4. Auswertung der Listen

Die Entwicklung der Hausnummerierung nach den Kirchenbucheintragungen.

 

Ein Vergleich der Bewohnerlisten macht deutlich, dass es zahlreiche Familien in beiden Zeiträumen (1805–1810 und 1810 – 1817) mit Kirchenbucheintragungen gibt, sodass es möglich ist, eine allfällige Änderung der Nummern bei allen untersuchten Häusern festzustellen.

 

4.1. Vergleich/Auswertung der Bewohnerlisten 1–3

 

Die Adresse Mariahilf 13 (= Nummerierung vor 1810 / heute Mariahilfer Straße 47 und 49), also Haus „Zum grünen Kranz“, wird zwischen 1805 und 1810 (Liste 1) für mehr als 10 Familien angegeben, die auch im Zeitraum 1810 – 1817 mit Eintragungen in irgendeiner Liste vertreten sind. Folgende sieben Namen von Liste 1 werden auch zwischen 1810 und 1817 an der Adresse Mariahilf 13 (heute Mariahilfer Straße 47) genannt (Liste 2):

  • Kern (L1/12 > L2/13) – Josef Kern, Maurer, verheiratet mit Katharina geb. Ruprecht.
  • Pfeifer (L1/20 > L2/20) – Andreas Pfeifer, Perückenmacher, verheiratet mit Barbara geb. Weisberger, später mit Magdalena geb. Mitterlechner.
  • Reisky (L1/24 > L2/21) – Johann Nepomuk Reisky, Kürschnermeister, zuerst verheiratet mit Anna Maria geb. Vitz, ab 1810 mit Eleonore geb. Trenker.
  • Sennes (L1/31 > L2/25) – Simon Sennes, Hoflichtkammerträger, 1. Ehe mit Rosina geb. Schraml, in 2. Ehe verheiratet mit Magdalena geb. Riecher.
  • Wanausek/Wanatschek (L1/34 > L2/27) – Johann Wanausek, Drechslermeister, verheiratet mit Anna geb. Stadler.
  • Weikhart (L1/36 < L2/28) – Josef Weikhart, Handelsmann, verheiratet mit Margaretha geb. Vietz.
  • Zach (L1/38 > L2/20) – Anton Zach, Vergolder, ab1816 verheiratet mit Magdalena geb. Dilles. In Liste 1 wird nicht sein Vorname genannt, sondern der seines Vaters (Franz), bei dem er offenbar bis zur Trauung gewohnt hat.

Sieben Namen von Liste 1 werden jedoch zwischen 1810 und 1817 mit der „neuen“ Nummer Mariahilf 14 (= Haus „Zum Gothischen Schlüssel“, heute Mariahilfer Straße 49) genannt (Liste 3):

  • Kristl (L1/14 > L3/04) – Johann Kristl/Christl, herrschaftlicher Bedienter, verheiratet mit Agnes geb. Jura, später mit Agnes geb. Ehner.
  • Mick/Mück/Möck (L1/16 > L3/05) – Franz Mick, ehem. Bestandwirt, Lederhändler, verheiratet mit Anna geb. Wanko.
  • Münzenberger (L1/18 > L3/07) – Franz Münzenberger, Klavierinstrumentenmacher, verheiratet mit Theresia geb. Lippacher.
  • Rogner (L1/25 > L3/09) – Franz Rogner, Metallwaren-/Galanteriewarenfabrikant, verheiratet mit Josefa geb. Blau.
  • Schudy (L1/30 > L3/11) – Johann Schudy, Tonkünstler, verheiratet mit Theresia geb. Koller.
  • Zach (L1/38 > L3/17) – Anton Zach, Vergolder, ab 1816 verheiratet mit Magdalena geb. Dilles
  • Zentner (L1/39 > L3/18) – Andreas Zentner, Vergolder, verheiratet mit Katharina geb. Zach. 

 Interessant sind die Eintragungen für die Familie Münzenberger: Bei der Taufeintragung vom 12.6.1807 wird als Adresse „Mariahilf Nr. 13“ angegeben, bei der Sterbeeintragung vom 31.7.1811 steht „Mariahilf Nr. 14“, bei der Taufe des Franz Xaver Münzenberger am 2. 5. 1810 findet man bei der Hausnummer der Eltern die seltsame Angabe „Nr. 13 ½“.[1] Das deutet darauf hin, dass Anfang Mai 1810 die Umbenennung eines Teils des Hauses/Grundstücks Mariahilf Nr. 13 bereits unmittelbar bevorstand, aber offiziell noch nicht vollzogen war.

