9. ZUSAMMENFASSUNG

 

Als wichtigstes Ergebnis dieser Untersuchung steht fest:

 

Mit der Bezeichnung „Amonstiege“ wurde keine verdienstvolle Person geehrt, sondern es wurde eine Orientierungshilfe geschaffen.

Die Stiege wurde nach der Familie Amon benannt, die etwa ein halbes Jahrhundert lang (von ca. 1793 bis 1843) ein Haus und eine Fleischselcherei nahe der Stiege, am heutigen Standort Windmühlgasse 15 / Stiegengasse 20, besaß.

 

Nicht nach einer berühmten Persönlichkeit ist die Amonstiege benannt – es handelt sich ja auch um keine offizielle Bezeichnung , sondern man muss darin eine Orientierungshilfe aus vergangenen Jahrhunderten sehen, in denen es noch die unübersichtlich angeordneten Konskriptionsnummern gab.

 

Es ist auch verständlich, dass die Menschen vergessen haben, nach wem diese Stiege eigentlich benannt wurde, denn das Haus, in dem die Familie Amon wohnte, gibt es ja nicht mehr. Von der Familie, die ziemlich genau ein halbes Jahrhundert lang dort ein Haus und eine Fleischselcherei besessen hat, fehlt nach dem Jahr 1843 jede Spur. Es gibt nichts mehr, das an die Familie oder das Haus erinnern könnte – etwa Fotos oder Bilder, auf denen eventuell ein Geschäftsschild zu sehen wäre, oder großartige Taten oder außergewöhnliche Leistungen, über die man in Büchern nachlesen könnte. Und so ist es dazu gekommen, dass man vergessen hat, wer hinter diesem Namen „Amonstiege“ steckt.

 

Aber es ist auch bemerkenswert, dass die Bezeichnung  sogar vielen, die in der Umgebung der Stiege wohnen, kein Begriff ist. Als Orientierungshilfe dient diese Bezeichnung heute nicht mehr – im Gegenteil: Es ist gar nicht so leicht, diese Stiege zu finden, wenn man jemanden danach fragt. Wäre da nicht die Tafel mit der inoffiziellen Bezeichnung „Amonstiege“, wären da nicht bestimmte Pläne oder Karten mit Werbungen für bestimmte Geschäfte und Sehenswürdigkeiten, dann würde der Name wohl bald gänzlich aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwinden.

 

 

Abb. 27. Tafel „Amonstiege“ – Foto: Autor (2018)

 

Als der Artikel begonnen wurde, war nicht klar, dass vor Jahrzehnten ein bestimmtes Haus eine derart große Bedeutung für die Bezeichnung „Amonstiege“ gehabt hatte. Als wichtiges Resultat dieser Arbeit wird somit auch gesehen, dass einige Abschnitte der Hausgeschichte erarbeitet werden konnten – zugleich ein ganz kleines Stück der Vorstadtgeschichte – , und dass auch einige Informationen über die Familien der Besitzer zusammengetragen werden konnten.

 

Da bei den anstehenden Fragen auch sehr umfangreiche (und zeitaufwendige) Recherchen in zahlreichen Häuserverzeichnissen und Stadtplänen von Wien vorgenommen werden mussten, wurde besonderer Wert auf die übersichtliche Auflistung der Quellen gelegt, um anderen Forschern bei ihren Arbeiten im Bereich der ehemaligen Vorstädte Wiens Hilfen anbieten zu können.