Kapitel 9. Zusammenfassung

 

Ausgangspunkt für diese Untersuchung war die Trauungseintragung von Arthur von Suttner und von Bertha von Kinsky. Aber es zeigte sich bald, dass eine detaillierte Analyse nicht ausreichte, sondern dass eine umfassendere Beschäftigung mit den Wohnadressen notwendig war, um Einblicke in einzelne Stationen in Bertha von Suttners Leben zu erhalten.  

Es erschien allerdings auch sinnvoll, die Detailerkenntnisse in größeren biografischen Zusammenhängen darzustellen.

 

Es konnten manche bisher kaum oder gar nicht bekannte Erkenntnisse bezüglich verschiedener Wohnadressen herausgearbeitet werden:

·        bezüglich der Geburtsadresse Bertha von Kinskys in Prag,

·        es stellte sich heraus, dass das riesige Palais Suttner in der Canovagasse nur kurz im Besitz der Familie war und dass nicht nur Arthur, sondern auch seine Eltern enorme finanzielle Probleme hatten.

·        Es wurde versucht, den 8-tägigen Paris-Aufenthalt und die Beziehung zu Alfred Nobel zu beleuchten.

 

Bei manchen Standorten bot sich ein Rückblick an:

·        bezüglich des alten Palais Suttner am Alten Fleischmarkt (Arthurs Geburtsadresse),

·        Zedlitzgasse 7 (Wohn- und Sterbeadresse Bertha von Suttners) – Vorgängerbau an der Stadtmauer

 

Bei anderen Adressen war es dem Autor ein Anliegen, darauf hinzuweisen, welche Ereignisse sich später dort oder direkt daneben abspielten:

 

·        Hotel Metropole (später Gestapo-Leitstelle),

·  Nachbarschaft von Heugasse 20 zum Palais Albert Rothschild (später „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“)

 

Zur angeblichen Wohnadresse der Braut Webgasse Nr. 7:

Es ist Arthur gelungen, den Pfarrer, P. Odilo Kopp zur Eintragung dieser Adresse zu veranlassen, sodass die Voraussetzungen für die Abhaltung der Trauung in dieser Pfarre gegeben waren. Darüber, wie er das bewerkstelligt hat, kann man nur Vermutungen anstellen. Ob ein rechtmäßiges Wohnungszeugnis vorlag, kann nicht gesagt werden. Aber verschiedene Indizien (u. a. Verwechslung von Gumpendorf und Gumpoldskirchen) deuten darauf hin, dass sich Bertha von Kinsky, wie sie selbst angibt, zwischen Rückkehr aus Paris und Hochzeit in Lundenburg versteckt hat und niemals in der Webgasse 7 gewohnt hat.

 

Eine große Herausforderung stellte der Mangel an neutralen Quellen dar. Bertha von Suttner hat manche Ereignisse sehr detailliert wiedergegeben, verschiedene Zeiträume werden dagegen nur sehr ungenau beschrieben – möglicherweise hat sie aus persönlichen Gründen eine gewisse Auswahl getroffen. Besonders in den Monaten um die heimliche Trauung bleibt vieles im Dunklen: Der Zeitpunkt ihrer Paris-Reise, um die Stelle bei Alfred Nobel anzutreten, wird nicht genannt. Ihr genauer Aufenthaltsort in Lundenburg konnte nicht eruiert werde.

 

Dass Bertha von Suttner 1905 den Friedensnobelpreis erhielt, wissen viele Menschen, dass es Alfred Nobel 30 Jahre davor als möglich erachtete, dass er nicht nur eine Sekretärin und eine Oberaufsicht des Haushalts, sondern eine Lebenspartnerin gefunden hatte, ist wohl nur wenigen bekannt. Und dass der Friedensnobelpreis vom Erfinder des Dynamits gestiftet wurde, ist vielleicht auch nicht allen bewusst.

 

Ob Berthas Ehe mit Arthur bis zum Schluss so harmonisch verlief, wie sie manchmal vorgab, ist zu bezweifeln. Aber diesbezüglich hat sie sich öffentlich bzw. in den Memoiren kaum geäußert, am ehesten noch in den Tagebüchern. [130]

 

Es war zwar nicht möglich, im Rahmen dieses Artikels ein Persönlichkeitsprofil von Bertha von Suttner zu erarbeiten, es gibt allerdings einige Charakterzüge, die in den biografischen Sequenzen offenbar werden. Dazu gehört ihr unbedingter Wille, ihr Verhalten immer als vorbildlich darzustellen bzw. manche unrühmlichen Begebenheiten sowie alle Äußerungen, die der Friedensbewegung schaden konnten, zu verschweigen bzw. zu verniedlichen. Manche Aufzeichnungen wurden von ihr so negativ gesehen, dass sie sie verbrannte. [131] In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass sie Briefe, Bücher und Autogramme ihrem treuen Mitstreiter Alfred Hermann Fried überließ, da er wüsste, wie „dieses Material zu gebrauchen“ sei. [132]

Für die Durchsetzung ihrer Ziele nahm sie manche Demütigungen auf sich, und ihre Hartnäckigkeit, um ihre Ziele zu erreichen, wirkte manchmal schon penetrant und peinlich. [133]

Ihre Spontaneität kann positiv, aber auch negativ gesehen werden. Sie ließ sich von ihren Emotionen verleiten, sehr rasche Entschlüsse zu treffen: überstürzte Rückkehr aus Paris nach Wien, Hochzeitspläne, unüberlegter Kauf eines Hauses in der Südsteiermark im Sterbejahr 1914. [134]

 

Aber „Menschlich-Allzumenschliches“ (Titel des 9. Kapitels in Hamanns Biografie) hinderte sie nicht daran, bis an ihr Lebensende Großes zu leisten: für den Frieden, für die Frauenbewegung, gegen den Antisemitismus.

 

 

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[130] Kapitel 9. Zusammenfassung – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 191

[131] Kapitel 9. Zusammenfassung – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 196

[132] Kapitel 9. Zusammenfassung – Wien Geschichte Wiki: Bertha von Suttner

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Bertha_von_Suttner (Zugriff: 27.08.2019)

[133] Kapitel 9. Zusammenfassung – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 120 

[134] Kapitel 9. Zusammenfassung – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 305