 

 


[1] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Taufbuch 01-04, Fol. 163, 2.5.1810; online:

http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/06-mariahilf/01-04/?pg=178 =  

03-Taufe_0175 (Zugriff: 9.6.2017).

 

 

Abb.8. Aus der Taufeintragung des Franz Xaver Münzenberger (1810): Adresse (linke Spalte), Vorname des Täuflings und Name der Hebamme (Mittelspalte), Angaben über den Vater (rechte Spalte)

4.1.1. Verwandtschaftliche Beziehungen im Haus Mariahilf 13 neu / heute Mariahilfer Straße 47 (= Listen 1 und 2)

 

Im Haus Mariahilf Nr. 13 bestanden durch die Schwestern Vietz/Vitz/Fitz verwandtschaftliche Verknüpfungen zwischen den Familien Reisky und Weikhart (L1/36) (später Kraus, L2/14):

 

  • Anna Fitz heiratete im Jahr 1798 in der Pfarre Mariahilf den Witwer Johann Reisky (L1/24), angehenden Kürschner aus Mähren[1]; sie starb bereits am 9.10. 1809 im Alter von 33 Jahren. Reisky heiratete 1810 Eleonore Trenker.
  • Annas Schwester Margarethe Vietz heiratete im Jahr 1808 in der Pfarre Mariahilf den Handelsmann Josef Weikhart (L 1/36) und nach dessen Tod im Jahr 1812 den Warensensal Ignaz Kraus (L2/14). Ob allerdings die Familie Kraus in Mariahilf Nr. 13 wohnte, ist nicht sicher.
  • In Mariahilf Nr. 13 starben Mathias (L2/5) und Theresia Ganser (L2/6), vermutlich Vater und Tochter, wie die Herkunft beider aus Zwettl nahelegt. Sicher eine Tochter von Mathias Ganser war jedoch Maria Anna geb. Ganser, verheiratete Birkmaier (L2/1), die 1806 bei der Trauung zwar eine andere Mariahilfer Adresse hatte[2], im Jahr 1817 aber mit ihrer Familie an der neuen Adresse Mariahilf 13 wohnte.
  • Elisabeth Schenzl, Tochter des Posamentierers Georg Schenzl (L1/29), Mariahilf 13, heiratete am 11.8.1799 in ihrer Heimatpfarre Mariahilf den Drahtzieher Franz Schön. Bei ihrer zweiten Trauung am 26.4.1801 mit dem angehenden Drahtzieher Ludwig Reinhart wohnte die junge Witwe in der Pfarre St. Ulrich[3]. Später logierte die Familie wieder in Mariahilf 13, denn in den Jahren 1806 bis 1808 schien die Familie Reinhart (L1/22) mit dieser Adresse mit drei KB-Eintragungen auf; hier verstarb auch (Josef) Georg Schenzl im Jahr 1808 (L1/29).            

 

Auch die Familien Zentner und Zach waren miteinander verwandt:

 

  • Eine Tochter des Vergolders Franz Zach (L1/38) war mit dem Vergolder Andreas Zentner (L1/39) verheiratet.
  • Ein Sohn des Franz Zach, Anton (L2/30), schien bei seiner Trauung 1816 noch an der Adresse Mh 13 auf; Geburt und Tod der Tochter Anna im Jahr 1817 wurden allerdings an der Adresse Mh 14 vermerkt. (Siehe Nachweise zu L 3/17).

 


[1] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-02, Fol. 67, 12.2.1798; 02-Trauung_0067 

[2] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-03, Fol. 39, 31.7.1806; 02-Trauung_0039 

[3] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 07., St. Ulrich, Trauungsbuch 02-32, Fol. 260, 26.4.1801; 02-Trauung_260 

 

 

4.1.2. Anmerkungen zu Bewohnern des Hauses

Mariahilf 14 neu / heute Mariahilfer Straße 49 (= Liste 1 + 3)

 

a) Die Schwestern Wanko

 

Drei Schwestern, Töchter des Hauers Anton Wanko und seiner Frau Barbara geb. Breyer aus Alt-Schallersdorf (= Starý Šaldorf) in Mähren, waren Bewohnerinnen des Hauses, das vor 1810 die Nummer 13 hatte, ab 1810 jedoch Nr. 14:

Anna (Maria)            * 2.1.1777[1]

Thekla                      * 21.Sept. 1789[2]

Maria (Eva)              * 3. 11. 1796[3]

 

·   Bereits am 1.11.1803 heiratete Anna Wanko in der Pfarre Maria Treu den damaligen Bestandwirten Franz Mick (Mück/Möck) (L1/16).[4] Dieses Paar ist mit 4 Ereignissen zwischen 1805 und 1807 auf der Nr. 13 und mit 2 Ereignissen im Jahr 1811 auf der neuen Nr. 14, also in Starhons Haus, nachweisbar.

·     Am 28.10.1811 heiratete die 22-jährige Thekla Wanko [5] in der Pfarre Mariahilf den 46-jährigen Witwer Franz Starhon (L3/15), also den Besitzer des Hauses Mariahilf 14.

·      Am 5.2.1815 heiratete Maria Wanko den Witwer Franz Frey (L3/1) aus der Josefstadt Nr. 49.[6] Bei der Trauung in der Pfarre Mariahilf wurde die Adresse Mariahilf 14 genannt, bei der Taufe ihres Sohnes Josef Frey im Jahr 1819 wohnte die Familie allerdings im Haus Mariahilf 12.

 

b) Übersiedlung des Tonkünstlers Schudy ins Nachbarhaus

 

Seltsam ist die Situation beim Tonkünstler Johann Schudy (L1/30), für den es Hausangaben mit Mariahilf 13, 14 und 15 gibt. Leicht erklärbar ist, dass die Schreiber im Jahr 1809 zwei Ereignisse der Familie Schudy in Mariahilf Nr. 13 (siehe Nachweis zu L1/30), jedoch eine Geburt im Jänner 1811 in Mariahilf 14 (Nachweis zu L3/11) verzeichnen. Wie sein Trauzeuge, der Instrumentenmacher Franz Münzenberger (Trauzeuge bei der Eheschließung in der Pfarre Maria Hietzing am 23.10.1808[7]), wohnte er also in jenem Bereich des Hauses/Grundstücks Nr. 13, der dann Nr. 14 erhielt. Aber danach muss es eine Übersiedlung ins Nachbarhaus gegeben haben, denn die Geburt im Dezember 1811 und der Tod dieses Kindes im Mai 1812 sind mit Nr. 15 angegeben (siehe Nachweis zu L5/34). Die beiden nächsten Geburten (im August 1813 und im November 1817) fanden übrigens in Mariahilf Nr. 90 statt.

 

----------------------------------------------------

 

[1] Moravský zemský archiv Brno, Znojmo – Louka 14900, strana 219, Geburt 2.1.1777; online:

http://actapublica.eu/matriky/brno/prohlizec/2300/?strana=219 (Zugriff 9.6.2017).

 

[2] Moravský zemský archiv Brno, Znojmo – Louka 14902, strana 27, Geburt 21.9.1789; online:

http://actapublica.eu/matriky/brno/prohlizec/2302/?strana=27 (Zugriff 9.6.2017).

 

[3] Moravský zemský archiv Brno, Znojmo – Louka 14901, strana 43, Geburt 3.11.1796; online:

http://actapublica.eu/matriky/brno/prohlizec/2301/?strana=43 (Zugriff 9.6.2017).

 

[4] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 08., Maria Treu, Trauungsbuch 02-05, Fol. 86 (recte 89), 1.11.1803;

03-Trauung_0089 

 

[5] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-03, Fol. 195, 28.10.1811;

02-Trauung_0195 

 

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Trauungsbuch 02-04, Fol. 3, 5.2.1815

04-Trauung_0003 

 

[7] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 13., Maria Hietzing, Trauungsbuch 02-01, Fol. 132, 23.10.1808;

02-Trauung_0132 

 

 

 

4.2. Vergleich/Auswertung der Bewohnerlisten 4 und 5

 

Im Haus Mariahilf Nr. 14 (= Nummerierung vor 1810 / „Weißer Stern“ / heute Mariahilfer Straße 51 / LISTE 4) wohnten zwischen 1805 und 1810 zehn Bewohner/Familien, deren Adresse zwischen 1810 und 1817 mit Mariahilf Nr. 15 angegeben wurde (LISTE 5):

 

·        BINDER (L4/01 > L5/04) - Josef Binder, Bedienter, verheiratet mit Rosalia geb. Ruck/Rock.

