14. Bereich der ehemaligen Nr. 13 (Bäckenhäusel) und der ehemaligen Nachbarhäuser Nr. 11 und Nr. 15

 

Zuerst wird ein Foto von August Stauda aus dem Jahr 1899 gezeigt, auf dem das Backhaus des Julius Endriss (Windmühlgasse 13) und links davon die Nachbarhäuser Windmühlgasse 11 und 9 zu sehen sind.

 

 

Abb. 40. „Wien 6, Windmühlgasse 9/11/13“, Autor: August Stauda, Glasplatte, 1899,

Inv.-Nr. ST 260F  / Österreichische Nationalbibliothek

http://www.bildarchivaustria.at/Preview/1910800.jpg (Zugriff: 28.6.2018)

 

 

Dieses Foto des Bildarchivs der ÖNB lässt erkennen, dass vom Haus mit der Nummer Windmühlgasse 11 im Jahr 1899 nicht mehr viel übrig ist.

 

Abriss von Windmühlgasse Nr. 11:

vor 1899, möglicherweise einige Jahre früher

 

Ehemaliger Standort: [1]

Bereich zwischen den Nummern 5 und 6 der heutigen Windmühlgasse, südwestl. Teil davon

 

 

Der Bildausschnitt darunter stammt aus Hoffelners Aquarell / Exemplar B. 

 

 

Abb. 41. Franz Hoffelner, „Alte Windmühlgasse“, Exemplar B.

Bildausschnitt Windmühlgasse 13 („Bäckenhäusel“) und Windmühlgasse 15 („Zum grünen Tor“)

Aus dem Bestand des Bezirksmuseums Mariahilf. Foto: Autor (2018)

 

Auf diesem Bild wird deutlich, dass es im früheren Verlauf der Windmühlgasse, von der Mariahilferstraße kommend, beim Bäckenhäusel einen Knick nach rechts gab.

 

Auf dem Generalstadtplan 1904 ist das Bäckenhäusel (Windmühlgasse Nr. 13 / rotes Kreuz) noch eingezeichnet – als Relikt in einem ansonsten leeren Areal, der u.a. für die Versetzung der Laimgrubenkirche von der Mariahilferstr. in diesen Bereich vorbereitet wurde.

Das blaue Kreuz an der Stelle des früheren Nachbarhauses Nr. 11 (heute Bereich der Windmühlgasse) und das grüne Kreuz an der Stelle des früheren Hauses Nr. 15 (heute Bereich der Capistrangasse bzw. der Capistranstiege) zeigen, dass in diesen Bereichen bereits Platz für neue Gassen geschaffen wurde.

 

 

Abb. 42. Generalstadtplan 1904 – Bereich um das Bäckenhäusel

online: www.wien.gv.at / Stadtplan / Kulturgut / Historische Stadtpläne / Generalstadtplan 1904

 

Windmühlgasse 13 (Bäckenhäusel) hat, wie Foto und Kartenausschnitt beweisen, noch einige Jahre länger bestanden.

  • Im Kataster von Lenobel von 1905 werden als Besitzer des einstöckigen Gebäudes mit drei Wohnungen (EZ  1103) Moritz Körner und Hermine Karl angegeben. [2]
  • Im Jahr 1907 wurde lt. Amtsblatt der Stadt Wien / S. 1954 vom Stadtrat ein Verkaufsangebot von Josef und Moritz Körner (EZ 1103, 272 m2, 120000 K) abgelehnt. [3]
  • Das ebenfalls im Jahr 1907 entstandene Foto von August Stauda bietet vor allem drei Erkenntnisse:

         1) Das Haus stand 1907 noch immer.

        2) Es war in einem desolaten Zustand (z.B. zerbrochene Fensterscheiben); man rechnete offenbar mit 

              dem baldigen Abbruch.
        3) Es gibt einen sehr klaren Hinweis auf den Standort des Bäckenhäusels: Im Hintergrund sieht man

              den Risalit des wenige Jahre vorher erbauten und heute noch bestehenden Gebäudes Ecke

              Capistrangasse 1 / Windmühlgasse 7.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 43. „Wien 6, Windmühlgasse 13.

Stockwerksaufnahme gegen den Straßentrakt.

