6.2. Mariahilfer Straße 49 (ehemals "Zum gotischen Schlüssel") (vor 1810 Mariahilf 13/ ab 1810 Mariahilf 14) ( = Liste 1 und 3)

 

Abb. 14. Mariahilfer Straße Nr. 49 im Jahr 2017, Fassade von 1910

 

 

 

Abb. 15. Fassade des Hauses Mariahilferstraße Nr. 49 (Haus "Zum gotischen Schlüssel") im Jahr 1903

Foto: August Stauda (1903)

ÖNB Bildarchiv / Inv. ST 1426F / Stauda

 

6.2.1. Bürgerliche Hausbesitzer als Bewohner

Auch für die Familie STARHON, Besitzer des Hauses mit der „neuen“ Nummer 14, gibt es im Zeitraum von 1811 bis 1814 sechs Eintragungen. Franz Xaver Starhon (L3/15) stammte aus Boskowitz in Mähren. Er war der Sohn des Ziegelbrennermeisters Johann Starhon und seiner Frau Maria Anna geb. Badal. Er war mindestens drei Mal verheiratet.

1. Trauung:

Am 23.4.1789 heiratete er mit 25 Jahren als angehender Schlossermeister in der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube Theresia Wölfel, die Witwe des Schlossermeisters Gottlieb Wölfel (Laimgrube Nr. 100).[1]

2. Trauung:

Nach dem Tod seiner Frau am 3.11.1805 (Gumpendorf Nr. 67/Mariahilferstraße)[2] heiratete er am 18.11.1805 in der Pfarre Gumpendorf die aus Mariahilf gebürtige Dienstmagd Eleonore Kapfer, Tochter des Johann Michael Kapfer, eines Musikus, und seiner Frau Elisabeth. Als Adresse des Paares wurde Gumpendorf Nr. 189 angegeben.[3] Am 10.9.1811 starb Eleonore mit 32 Jahren in Mariahilf Nr. 14 (Pfarre Mariahilf). [4]

3. Trauung:

Die 3. Trauung fand am 18.10.1811 in der Pfarre Mariahilf statt. Die Braut war Thekla Wanko, 22 Jahre, Tochter des Anton Wanko, eines Hausinhabers, und seiner Frau Barbara geb. Breyer. [5]

 

Franz Starhon starb am 29.7.1830 in Mariahilf 17 („im eigenen Haus“, wie auch in der Sterbeeintragung zu lesen ist) als Maschinenschlossermeister im Alter von 67 Jahren - Todesursache: Schlagfluss. [6] Bereits im Jahr 1805 war Franz Starhon Besitzer des Hauses Gumpendorf Nr. 189. Im Häuserverzeichnis 1805 wird als genauerer Standort „An der Mariahilferstrasse“ angegeben[7], und bei der Trauung 1805 wird sogar hinzugefügt: „in Gumpendorf in (sic!) eigenen Hause Nr. 189 durch 3 Jahr“. Im Häuserverzeichnis 1808 wird Franz Starhon als Besitzer von drei Objekten angeführt[8]: Gumpendorf 237 (Schmalzhofgasse), Gumpendorf 238 (Schmalzhofgasse) und Gumpendorf 239 (Hirschengasse), wobei die letzten beiden Parzellen als „Baustellen“ bezeichnet werden.

 

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[1] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., St. Josef ob der Laimgrube, Trauungsbuch 02-01, Fol. 177, 23.4.1789; 03-Trauung_0156.

[2] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Gumpendorf, Sterbebuch 03-11, Fol. 170 / 3.11.1805; 02-Tod_0170.

[3] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Gumpendorf, Trauungsbuch 02-14, Fol. 163 / 18.11.1805; 02-Trauung_0166

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-02, Fol. 363 / 10.9.1811; 02-Tod_0364

[5] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-03, Fol. 195, 18.10.1811; 02-Trauung_0195 

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-04, Fol. 146 / 29.7.1830; 03-Tod_0148 

[7] HV 1805; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/343626 (Zugriff: 9.9.2015). 

[8] HV 1808, S. 161f.; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/341282 (Zugriff: 9.9.2015).