·        ECKER (L4/03 > L5/09) - Josef Ecker, Milchmann, verheiratet mit Anna geb. Kellner/Keller.

·        FRIEB/FRIESS (L4/06 > L5/12) - Jakob Frieb/Fries, Klaviermeister, verheiratet mit Anna geb. Böheim.

·      HOFBAUER (L4/12 > 5/19) - Franz Hofbauer, Kupferdrucker, verheiratet mit Franziska geb. Kargl, dann mit Theresia, dann mit Josefa geb. Mayer.

·    HUBACZEK (L4/16 > L5/20) - Wenzel Hubaczek, Schuhmachermeister, stirbt im Dezember 1804, sein Sohn Michael Hubaczek, Schustermeister, heiratet 1811 Johanna Wallisch.

·       LECHNER/LEHNER (L4/20 > L5/25) - Bartholomäus Lechner, Schustermeister, verheiratet mit Anna geb. Heiter.

·        LUDWIG (L4/22 > L5/27) - Johann Ludwig, Kürschnermeister, verheiratet mit Barbara geb. Singer.

·        PETRONIN (L4/25 > L5/29) - Johann Petronin, Uhrblattschmelzer, verheiratet mit Elisabeth geb. Roulet.

·      TSCHOPP (L4/36 > L5/42) - Anton Tschopp, Uhrgehäusemacher, verheiratet mit Theresia geb. Schwarz. Der Name erscheint in sehr unterschiedlichen Formen.

·     WIBOLD / WIPOL / BIBOLD (L4/39 > L5/47) - Mathias Wibold, Strumpfwirkergeselle, dann Gustobäck, Beigelbäck, verheiratet mit Anna geb. Wolf.

 

Da sich bei den Familien FROST und SPITZER Unklarheiten bezüglich der Identität bestimmter Personen ergeben, die im Rahmen dieser Untersuchung nicht beseitigt werden können, werden diese beiden Namen für die Auswertung nicht herangezogen. Vor 1810 bzw. ab 1810 werden zwei verschiedene Weinwirte an dieser Adresse genannt, die ihr Lokal in diesem Haus hatten: Höß (L4/15) und Fasser (L5/10). Weitere Details dazu im Abschnitt 6.3.4. 

 

 

4.2.1. Anmerkungen zu Bewohnern des Hauses Mariahilf 15 neu/ heute Mariahilfer Straße 51 (= Listen 4 und 5)

 

Zur Identität einzelner Personen:

 

 

Frieb und Fries (L4/06, L5/12) sind sicher idente Personen. In der Geburtseintragung 1807  ist der Vater eindeutig Jakob Frieb, in der Geburtseintragung 1810 (Geburt des Anton)  Jakob Frieb oder Fries (offensichtliche Unsicherheit des Schreibers), in der Sterbeeintragung von 1811 (Tod des einjährigen Anton) heißt der Vater plötzlich eindeutig Joseph Fries.

Die Ehefrau ist bei beiden Geburtseintragungen Anna B(o)eheim, und es handelt sich bei der Geburtseintragung 1810 und bei der Sterbeeintragung 1811 eindeutig um dieselbe Person, den Sohn Anton. Wahrscheinlichste Lösung: Der Vater hieß Jakob, bei der Sterbeeintragung ist ein Fehler passiert.

 

Die Frau des Josef Binder (L4/01, L5/04) hat zwar in einer Eintragung den Mädchennamen „Ruck“, in der anderen „Rock“, es handelt sich aber zweifelsfrei um dieselbe Person.

 

Auch bei der Ehefrau des Josef Ecker (L4/03, L5/09) ist die Identität trotz der unterschiedlichen Namensformen „Kellner“ und „Keller“ sicher.

 

Etwas komplizierter ist die Situation bei der Frau von Gerhard Sattler (L4/31), die einmal „Anna Balzrinn“ heißt, beim anderen Mal aber „Anna Bayer“ und beide Male als Wirtstochter bezeichnet wird. Es dürfte sich also um dieselbe Person handeln. Aber ob es sich um einen Hörfehler des Schreibers oder um Mädchennamen und Witwennamen handelt, konnte nicht geklärt werden.