Autor: August Stauda, Glasplatte, 1907; Inv.-Nr. ST 2615F / Österreichische Nationalbibliothek

http://www.bildarchivaustria.at/Preview/1910801.jpg

(Zugriff: 28.6.2018)

 

 

Ein weiteres Foto des "Bäckenhäusl" kurz vor dem Abriss:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 44. Eckhaus Capistrang. 1 – Windmühlg. 7 / Foto: Autor (2018)

Standort des Fotografen: auf dem Gehsteig vor dem Haus Capistrang. 4, nur wenige Meter von der Kreuzung mit der Windmühlgasse entfernt. Es handelt sich eindeutig um jenes Gebäude, das im Hintergrund von Abb. 43 zu sehen ist.


 

Abb. 45. Das alte Bäckerhäusel Windmühlgasse 13 kurz vor dem Abriss.

Foto aus dem Besitz der Nachfahren der Familie Endriss,

fotografiert im September 2018 vom Autor

 

Beschreibung:

  

Die Schäden an der Fassade des Hauses sind unübersehbar. Das Geschäft (die Bäckerei) gibt es nicht mehr. Das Geschäftsschild fehlt. Der Eingang zum Bäckerladen ist verschlossen. Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass das Foto – zu schließen aus der Kleidung der Jugendlichen – wohl an einem Sonntag aufgenommen wurde. Vor dem Fahrrad wächst vielleicht schon das Unkraut auf dem Gehsteig.

 

Das Haus ist allerdings noch bewohnt: Die Fenster im 1. Stock sind geöffnet. Im Fenster über der Hausnummer dürfte ein Blumenstock stehen. Die Dekoration des ebenerdigen Fensters (man glaubt drei Kipferln zu erkennen) ist wohl eine wehmütige Reminiszenz an bessere Zeiten.

 

Gustav Andreas Ressel schreibt über den Abriss – gewissermaßen als Zeitzeuge – im Jahr 1916: [4]

 

„Im Jahre 1910 wurde das Haus abgetragen. Die eine Hälfte des Grundes, auf dem es gestanden, wurde in den Straßengrund einbezogen, auf der anderen steht ein Teil des jetzigen Eckhauses Windmühlgasse Nr. 5 – Kapistrangasse Nr. 4.“

  

Das Haus Windmühlgasse 5 / Capistrang. 4 wurde lt. Gebäudeinformationen von www.wien.gv.at im Jahr 1910 vom Architekten Carl Steinhofer erbaut. [5]

 

Die heutige Windmühlg. 5 = Capistrang. 4 hat laut Flächenwidmung die EZ 1010 und die Grundstücksnummer 137/1. 

 

 

Windmühlgasse 15 (ehemals „Zum grünen Tor“) muss jedenfalls vor 1904 abgerissen worden sein (vgl. Abb 23). Das Gebäude mit der Bezeichnung „Zum grünen Tor“ wurde allerdings durch kein neues Haus ersetzt. Der freie Platz wurde einerseits für eine Verlängerung jener Gasse verwendet, die zur Mariahilfer Straße führt (heute Capistrangasse), andererseits für die Stiege (heute: Capistran-Stiege), die direkt zur tiefer liegenden heutigen Fillgradergasse führt.

 

-------------------------------------------------------

 

[1] s. Messner 1982 (s. Quellenverzeichnis)

[2] HV 1905 (Kataster Lenobel) 

Häuser-Kataster der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien : verfasst auf Grund des vom k. k. Oesterr. Finanz-Ministerium und der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellten Quellenmaterials / Hrsg.: Josef Lenobel. Wien 1905;

[3] Amtsblatt der Stadt Wien, Jahrgang 1907 

     Verkaufsangebot S. 1954

[4] Ressel 1916,

Gustav Andreas Ressel, Das Winkelbäckerische Haus auf der Windmühle. Ein Beitrag zur Wiener Häuser- und Handwerksgeschichte, in: Monatsblatt des Altertums-Vereines zu Wien, XI. Bd., Nr. 12 / Dezember, 33. Jg. 1916, S. 282 ff. 

[5] Siehe www.wien.gv.at / Stadtplan / Kulturgut / Architektur / Allgemein / Detailinformation