6.1. Mariahilfer Straße 47 (ehemals "Zum grünen Kranz")  (vor 1810 Mariahilf 13 / ab 1810 Mariahilf 13) (= Listen 1 und 2)

 

Abb. 10. Mariahilfer Straße 47 (Doppelhaus) im Jahr 2017

mit dem alten Hauszeichen "Zum grünen Kranz", Fassade von 1910

 

 

 

Abb. 11. Fassade des Hauses Mariahilferstraße Nr. 47 im Jahr 1903

Foto: August Stauda (1903)

ÖNB Bildarchiv / Inv. ST 1425F / Stauda

 

 

6.1.1. Bürgerliche Hausbesitzer als Bewohner

 

Auch wenn es für manche Besitzer dieses Hauses keine Kirchenbucheintragung für die Jahre 1805-1817 mit der entsprechenden KNR gibt, so kann man aus den Häuserverzeichnissen doch einige Einzelheiten rekonstruieren (siehe Abschnitt 2.1. und 2.2.). Als Besitzer des Hauses sind nach den HV   dokumentiert:

· um 1798 Magdalena Jagatitsch, die nach dem Sterbeeintrag in der Pfarre Mariahilf als „bürg. Handelsmannes Wittwe“ am 12. 10. 1808 in Mariahilf Nr. 79 im Alter von 74 Jahren verstorben ist.

·   um 1808 eine Susanna Franz

·   und schließlich ab 1812 die Familie Fritz.

Diese Familie ist in den Jahren 1811 bis 1817 mit insgesamt sechs Kirchenbucheintragungen vertreten (siehe Nachweis zu L2/04 in Abschnitt 9).       

Johann Fritz wurde 1772 (lt. Heiratseintragung) oder 1774 (lt. Sterbeeintragung) in Salmünster in Hessen-Kassel geboren. Seine Eltern waren Johann Fritz und Christina geb. Harnischfeger. Am 20. November 1808[1] heiratete er mit 36 Jahren in der Pfarre Wien, 02., St. Josef, die 21-jährige Viktoria Solderer, geb. am 23.3.1787 in Zöbing Nr. 15 (Pfarre Zöbing), Tochter des verstorbenen Weinhauers Johann Solderer und seiner ebenfalls verstorbenen Frau Anna Maria geb. Liebl [2].

Johann Fritz wurde bei seiner Hochzeit jedenfalls als „Instrument Macher“ bezeichnet und wohnte damals „Nr. 62 an der Wienn“. Viktoria Fritz geb. Solderer starb am 28.2.1856 an der Adresse Mariahilf 16.[3] Der Hausinhaber Johann Fritz starb am 25.5.1864 mit 90 Jahren an der heutigen Adresse Mariahilferstr. 47.[4] Johann und Viktoria Fritz hatten acht Kinder, von denen einige allerdings früh verstarben:

1) Das erste Kind, Josefa Viktoria, kam am 31.8.1809 noch an der Adresse Laimgrube Nr. 62 zur      

    Welt[5]. Es starb am 18.2.1817 mit 7 ½ Jahren an der Adresse Mariahilf 13 (Pfarre Mariahilf).

    Die folgenden Kirchenbucheintragungen beziehen sich auf die Adresse Mariahilf Nr. 13 (Pfarre           Mariahilf):

2) Aloisia Josefa, geboren am 11.5.1811, gestorben am 23.1.1812 (mit 8 Monaten)

3) Aloisia Rosina, geboren am 7.6.1812

4) Adolf Johann, geboren am 5.4.1814, gestorben am 5.4.1814 (mit 4 Jahren)

5) Gustav, geboren am 21.5.1815

6) Adolf Franz, geboren am 16.12.1818

7) Josef Franz, geboren am 13.2.1820

8) Karl Franz, geboren am 9.6.1824

 

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[1] Trauung: Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 02., St. Josef, Trauungsbuch 02-02, Folio 369 / 20.11.1808 / 03-Trauung_0186

[2] Taufe von Viktoria Solderer:Diözese St. Pölten, Pfarre Zoebing, Taufbuch 01-06, Fol. 4 / 23.3.1787 / Taufe_0004 

[3] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-07, Fol. 306 / 28. 2. 1856 / 03-Tod_0309 

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-09, Fol. 34 /25. 5. 1864 / 03-Tod_0034 

[5] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., St. Josef ob der Laimgrube, Taufbuch 01-10, Fol. 46 31.8.1809 / 02-Taufe_0246 

 

 

 

Abb. 12. Firma Johann Fritz, Grand Piano, um 1815

 

 

6.1.2. Werkstätte bzw. Firma im Haus

 

Johann Fritz (L2/04) eröffnete in seinem Haus eine Klavierfabrik, die mehr als 100 Jahre bestand. In den ersten Jahrzehnten leitete er sie selbst, dann scheint er aber nur mehr als Hausinhaber auf, und ein gewisser Josef Fritz dürfte den Instrumentenbau übernommen haben.

