2. DIE HÄUSERSITUATION VON 1798 UND 1812.                       Eine Gegenüberstellung anhand von Häuserverzeichnissen

   

 

2.1. Allgemeines zur Nummerierung

 

a)   Um 1775 wurden die Häuser in Mariahilf zum ersten Mal nummeriert.

b)   Eine zweite Nummerierung erfolgte 1795.

c)   Eine weitere allgemein bekannte Änderung der Konskriptionsnummern gab es in Mariahilf 1829/30.

d) In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden diese Konskriptionsnummern dann von den Orientierungsnummern (Winklersches System der Hausnummern) abgelöst, die weitgehend den heutigen Nummern entsprechen.

 

2.2. Die Situation nach dem Häuserverzeichnis von 1798[1]

 

Damals waren für den Bereich der heutigen fünf Häuser Mariahilfer Straße Nr. 47 bis Nr. 55 (also bis zum Eckhaus an der Barnabitengasse/damals Kleine Kirchengasse) nur vier Konskriptionsnummern vergeben.

Mariahilf Nr. 13:

Laut HV 1798: frühere KNR 11 / Hauptstraße / Eigentümer: Magdal. Jagatitsch / Hausschild: Grüner Kranz

Mariahilf Nr. 14:

Laut HV 1798: frühere KNR 12 / Hauptstraße / Eigentümer: Freyh. v. Somerauische Erben / Hausschild: Weißer Stern

Mariahilf Nr. 15:

Laut HV 1798: frühere KNR 13 / Hauptstraße / Eigentümer: Gottfr. v. Rößler / Hausschild: Rothe Bretzen

Mariahilf Nr. 16:

Laut HV 1798: frühere KNR 14 / Hauptstraße / Eigentümer: Franz Eisenkohl; dieses Haus wird als letztes vor der Kleinen Kirchengasse (heute Barnabitengasse) angegeben.

 

Betrachtet man diese 4 Häuser, die im HV 1798 bereits die Nummern 13, 14, 15 und 16 haben, auf der Karte von Joseph Anton Nagel von 1773 und in der Vogelschauansicht von Huber aus dem Jahr 1769-1773, die beide noch die erste Nummerierung verwenden, also Nr. 11, 12, 13 und 14,

dann erkennt man:

 

·   Das Haus Mariahilf 11 (im HV 1798: Nr. 13) bestand aus mehreren Häuserblöcken, von denen einer nur eingeschossig war.

·   Das Haus Mariahilf 12 (im HV 1798: Nr. 14) hatte offenbar sehr viele Wohnungen.

·   Das Haus Mariahilf 13 (im HV 1798: Nr. 15) war im Vergleich dazu sehr klein und schmal.

·   Das Haus Mariahilf 14 (im HV 1798: Nr. 16) bildete damals noch mit dem Barnabiten-Kolleg eine Einheit. Für das Gebäude in der Kleinen Kirchengasse ist keine separate Nummer angegeben; die Bezeichnung „P.P.Barnabiten“ auf dieser Karte scheint also für den ganzen Gebäudekomplex von Nr. 14 zu gelten.

 

 

 

Abb. 6. Johann Ziegler, "Die Kirche und Kloster zu Maria Hülff und die sogenannte Leimgruben."        

Kolorierte Radierung um 1783 von Johann Ziegler (1750-1812) nach eigener Zeichnung

ÖNB Bildarchiv: Inv. Pb 207586-F.Por., Tafel 19 

 

Die Radierung von Ziegler beweist, dass das Eckhaus das mächtigste Gebäude der Häuserzeile war – die angrenzenden Häuser waren offenbar niedriger. Heute erscheinen Barnabiten – Kolleg und Mariahilfer Straße 55, die aus der Zeit um 1770 stammen und baulich noch immer eine Einheit bilden, im Vergleich zu den Nachbarhäusern eher klein und unscheinbar.

Möglicherweise hat Ziegler die tatsächlichen Dimensionen der weiter entfernten Gebäude nicht genau beachtet. Beim Vergleich mit den Karten von Nagel und Huber treten manche Differenzen auf. Die Atmosphäre wird allerdings sehr eindrucksvoll wiedergegeben.

 

2.3. Die Situation 1812 nach dem Häuserverzeichnis 1812[2] und weitere Änderungen der Nummerierung [3]

 

Mariahilf Nr. 13:

Eigentümer: Joh. Fritz / Hausschild: Grüner Kranz

 

Mariahilf 13 behält als Hausschild den „Grünen Kranz“. Die Familie Fritz ist nun Hausbesitzer (1808 war die Eigentümerin noch Susanna Franz). 1829/30 erhält dieses Haus die Konskriptionsnummer 16; in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wird für das Gebäude die Orientierungsnummer Mariahilferstraße 47 vergeben.