 

Unklar ist auch, wer jener Anton Spitzer (L5/37) war, der mit 60 Jahren am 5. 1. 1813 in Mariahilf gestorben ist. Es gab einen Hutstulper namens Anton Spitzer, der zweimal verheiratet war: Seine erste Frau Elisabeth, deren Geburtsnamen wir nicht kennen, starb am 15.4.1811 (L/35). Die Trauung mit Rosalia Thurner fand am 6.11.1811 statt. Alter des Bräutigams: 50 Jahre (L5/37). Die Unklarheit resultiert aus der Sterbeeintragung vom 5.8.1813 (L5/37), die sich zwar bezüglich des Namens und der Adresse, nicht jedoch bezüglich des Berufs und der Altersangabe mit diesen beiden Eintragungen deckt: Jener Anton Spitzer, der 1813 stirbt, ist von Beruf Bedienter, und sein Alter (60 Jahre) weicht beträchtlich von dem ab, das er laut Trauungseintragung von 1811 haben müsste (nämlich 52 Jahre).

 

Bei den Familien Frost (L4/7 und L5/14) kann eine Verwandtschaft vermutet, auf Grund der verschiedenen Berufs- und Altersangaben aber nicht abgesichert werden.

 

Zur Chronologie der Änderung der Konskriptionsnummern

 

Wenn man davon ausgeht, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt die neuen Nummern eingetragen wurden, kann man eine Taufe in der Familie Fasser (L5/10) vom 7.7.1810 (bereits Nr. 15 statt 14) als Beleg heranziehen.

 

Bei Anton Spitzer (L5/37) dürfte das allerdings nicht zutreffen: Der Tod von Elisabeth Spitzer, der Frau des Hutstulpers, wurde am 15.4.1811 noch immer mit Mariahilf Nr. 14 eingetragen, erst bei seiner Heirat mit Rosalia Thurner am 6.11.1811 wurde Mariahilf Nr. 15 als Adresse angegeben.

 

Fragwürdige Zuordnung

 

Schwierig ist die Zuordnung der Ereignisse zu den richtigen Häusern bei der Familie Viehhauser:

Die Taufe des Michael Viehhauser am 29. September 1810 ist mit Mariahilf Nr. 15 (L5/44) eingetragen, sein Tod am 5.10.1810 aber mit Mariahilf Nr. 16 (L7/27). Der Tod eines weiteren Kindes am 13. 2. 1811 steht wieder unter Mariahilf Nr. 15 (L5/44). Es ist also am ehesten anzunehmen, dass die Eintragung mit Nr. 16 auf einem Irrtum beruht.

 

 

 

4.3. Vergleich/Auswertung der Bewohnerlisten 6 und 7

 

Für das Haus Mariahilf Nr. 15 („Rothe Bretzen“) (= Nummerierung vor 1810/heute Mariahilfer Straße 53) gibt es im Zeitraum von 1805 bis 1810 (LISTE 6) zwar viele Kirchenbucheintragungen, vor allem Taufeintragungen, aber nur wenige Namen oder unverwechselbare Berufe, bei denen die Adressen zwischen 1810 und 1817 mit der Nummer Mariahilf 16 angegeben werden (LISTE 7):

·   RIEPEL/RIPPEL L6/15 > L7/20) - Andre/Ander Riepel/Rippel, Schustermeister, verheiratet mit Katharina geb. Bintenwiser.

·   SOLLER (L6/17 > L7/26) - Johann Soller, Fleischselcher, verheiratet mit Barbara geb. Ittersburger.

Es gibt 7 Eintragungen, nach denen die Familie Soller im Zeitraum 1805 – 1810 im Haus mit der Konskriptionsnummer 15 gewohnt hat (L6/17), für den Zeitraum 1810 – 1817 (genauer: zwischen dem 14.11.1810 und dem 24.4.1812) gibt es 3 Eintragungen mit der Konskriptionsnummer 16 (L7/26). Auch bei der Toteneintragung vom 10.10.1811 (L3/14) müsste daher Nummer 16 stehen, es wurde aber irrtümlich 14 eingetragen.

 

 

Vor bzw. nach 1810 werden zwei verschiedene Bierwirte an dieser Adresse genannt, die ihr Lokal in diesem Haus hatten: Hörner (L6/7) und Hebert (L7/8). Weitere Details dazu im Abschnitt 6.4.1.