 

Wer war dieser Josef Fritz?

 

Am 20.8.1838 heiratete an der Adresse Mariahilf Nr. 16 (vor der Nummernänderung von 1829/30: Mariahilf Nr. 13) ein gewisser Kaspar Joseph Fritz aus Salmünster in Hessen, 30 Jahre alt, Klavierinstrumentenmacher, Sohn des verstorbenen Johann Fritz und der Elisabeth geb. Wirthmann, die 25-jährige Katharina Mayer aus Zöbing.[1] Es handelte sich um einen Neffen des Hausinhabers, der nun auch in Wien lebte. Es kann sich jedenfalls nicht, wie immer wieder fälschlich behauptet wird [2], um den Sohn des Wiener Hausbesitzers Johann Fritz handeln, da dessen Kind namens Josef erst 1820 geboren wurde[3] und zum Zeitpunkt der Trauung erst 18 Jahre, nicht aber 30 Jahre alt war.

(Kaspar) Josef Fritz wird z. B. im Jahr 1864[4] als Klaviermacher im Haus „Zum grünen Kranz“ genannt und scheint 1875[5] unter Josef Fritz & Sohn im Lehmann-Adressverzeichnis in der Mariahilferstr. 47 auf. Josef Fritz starb am 18.10.1877 mit 69 Jahren in der Mariahilferstr. 47 als „bürg. Claviermacher, Witwer, von Salmünster in Churhessen gebürtig“[6]. Als Hauseigentümer wurden 1885 jedoch Gustav, Adolf und Karl, drei Söhne des mittlerweile verstorbenen Johann Fritz, genannt, die mit Instrumentenbau nichts zu tun hatten.[7] Im Jahr 1900 gab es die Firma „J. Fritz & Sohn“ als Pianoforte-Fabrik an der Adresse Mariahilferstr. 47 noch immer.[8] Als Inhaber wurde der Sohn des verstorbenen (Kaspar) Josef Fritz, der am 20.10.1844 in diesem Haus geborene Wilhelm Fritz[9], genannt. Über das berufliche Wirken von Johann Fritz bzw. über seine Klavierfabrik ist nur wenig bekannt. Der Klavier- und Cembalobauer Detmar Hungerberg schreibt über ihn:

Einer der berühmtesten und bedeutendsten Klavierbauer zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Johann Peter Fritz. Fritz gehörte zur Elite der Wiener Klavierbauer. Das von ihm im Jahre 1806 gegründete Unternehmen hat über ein Jahrhundert bestanden. Seine Klaviere waren berühmt für die Eleganz ihrer Klangfarben, die schönen Proportionen und die handwerkliche Sorgfalt in der Ausführung des Möbels.[10]

 

 

Weitere Fragen über verwandtschaftliche Beziehungen innerhalb der Familie Fritz und über die Klavierfirma (z. B. Gründungsjahr, Beziehungen zur Stadt Graz) können in diesem Rahmen nicht beantwortet werden.

 

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[1] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-07, Fol. 112, 20.8.1838, 02-Trauung_0030

[2] Hopfner 1999, S. 141 f.

[3] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Taufbuch 01-06, Fol. 244 / 13.2.1820; 03-Taufe_0287 

[4] Lehmann 1864, S. 168; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/25369 (Zugriff: 9.6.2017).

[5] Lehmann 1875, S. 173; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/32986 (Zugriff: 9.6.2017).

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Sterbebuch 03-10, Fol. 130 / 18.10.1877; 04-Tod_0132 

[7] Schlesinger 1885, S. 320; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/408366 (Zugriff: 9.6.2017).

[8] Lehmann 1900 Bd. 2, S. 28; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/87654 (Zugriff: 9.6.2017).

[9] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Taufbuch 01-11, Fol. 439 / 20.10.1844; 03-Taufe_0493 

 

 

 

Abb. 13. Klavier der Firma Fritz 1815