5. UNHALTBARE THEORIEN ZUR NAMENSGEBUNG

 

Es herrscht allgemein große Unklarheit darüber, welchen Hintergrund die Bezeichnung Amonstiege hat. Im Internet (Wikipedia), aber auch in einigen Artikeln und in Gesprächen werden bestimmte Meinungen vertreten und Vermutungen geäußert, von denen zwei kritisch beleuchtet werden sollen:

 

1) Bestimmte Forscher halten es für möglich, dass ein gewisser Franz Amon, Konzertmeister in der Kapelle von Johann Strauß (Vater), der Namensgeber für die Amonstiege gewesen sein könnte.

Über diesen Musiker ist bisher nur wenig bekannt. An dieser Stelle soll kurz ein Ausschnitt aus einem Artikel über Johann Strauß (Sohn) im Österreichischen Biographischen Lexikon zitiert werden: [1]

 

„Erste musikal. Unterweisungen erhielt S. bei V. Plachý (s. d.) auf dem Klavier und Harmonium; in diese Zeit fallen auch erste Kompositionsversuche. 1837–41 besuchte er das Schottengymn. und sang im Chor von St. Leopold. 1841 inskribierte er an der kommerziellen Abt. des polytechn. Inst. Nach dem Tod J. Lanners (s. d.) 1843 versuchte S., in dessen Fußstapfen als Musikdir. zu treten, brach sein Stud. ab und lernte – zunächst heiml. – Violine beim Konzertmeister des Vaters, Franz Amon, später bei Anton Kohlmann, einem Geiger des Hofopernorchesters, sowie Generalbaß bei J. Drechsler (s. d.). 1844 debüt. er gegen den Willen seines Vaters in Dommayers Casino mit einem eigenen Orchester.“ 

 

Es wird also behauptet, dass Johann Strauß (Sohn) bei diesem Franz Amon heimlich Violinunterricht genommen hätte.

 

Dieser Franz Amon wohnte nur wenige Jahre in der Vorstadt Gumpendorf (heute Bezirk Mariahilf), weit entfernt von der Amonstiege, in einem Haus in der heutigen Mariahilfer Straße Nr. 101, dann lebte er aber mit seiner Familie bis zu seinem Tod in der Leopoldstadt, wo ja auch Johann Strauß (Vater) mit seiner Familie zu Hause war.

Er erreichte niemals eine derartige Berühmtheit, dass man wegen seiner Verdienste eine Stiege oder eine Gasse in einem anderen Bezirk benannt hätte.

 

2) Bei den meist sehr hilfreichen Erklärungen der Straßennamen bei Wikipedia findet man folgende Erläuterungen zur Stiegengasse. [2]

  • Stiegengasse, 1862 benannt nach der Amonstiege am nördlichen Ende der Gasse, einer 13 Meter hohen geraden Stiege, die die tiefer gelegene Gasse und die sie kreuzende Gumpendorfer Straße mit der höher liegenden Windmühlgasse verbindet. Der Name der Stiege bezieht sich vermutlich auf den Volkssänger Anton Amon sen. (1833–1896). Die Amonstiege wurde 1862 fertig gestellt; zur gleichen Zeit wurden die Gärtnergasse und ein Teil der Windmühlgasse in Stiegengasse umbenannt.

 

Zwei Argumente gegen die Vermutung, dass die Amonstiege nach dem prominenten Volkssänger Anton Amon benannt wurde:

 

a)  Wie in Kapitel 4 gezeigt wurde, wurde die Stiege in der heutigen Form als Bauwerk zwar tatsächlich erst um 1862 errichtet, aber es gab an dieser Stelle bereits vorher eine Stiege, die schon als „Amonstiege“ bezeichnet wurde, zu einem Zeitpunkt, als Anton Amon noch völlig unbekannt war.

b) Anton Amon und seine Frau lebten nur wenige Jahre in der Königsklostergasse in Mariahilf. [3]  Seine Frau starb dort 1890, er selbst 1896.[4] Der Bezug zum Bezirk war also nicht sehr stark ausgeprägt.

Bis 1887 hieß die Königsklostergasse übrigens Bettlerstiege. Die Amonstiege ist/war jedoch einige Gassen davon entfernt.

 

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[1] Österr. Biograph. Lexikon, Johann Strauß (Sohn)

Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung, Österreichisches Biographisches Lexikon, „Strauß (Strauss), Johann (Sohn)“

http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Strauss_Johann_1825_1899.xml?frames=yes (Zugriff: 18.11.2018)

 

[2] Wikipedia / Liste der Straßennamen von Wien/Mariahilf / Stiegengasse

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stra%C3%9Fennamen_von_Wien/Mariahilf (Zugriff: 18.11.2018)

 

[3] Vgl. Lehmann, Adressbuch von Wien

 

[4] Siehe Wien Geschichte Wiki, Anton Amon (Volkssänger)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Anton_Amon_(Volkss%C3%A4nger) (Zugriff: 18.11.2018)