Kapitel 8. Kurze Anmerkungen zum Leben nach der Hochzeit

 

Nach der Hochzeit konnte bzw. wollte das frisch getraute Paar nicht in Wien bleiben:

 

1) Sie waren im Streit mit den Eltern und wollten sich selbst durchs Leben schlagen.

 

2) Es gab finanzielle Forderungen an Arthur von Suttner, die dieser nicht begleichen konnte.

Beispiele:

 

.) „Erinnerung“ vom 30. August 1876 in der Wiener Zeitung vom 8. September 1876, an Arthur Baron Suttner gerichtet [119]

.) „Erinnerung“ vom 29. November 1876 in der Wiener Zeitung vom 5. Dezember 1876, an Arthur Baron Suttner und Sofie Gräfin Kinsky gerichtet [120]

.) „Erinnerung“ vom 29. April 1878 in der Wiener Zeitung vom 10. Mai 1878, an Arthur Freiherrn v. Suttner, zuletzt wohnhaft in Wien III., Rennweg 20, gerichtet [121]

 

3) Arthur, der keinen Beruf erlernt hatte, erhoffte sich eine hohe Stellung am Zarenhof.

 

Neun Jahre verbrachten sie in Georgien bei der Fürstin von Mingrelien, die Bertha 1864 bei einem Aufenthalt in Homburg vor der Höhe (einer Stätte des Glücksspiels, dem Berthas Mutter, Sophie von Kinsky, verfallen war) kennengelernt hatte. [122]

Das Verhältnis zu den Eltern besserte sich zwar im Lauf der Jahre, aber einerseits konnten sie, weil sie selbst in großen finanziellen Schwierigkeiten steckten, dem jungen Ehepaar nicht helfen, und andererseits wäre dieses auch zu stolz gewesen, zu diesem Zeitpunkt heimzukehren. [123]

Bertha gab Musik- und Französischstunden, Arthur erteilte Deutschunterricht. Später betätigten sich beide schriftstellerisch, z. T. in verschiedenen Zeitschriften, z. T. mit eigenen Büchern.

Nach dem Tod der Gönnerin Ekaterina im Jahr 1882 zog man nach Tiflis. [124]

Anfang der 80er Jahre verlegte sich Bertha in der Schriftstellerei von seichten Liebesgeschichten auf anspruchsvollere Romane. [125]

 

Nach neun Jahren im Kaukasus entschlossen sie sich, infolge der antiösterreichischen Stimmung, infolge der katastrophalen finanziellen Situation, vor allem aber aufgrund ihres Heimwehs, als anerkannte Schriftsteller nach Österreich zurückzukehren. [126]

 

Ab 1885 lebten sie auf Schloss Harmannsdorf – gemeinsam mit Arthurs Eltern und zwei unverheirateten Schwestern. In der Harmannsdorfer Zeit erschien 1889 ihr bekanntester Roman „Die Waffen nieder“. In den Jahren bis zu Arthurs Tod (1902) widmete sie sich Friedensaktivitäten, u.a. der Gründung der „Österreichischen Friedensbewegung“ (1891). [127]

Eine Woche nach Arthurs Tod musste die Familie das Schloss Harmannsdorf verlassen – es wurde versteigert. [128]

 

Nach einer Übergangswohnung in Wien IV, Heugasse 20 bezog Bertha von Suttner im Jahr 1903 die Wohnung in Wien I, Zedlitzg. 7.

→ siehe Kapitel 4.8. Heugasse 20

→ siehe Kapitel 4.9.Zedlitzgasse 7

 

1905 erhielt sie als erste Frau den von Alfred Nobel gestifteten Friedensnobelpreis.

Bis zu ihrem Tod im Jahr 1914 setzte sie sich für ihre Ziele ein: Frieden, Kampf gegen den Antisemitismus, Kampf für die Gleichberechtigung der Frau.

 

 

Abb. 40. Bertha von Suttner, Gedenktafel im Haus Zedlitzg. 7 zur 100-Jahr-Feier anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises

Foto: Günter Oppitz (1.2.2019)

 

--------------------------------------------------------------

 

[119] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – ÖNB-ANNO, Wiener Zeitung vom 8. September 1876, S. 20

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18760908&query=%22Suttner+Arthur%22~4&ref=anno-search&seite=20

(Zugriff: 25.08.2019)

[120] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – ÖNB-ANNO, Wiener Zeitung vom 5. Dezember 1876, S. 28

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18761205&query=%22Suttner+Arthur%22~4&ref=anno-search&seite=28

(Zugriff: 25.08.2019)

[121] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – ÖNB-ANNO, Wiener Zeitung vom 10. Mai 1878, S. 26

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18780510&query=%22Suttner+Arthur%22~4&ref=anno-search&seite=26

(Zugriff: 25.08.2019)

[122] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 23 f.

[123] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 51

[124] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 61

[125] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 62

[126] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 67

[127] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 71ff.

[128] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 199ff.

[129] Kapitel 8. Das Leben nach der Hochzeit – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 237ff.