 

Abb. 7. Das alte Hauszeichen "Zum grünen Kranz" auf dem Haus Mariahilfer Straße 47

 

Mariahilf Nr. 14:

Eigentümer: Franz Starchor (sic!) / Hausschild: Gothischer Schlüssel

Mariahilf 14 hat ein neues Hauszeichen („Gothischer Schlüssel“); als Name des Hausbesitzers wird Franz Starchor angegeben – gemeint ist allerdings Franz Starhon. 1829/30 erhält dieses Haus die Konskriptionsnummer 17; in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wird für das Gebäude die Orientierungsnummer Mariahilferstraße 49 vergeben.

Mariahilf Nr. 15:

Eigentümer: Valentin Wegmann / Hausschild: Weißer Stern

Mariahilf 15 hat wie früher Mariahilf 14 das Hausschild „Weißer Stern“, aber einen neuen Hausbesitzer: Valentin Wegmann. (1808 wird Franz Lager als Eigentümer angeführt.) 1829/30 erhält dieses Haus die Konskriptionsnummer 18. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wird für das Gebäude die Orientierungsnummer Mariahilferstraße 51 vergeben.

Mariahilf Nr. 16:

Eigentümer: Gottfried von Rößler / Hausschild: Rothe Bretzen

Mariahilf 16 hat wie früher Mariahilf 15 das Hausschild „Rothe Bretzen“ und auch den gleichen Besitzer (Gottfried von Rößler). 1829/30 erhält dieses Haus die Konskriptionsnummer 19; in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wird für das Gebäude die Orientierungsnummer Mariahilferstraße 53 vergeben.

Mariahilf Nr. 17:

Eigentümer: Graf v. Haugwitz

Es muss sich hier um das Eckhaus handeln, da es im HV 1816 der Kleinen Kirchengasse, im HV 1821 aber wieder der Hauptstraße zugeordnet wird. Mariahilf 17 hat wie früher Nr. 16 kein Hausschild. Die Reihe der adeligen Besitzer, die 1805 mit Martin Edler von Leßner beginnt, setzt sich 1808 mit Ferdinand Graf von Kolloredo und nun mit dem Grafen von Haugwitz fort. 1829/30 erhält dieses Haus die Konskriptionsnummer 20; in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wird für das Gebäude die Orientierungsnummer Mariahilferstraße 55 vergeben.

 

2.4. Zusammenfassung

 

Es gibt ab 1810 für diesen kleinen Abschnitt der Mariahilfer Hauptstraße also 5 statt 4 Konskriptionsnummern. Die Hausschilder und/oder die Besitzer lassen erkennen, dass es sich um dieselben Gebäude handelt, auch wenn die Nummer gewechselt hat. Auf Grund des neuen Hausschildes „Gothischer Schlüssel“ und der Tatsache, dass der „Weiße Stern“ nach 1810 die Nr. 15 (statt vorher 14) hat, liegt die Vermutung nahe, dass zwischen dem „Grünen Kranz“ und dem „Weißen Stern“ ein neues Gebäude errichtet worden ist oder ein Teil des bereits bestehenden Hauses Nummer 13 um 1810 die Nummer Mariahilf 14 erhalten hat; daraus ergab sich eine Erhöhung der folgenden Nummern; es wurde aus Nr. 14 die Nr. 15, aus Nr. 15 die Nr. 16 und aus Nr. 16 die Nr. 17.

 

Zur Übersicht die folgende Tabelle:

 

1779

 

1798

1812

ab

1829/30

ab

1860

KNR

KNR

Hausname

Besitzer

KNR

Hausname

Besitzer

KNR

ONR

11

13

Grüner Kranz

 

Magdalena Jagatitsch

13

Grüner Kranz

Johann Fritz

16

47

 

 

 

 

14

Gotischer Schlüssel

Franz Starhon

17

49

12

14

Weisser Stern

Freyherr von Sommerau-ische Erben

15

Weisser Stern

Valentin Wegmann

18

51

13

15

Rote

Brezen

Gottfried von Rößler

16

Rote Brezen

Gottfried v. Rößler

19

53

14

16

 

Franz Eisenkohl

17

 

Graf von Haugwitz

20

55



[1] HV steht für Häuserverzeichnis und KNR für Konskriptionsnummer, ONR für Orientierungsnummer, Häuserverzeichnis 1798.

[2] Häuserverzeichnis 1812.

[3] Für die folgenden Angaben auch Häuserverzeichnis 1808 und 1833 und Winkler 1863.