 

 

Abb. 16. Symbolfoto - 3 gotische Schlüssel

 

6.2.2. Werkstätte bzw. Firma im Haus

 

Franz Starhon (vgl. L3/15) muss über eine einigermaßen repräsentative Werkstatt verfügt haben, konnte er doch mit dem „Gothischen Schlüssel“ seiner Schlosserei ein sichtbares Zeichen geben. In einem Buch von J. M. Baumgartner, k. k. Rat, niederöst. Straßenbau – Direktor, wird „der, in soliden Arbeiten sehr geschickte und verläßliche Maschinist Franz Starhon (zu Wien an der Mariahilfer=Hauptstraße im eigenen Hause Nro. 14 wohnhaft)“ lobend erwähnt.[1] Auch im „Adreß-Buch der ehrsamen Handwerks-Innungen in ... Wien für das Jahr 1827 ...“ von Franz Rittler wird Franz Starhon als bürgerlicher Meister in „Mariahilf, Hauptstraße, im eigenen Hause, zum weißen Stern Nr. 14“ angeführt. [2]

        Im HV 1812 [3] wird als Hausname für die neue Nummer 14 „Zum Gothischen Schlüssel“ angegeben, eine Abgrenzung zur „neuen“ Nr. 13, dem „Grünen Kranz“. Dieses Symbol für Starhons Beruf, die Schlosserei, verschwindet aber offenbar bald wieder. Nach den HV von 1816[4] und 1821[5] tritt die seltsame Situation ein, dass stattdessen nun für Nr. 14 „Der Weiße Stern“ verwendet wird und dadurch eine Verbindung zum anderen Nachbarhaus mit der neuen Nr. 15 geschaffen wird, das ja ebenfalls dieses Hauszeichen hat.

 

Im Häuserverzeichnis 1829[6] wird Franz Starhon als Besitzer von zwei Häusern ausgewiesen:

1) Mariahilf 14 (früher 12) in der Mariahilfer Hauptstraße – Hauszeichen wird keines angegeben

2) Mariahilf 163 in der Windmühlgasse – Hauszeichen: Schäfer.

Im Häuserverzeichnis von 1833[7] wird seine Witwe Thekla als Besitzerin dieser beiden Häuser angegeben. Nach der großen Nummernänderung von 1829/30 sind das nun die Häuser:

Mariahilf 17 (früher 14) und Mariahilf 2 (früher 163).

Im HV von 1837/39[8] werden „Storhann’s Erben“ (sic!) als Besitzer dieser beiden Häuser angeführt.

Im HV von 1852[9] scheint Anton Starhon, der am 17.5.1820 in Mariahilf Nr. 14 geborene Sohn [10] von Franz und Thekla Starhon, ein bürgl. Goldarbeiter, als Besitzer seines Geburtshauses auf. Anton Starhon, Goldarbeiter, starb am 19.7.1859 im Alter von 39 Jahren in Mariahilf 68 an Lungentuberkulose.[11] Witwe Thekla Starhon starb am 26.1.1863 mit 73 Jahren an der Adresse Mariahilferstraße 38 in Neubau (neue Orientierungsnummer).[12]

 



 

[2] Rittler 1827, S. 134; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/344735 (Zugriff: 9.6.2017)

[3] Siehe HV 1812, S. 150; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/389687 (Zugriff: 9.6.2017)

[4] Siehe HV 1816, S. 188; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/413674 (Zugriff: 9.6.2017)

[5] Siehe HV 1821, S. 253; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/437523 (Zugriff: 9.6.2017)

[6] HV 1829, S. 146; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/422814 (Zugriff: 9.6.2017)

[7] HV 1833, Band 2, S. 169; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/356578 (Zugriff: 9.6.2017)

[8] HV 1837/39, S. 169; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/421326 (Zugriff: 9.6.2017)

[9] HV 1852, S. 169; online : http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/336985 (Zugriff: 9.6.2017)

[10] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Taufbuch 01-06, Fol. 260 / 17.5.1820; 03-Taufe_0309 

[11] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-08, Fol. 51 / 19.7.1859; 03-Tod_0052 

[12] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-09, Fol. 2 / 26.1.1863; 03-Tod_0002