2. STRASSEN- UND GASSENNAMEN IN MARIAHILF

 

Bis 1862 (Einführung der Orientierungsnummern) diente der Straßenname oft als zusätzliche Orientierungshilfe, da die Konskriptionsnummer selbst oft keinen Schluss auf die Position des Hauses in der jeweiligen Vorstadt (z. B. Windmühle oder Laimgrube) zuließ.

 

Es sollen drei bestimmte Kategorien herausgehoben werden:

 

a) Straßennamen, in denen geografische Angaben bzw. lokale oder landschaftliche Hinweise stecken – 4 Beispiele aus dem Stadtplan 1812:

  • Mariahilfer Hauptstraße: ursprünglich wichtigste Straße in der Vorstadt Mariahilf, erst ab der Stiftgasse als Hauptstraße von Maria Hülf bezeichnet, ab der heutigen Schottenfeldgasse wurde sie als Penzinger Straße bezeichnet, weil sie nach Penzing führte. Vgl. auch Wikipedia [1]

 

Abb. 1a. Straßenschild „Mariahilfer Straße“ an der der Grenze zum 7. Bezirk (Neubau) – Foto: Autor (2018)  

  • Gumpendorfer Straße als wichtigste Straße der Vorstadt Gumpendorf
  • Windmühlgasse als Hauptstraße der Vorstadt Windmühl
  • Magdalenenstraße als Hauptstraße der Vorstadt Magdalenengrund

 

b) Es gab/gibt Gassennamen, die durch bestimmte Hauszeichen von markanten Gebäuden 

entstanden sind –

Beispiel:

  • Hirschengasse: 1827 benannt nach dem ehemaligen Gasthausschild „Zum Hirschen“ [1]

 

 

Abb. 1b. Straßenschild „Hirschengasse“ – Foto: Autor (2018)

andere Beispiele:

  • Nelkengasse: 1862 benannt nach dem ehemaligen Gasthausschild „Zur Nelke“ [1]
  • Schiffgasse: Die heutige Nelkengasse hieß um 1829 Leopoldigasse und dann Schiffgasse (nach einem Hausschild „Zum Schiff“). [1]
  • Pfauengasse: benannt (Datum unbekannt, 1827 erstmals erwähnt) nach dem ehemaligen Hausschild „Zum grünen Pfau“ auf Nr. 3. [1]

 

c) Es gab/gibt Gassennamen, die sich auf allgemein bekannte Gebäude beziehen oder die Besitzer von Häusern oder Grundstücken nennen, die für die Eröffnung einer neuen Gasse bedeutsam waren.

 

 

Beispiel:

 

  • ·       Schmalzhofgasse: Der Schmalzhof war ein weitläufiges Gebäude in Mariahilf, das einem reichen Schmalzhändler gehörte.

 

Im großen Hof des Hauses wurde 1883/1884 die  Syna-goge für die Bezirke Mariahilf und Neubau errichtet,  die in der sogenannten "Reichskristallnacht" in Brand gesteckt und während des 2.Weltkriegs abgerissen wurde. [2]

 

Die Bezeichnung „Schmalzhof-Gasse“ ist bereits im Plan von Ziegler / Vasquez 1830 zu finden. [3]

 

Abb. 1c. Straßenschild „Schmalzhofgasse“ – Foto: Autor (2018)

 

Weitere Beispiele:

 

  • Gfrornergasse: 1832 benannt nach dem Gärtner Franz Gfrorner (1798–1840), „Lust- und Ziergärtner“, Hausbesitzer und Grundbesitzer; er eröffnete 1832 die Gasse. [1]
  • Münzwardeingasse: 1862 benannt nach dem kaiserlichen Münzwardein Siegmund Hammerschmied (1628–1703); er erwarb 1663 Besitz zwischen der Mollardgasse und der Gumpendorfer Straße und besaß dort auch ein Haus. Die Gasse ist bereits ab 1797 nachweisbar. [1]

 

 

 

Wenn in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts oder im 20. Jahrhundert ein Familienname für die Neubenennung einer Straße verwendet wurde, dann wurde manchmal eine berühmte Persönlichkeit gewürdigt, die (meist durch die Wohnadresse oder ihr Wirken in unmittelbarer Umgebung) in Beziehung zu dieser Verkehrsfläche stand.

 

Beispiel:

  • Fillgradergasse: Die Fillgradergasse wurde am 2. Dezember 1862 nach der Glockengießerwitwe und Wohltäterin Maria Anna Fillgrader (* 15. Juli 1763, † 15. November 1831) benannt. [2]

 

Ihre Sorge galt besonders den Armen ihres Heimatortes, der Vorstadt Laimgrube. [4]

 

 

Abb. 1d. Hausnummer in der Fillgradergasse – Foto: Autor (2017)

Weitere Beispiele: 

  • Amerlingstraße: 1887 nach dem Maler Friedrich von Amerling benannt;

besondere Beziehung Amerlings zu Mariahilf: 1858 erwarb Amerling das Schloss Gumpendorf (Mollardgasse / Wallgasse) und stattete es mit wertvollen Kunstschätzen aus; das nicht mehr bestehende Gebäude wurde deshalb im Volksmund auch Amerlingschlössl genannt. [1] 

  • Haydngasse: 1862 benannt nach dem Komponisten Joseph Haydn (1732–1809); in dieser Gasse befindet sich sein Wohn- und Sterbehaus. [1]

 

  In Zusammenhang mit diesen Beobachtungen stellte sich  die Frage, wann die Bezeichnung „Amonstiege“ aufgekommen war bzw. wann sie in Gebrauch war. (Vgl. Kapitel 4)

 

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[1] Vgl. Wikipedia / Liste der Straßennamen von Wien/Mariahilf

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stra%C3%9Fennamen_von_Wien/Mariahilf

(Zugriff: 14.11.2018)

[2] Vgl. Wien Geschichte Wiki / Straßennamen – Mariahilf

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Stra%C3%9Fennamen-Mariahilf (Zugriff: 14.11.2018)

[3] 1830 Ziegler / Vasquez

Hand-Atlas der k. k. Haupt und Residenzstadt Wien mit ihren Vorstädten und nächsten Umgebungen : in [...] Blättern / Herausg. v. Carl Vasquez. Entworfen v. A. Ziegler. Wien : J. T. Trentsensky, 1830

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/zoom/1827906?zoom=5&lat=1453.42575&lon=4089.6685&layers=B(Zugriff: 14.11.2018)

[4] Vgl. auch den Artikel von Günter Oppitz, „Die Versetzung  der  alten Laimgrubenkirche   von der Mariahilfer Straße in die Windmühlgasse und  einige  Auswirkungen  auf das  Verkehrskonzept“ / Kapitel 8 auf der Homepagewww.guenteroppitz.at