olmütz.

 

Wohltäter und Menschenfreund:

 

·        große Verdienste um das Armen-Institutswesen in Wien-Leopoldstadt

·        aufopfernde Betreuung der Menschen während der Cholera-Epidemie in Olmütz

·        Neu-Organisation des Armen-Instituts in Olmütz

·        Umbau und Erweiterung des Olmützer Klerikal-Seminariums

·        Stiftung einer Pensionsanstalt für erzbischöfliche Beamte und Diener

·        Errichtung und Ausstattung von Kirchen und Schulen

·        in den Hungerjahren Unterstützung der Gebirgsbewohner Mährens und Schlesiens mit Geld und Getreide

·        In Kremsier leistete er Großartiges für die Kirche St. Mauriz, das Residenzgebäude, das Wasserleitungssystem und die Kremsierer Gärten

·        Förderung der erzbistümlichen Eisenwerke zu Friedland und Czeladna und Schaffung und Verbesserung verschiedener hilfreicher Einrichtungen

 

 

Besondere Verdienste um das Kaiserhaus:

 

Als der kaiserliche Hof im Jahr 1848 aus Wien fliehen musste,

wurde er von Maximilian Joseph  in seinem  zweiten Residenzschloss in Kremsier beherbergt. Der Erzbischof ließ es auf ausdrücklichen Wunsch Kaiser Ferdinands vom 12.10.1848 für die Zwecke des österreichischen Reichstages einrichten, der darin vom 22. November 1848 bis zum 7. März 1849 tagte. Am 2. Dezember 1848 fand in der fürsterzbischöflichen Residenz die Thronentsagung Kaiser Ferdinands  I. und die Thronbesteigung Franz Josephs  I. statt.

 

 

[1] Die Lebensbeschreibung folgt vor allem

WURZBACH: SOMERAU-BEECKH 1877, online: 

https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Somerau-Beeckh,_Maximilian_Joseph_Freiherr_von (Zugriff: 4.6.2017)

 

WIKIPEDIA, Maximilian Joseph Gottfried von Sommerau Beeckh; online:

https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_Joseph_Gottfried_von_Sommerau_Beeckh (Zugriff: 4.6.2017)

 

AUSTRIA-FORUM, Maximilian Joseph Gottfried von Sommerau Beeckh; online:

https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Maximilian_Joseph_Gottfried_von_Sommerau_Beeckh (Zugriff: 4.6.2017)

 

 

Zwei Hausbesitzer nach Valentin Wegmann:

 

Dass laut HV 1837/39[1] Dr. Aman als Hausbesitzer genannt wird, dürfte in Zusammenhang damit stehen, dass Rosalia Wegmann, Besitzerin einer Haushälfte, so kurz nach ihrem Mann starb, dass dessen Verlassenschaftsabhandlung[2] noch gar nicht zu Ende geführt war. Dr. Josef Aman war bei der Verlassenschaftsabhandlung von Valentin Wegmann Kurator von dessen minderjähriger Tochter Elisabeth Wegmann und von dessen minderjährigen Enkelkindern, nach grundlegenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Elisabeth und ihrem bisherigen Vormund übernahm er schließlich auch dieses Amt.

Der bereits in den Verlassenschaftsakten Valentin Wegmann angedachte Verkauf an die Familie Hempel dürfte sich durch diesen nominellen Alleininhaber, in Wirklichkeit aber wohl eher Sachwalter, wesentlich einfacher gestaltet haben.

 

Bereits 1843 wird im Häuserverzeichnis von Schwab[3] Josef Ritter von Hempel als Besitzer genannt. Es handelt sich dabei um jenen berühmten Maler aus der Gruppe der Nazarener und Schriftsteller, der am 9.2.1800 in Wien als Sebastian Josef von Hempel geboren[4] wurde, am 16.4.1829 Anna Maria Henriette Friedenheim heiratete[5] und am 2.9.1871 verstarb.[6] Im Häuserverzeichnis von Schlesinger von 1875[7] wird er noch als Besitzer des Hauses genannt.

 

------------------------------------------------------

 

[1] HV 1837/39; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/421326 (Zugriff 11.6.2017)

[2] Wiener Stadt- und Landesarchiv, Zivilgericht, A 2 – Faszikel 2 – Verlassenschaftsabhandlungen: 539/1833/Valentin Wegmann.

[3] HV 1843; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/420851 (Zugriff 11.6.2017)

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 01., St. Peter (Archiv: Pfarre St. Michael), Taufbuch 01-01, Fol. 489, 9.2.1800, 04-Taufe_0436 

[5] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 01., St. Stephan, Trauungsbuch 02-086b, Fol. 286, 16.4.1829, 02-Trauung_0120

[6] Wien Geschichte Wiki: Sebastian von Hempel; online: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Sebastian_von_Hempel (Zugriff 11.6.2017)

[7] Schlesinger 1875; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/342104 (Zugriff 11.6.2017)