6. TYPISCHES  BEISPIEL  EINER  GRUNDBUCH-EINTRAGUNG

 

In diesem Kapitel soll gezeigt werden, wie die Eintragungen, betreffend „Kauf und Verkauf“, oft aufgebaut sind, welche Inhalte zu erwarten sind.  bzw. wie umfangreich sie sind (im vorliegenden Fall mehr als 6 Seiten).

 

Es soll allerdings nur der Titel und der allererste Abschnitt wörtlich wiedergegeben werden, die weiteren Vertragspunkte werden zusammengefasst bzw. grundsätzlich erklärt.

 

Ausgewähltes Beispiel:

 

Kaufvertrag zwischen Caspar Obitz als Käufer und Tobias Obitz als Verkäufer am 30. Jänner 1727

 

Landesarchiv Troppau / Opava: Grundbuch Wockendorf (1659-1782), Inventarnr. 176, Signatur A 6-75, Seite 65, Bild 140

http://digi.archives.cz/da/permalink?xid=6345ecfca9fe40a59b2b206199251cbf&scan=140

 

 

GLIEDERUNG DES VERTRAGES:

 

 

 1) Überschrift:

 

 

Abb. 1: Überschrift des Vertrages zwischen Caspar Obitz und Tobias Obitz

GB 2, Wockendorf, Inventarnr. 176, Signatur A 6-75, Seite 65, Bild 140

 

Transkription:

 

Caspar obitzens Kauff, umb seines Vatters Thobias obitzens Fuß Roboth Güttel

 

Erklärung:

Caspar Obitz kauft von seinem Vater Thobias Obitz ein kleines Fußrobotgut

 

Es gab die Zugrobot, die normalerweise von Ganzlehnern mit dem Zug von vier Pferden oder Ochsen, von Halblehnern jedoch mit dem Zug von 2 Pferden oder Ochsen geleistet werden musste.

Es gab aber auch die Hand- und Fußrobot, zu der die Viertellehner, Hofstätter, Kleinhäusler usw. sowie die Inleute verpflichtet waren.[1]

 

 

 

2) Die wesentlichsten Bestimmungen des Vertrages in Kurzform:

 

 

Abb. 2: Erster Abschnitt des Vertrages zwischen Caspar Obitz und Tobias Obitz

GB 2, Wockendorf, Inventarnr. 176, Signatur A 6-75, Seite 65, Bild 140

 

Transkription:

 

Anno 1727. den 30ten Jan. Ist biß auf Consens und fernere Zulassung der gnädigen Herrschaft und obrigkeit hernach folgender Kauf abgeredet und beschlossen worden. 

Nemb(lich)

Eß verkauft Thobias obitz zu Wockendorf sein Hauß und Hof sambt einem im Hof stehenden wohn Häußel sambt allen waß darinnen Erdt-, wiedt-, Leimb- und Nagelfest mit allen den darzu gehörigen äckern und wießen gelegen in Rein und Kräntzen zwischen Christoph Kraußen, und Heinrich Ludtwigen seinem Sohn Caspar obitz alda in der Kauf Summa pr(o) 72. Th(a)ler schlesisch und solle Käufer zum angeldt erlegen 22 Th. alß bey zulassung des Kaufs 16. und im Jahr und Tag wiederumben 6 Th damit das angeldt seine Richtigkeit haben solle, mit denen Jahr undt nach gulden aber solle Käufer zu faßnacht Anno 1729 anfangen und 16. Jahr dießen Ter(min) mit 3. daß 17te Jahr aber mit 2 Th. Continuiren.

 

Erklärung:

 

Angabe von Vertragsdatum, Vertragspartnern, Vertragsgegenstand, Lage (Angabe der Nachbarn, vorhandene Abgrenzung –  „in Rain und Grenzen“), Kaufsumme, Anzahlung und von weiteren Zahlungsmodalitäten

 

Die Formulierung Erdt-, wiedt-, Leimb- und Nagelfest soll sicherstellen, dass keine Teile des Hauses / der Hütte, die damit fest verbunden sind, von der Behausung entfernt werden. 

 

wid-/wied-/widtfest bedeutet: „(mit Schnüren) verbunden“ [2]

 

3) Inventar des Hauses:

 

a) Es folgt eine Reihe von Gegenständen, die also im Haus bleiben müssen, die für die damaligen Menschen eine wichtige Grundausstattung darstellten, z.B. ein Tisch, Ofengabeln, verschiedene Werkzeuge, Arbeitsgeräte, z. B. Egge mit eisernen Zinken, ein eiserner Topf, Kummet, Deichselkette. Manche tragen schlesische Bezeichnungen, die nicht leicht zu entschlüsseln sind.

 

b) Danach werden die Tierbestände genannt, hier z. B. 1 Kuh und 2 Hühner, und Vereinbarungen über Korn, Heu und Stroh getroffen.

Außerdem gibt es Sondervereinbarungen bezüglich der Mitgift für die Schwester (sie soll einmal eine andere Kuh erhalten als die jetzt vorhandene) und des Inventars (der Käufer hat ein Vorkaufsrecht für einen Ofentopf aus dem Ausnahmhäusel).

 

4) Versorgung der Ausgedinger bzw. Ausnahm-Vereinbarungen:

 

a) zu Lebzeiten des Verkäufers:

 

Genaue Festlegung des Wohnortes im Ausgedinge (hier: eigenes Ausgedingehäusel), Anspruch auf bestimmte Acker- und Gartenflächen bzw. Anteile davon, z. B. bestimmte Beete, aber auch auf bestimmte Obstbäume, Regelung über Haltung von Tieren (z. B. Kühen) des Verkäufers bzw. über die Düngung der Felder

 

b) Versorgung der Witwe des Verkäufers im Fall seines früheren Todes

 

5) Finanzielle Belastungen des Grundes:

 

a) Auflistung der Schulden, die auf diesem Grund lasten; in diesem Fall: 15 Taler

 

b) Finanzielle Verpflichtungen gegenüber bestimmten Familienmitgliedern des Verkäufers (z. B. je 2 Taler als Mutterteil für die Kinder aus früheren Ehen des Verkäufers); in diesem Fall: 31 Taler

 

6) Genehmigung und Ratifizierung:

 

Bestätigung, dass der Vertrag von der Obrigkeit genehmigt und ratifiziert wurde.

 

7) Zahlungen:

 

Es werden verschiedene Termine angeführt, an denen der Käufer die vereinbarten Zahlungen geleistet hat. Jedenfalls wird am 11. März 1754 vermerkt, dass der Käufer die volle Kaufsumme bezahlt hat.

 

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[1] Vgl. dazu

Johann Ludwig Ehrenreich von Barth-Barthenheim, Das Ganze der österreichischen politischen Administration: mit vorzüglicher Rücksicht auf das Erzherzogthum Oesterreich unter der Enns : in systematisch geordneten Abhandlungen. (= Die politischen Rechtsverhältnisse der österreichischen Staatsbewohner, Band 1), Verlag Mösle und Braumüller, 1838, S. 598ff

https://books.google.at/books?id=VH8AAAAAcAAJ&pg=PA601&lpg=PA601&dq=Fu%C3%9Frobot&source=bl&ots=oKEqdnflf5&sig=Zcn8LoZgw_zJhlXLuIzf9YhiW5w&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjQkuPQ16vbAhVQDuwKHWhPB28Q6AEIPDAI#v=onepage&q=Fu%C3%9Frobot&f=false

 

[2] Vgl. dazu

 

Reinhard Riepl, Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Bayern und Österreich, 3. Auflage, 2009,

S. 442,443