 

4.4. Vergleich/Auswertung der Bewohnerlisten 8 und 9

 

Beim Haus, das im Zeitraum von 1805 bis 1810 die Bezeichnung Mariahilf 16 trug (LISTE 8/ heute Mariahilfer Straße 55) – das Eckhaus zur Kleinen Kirchengasse (heute Barnabitengasse) – finden wir zwei Namen, die sich nach 1810 der Nr. 17 zuordnen lassen (LISTE 9):

 

· PARSCH/PARTSCH/PARSCHER (L8/06 > L9/03) - Josef von Parsch, Gutsherr, Rittmeister des Kürassierregiments Hohenzollern, verheiratet mit Thekla geb. Braun.

·  WEINGART (L8/11 > L9/05) - Adam Weingart, Maurergeselle, verheiratet mit Eva geb. Speigler, verwitwete Bacher.

 

Schon ab 1805 sind Adelige als Hausbesitzer belegt:

1805[1]: Martin Edler von Leßner,

1808[2]: Ferdinand Graf von Kolloredo,

1812[3]: Graf von Haugwitz sowie

1816[4] und 1821[5]: Sophia Gräfin von Haugwitz, geb. Gräfin von Frieß.

 

Sie selbst scheinen zwar nicht in diesem Haus gewohnt zu haben, es dürfte aber gewissen Interessen der verschiedenen adeligen Inhaber gedient haben. Darauf weist auch die Unterbringung der Familien des Moritz Dauber (L8/03), „gräflichen Ferdinand von Colloredo Mansfeldischen Buchhalters“, hin (Taufeintragung des Sohnes Moritz Heinrich vom 17.8.1807) sowie des „Gutsherrn“ Josef von Parsch hin. Es fällt auf, dass der Schreiber in der Taufeintragung von 1808[6] nicht nur den ihm offenbar nicht sehr geläufigen Namen zu „Parscher“ machte, sondern auch das Wort „Gutsbesitzer“ dazuschrieb, dann aber den zweiten Teil strich und sich für die Bezeichnung „Gutsherr“ entschied. 

 

 

Abb. 9. Taufeintragung (Ausschnitt) in der Pfarre Mariahilf

von Heinrica Maria von Parsch(er) vom 13.2.1808

 

 

Die Korrektur ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil es in der Pfarre Mariahilf bereits in den Jahren 1805 und 1806 Taufen von Kindern des Joseph Edlen von Parsch gegeben hatte, wenn auch mit der Adresse Mariahilf KNR 38. 1805[7] wurde er als „Gutsherr“ bezeichnet, 1806 [8] als „Gutsbesitzer“. Der Schreiber von 1808 wollte aber offenbar diese letzte Bezeichnung absolut nicht gelten lassen. Möglicherweise spielt dabei der Verkauf der Güter in Althöflein (Großhöflein) an Franz de Paula Graf von Cohary (genau in diesem Jahr 1808) eine Rolle.[9]

Bei der nächsten Taufeintragung im Jahr 1809 steht allerdings wieder „Gutsbesitzer“, im Jahr 1810 dagegen „Gutsherr“.

 

 


[1] HV 1805, S. 141; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/355054 (Zugriff: 9.6.2017).

[2] HV 1808, S. 180; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/354457 (Zugriff: 9.6.2017).

[3] HV 1812, S. 150; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/389687 (Zugriff: 9.6.2017).

[4] HV 1816, S. 188; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/413674 (Zugriff: 9.6.2017).

[5] HV 1821, S. 253; online: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/437523 (Zugriff: 9.6.2017).

[6] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Taufbuch 01-04, Fol. 13 / 13.2.1808;

03-Taufe_0013 

[7] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Taufbuch 01-03, Fol. 231 / 20.9.1805;

02-Taufe_0243  

[8] Erzdiözese Wien, Pfarre Wien Stadt, 06., Mariahilf, Taufbuch 01-03, Fol. 296 / 8.10.1806;

02-Taufe_0312   

[9] Schweickhardt  1834, Band 3, S. 27; online: https://books.google.at/books?id=G0EvAAAAYAAJ&pg=PA27&lpg=PA27&dq=Parsch+Edler+von&source=bl&ots=rPNqYaeG76&sig=GdPRocp9QxoTTG2J4hDU84XOuek&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjT2aSN5rrJAhXGzRQKHcRZCwQQ6AEIGzAA#v=onepage&q=Parsch%20Edler%20von&f=false  (Zugriff: 9.6.2017)