6. Kurzer Aufenthalt bei Alfred Nobel in Paris und heimliche Rückkehr nach Wien

→ siehe Kapitel 4.5. Grand Hotel in Paris

 

.) Erste Begegnung von Bertha von Kinsky und Alfred Nobel in Paris

 

Arthurs Mutter machte Bertha nach der Lösung des Dienstverhältnisses immerhin auf eine Zeitungsannonce aufmerksam, die Bertha von Kinsky entgegen den gesellschaftlichen Regeln selbst beantwortete. Sie selbst stellte – auch durch einen nachfolgenden Briefwechsel, der leider nicht erhalten ist – den Kontakt zu jenem Herrn her, der eine Dame „als Sekretärin und zur Oberaufsicht des Haushalts“ suchte. Es handelte sich um Alfred Nobel, den Erfinder des Dynamits und späteren Stifter des Nobelpreises. [97]

 

Schließlich reiste Bertha nach einem tränenreichen Abschied von Arthur nach Paris.

Nobel holte sie vom Bahnhof ab, brachte sie in ihr Hotel (ihre Räume in Nobels Palais waren noch nicht fertig) und führte täglich stundenlange Gespräche mit ihr. [98]

 

Nach acht Tagen musste er plötzlich verreisen. Während seiner Abwesenheit erfuhr Bertha, dass Arthur wegen der Trennung völlig verzweifelt war, und da auch sie sich heftig nach dem Geliebten sehnte, hinterließ sie Nobel eine kurze Abschiedsmitteilung, verkaufte ein Diamantkreuz aus dem Erbe von Landgraf Friedrich von Fürstenberg, bezahlte mit dem Erlös die Hotelrechnung und fuhr mit dem nächsten Zug nach Wien.

 

Dass Bertha „nicht freien Herzens“ war, hatte Nobel zwar gewusst. Aber er hatte darauf gehofft, dass Bertha seinen Rat befolgen und den Kontakt mit Arthur abbrechen würde. [99]

 

.) Weitere Kontakte zwischen Alfred Nobel und Bertha von Suttner

 

Die kurze Romanze in Paris wurde für Alfred Nobel zu einer großen Enttäuschung. Aber diese hinderte ihn nicht, in den folgenden Jahrzehnten Bertha von Suttner in ihren Friedensbestrebungen äußerst großzügig zu unterstützen und in ihren Zielen zu bestärken. [100]

Zwei persönliche Treffen sollen herausgehoben werden:

1886 oder 1887 besuchte das Ehepaar Suttner Alfred Nobel während eines mehrwöchigen Paris-Aufenthalts in der Rue Malakoff. [101a]

1892 traf sich Nobel mit dem Ehepaar Suttner anlässlich eines Kongresses in Bern. Nobel spendete großzügig, wurde dadurch Mitglied der „Österreichischen Friedensgesellschaft“, äußerte sich skeptisch über die Friedensbewegung und wies Vorwürfe wegen der Dynamitproduktion zurück. [101b]

 

.) Der Nobelpreis

 

Aber die Beziehung zwischen Bertha von Suttner und Alfred Nobel reichte über seinen Tod hinaus.

Nobel starb im Jahr 1896 unverheiratet und kinderlos. Er hatte veranlasst, dass nach seinem Tod 94% seines Gesamtvermögens einer Stiftung zugeführt wurden. Die jährlichen Zinsen sollten als Preise in fünf Gebieten vergeben werden: Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden. Zum ersten Mal wurden diese Auszeichnungen und finanziellen Zuwendungen im Jahr 1901 verliehen, im Jahr 1905 erhielt Bertha von Suttner als erste Frau den Friedensnobelpreis. [102]

 

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[97] Kapitel 6. Bei Alfred Nobel in Paris – Bertha von Suttner, Memoiren 1909, S. 131 f.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=665&teil=0403&seite=00000131&zoom=2 (Zugriff: 24.08.2019)

[98] Kapitel 6. Bei Alfred Nobel in Paris – Bertha von Suttner, Memoiren 1909, S. 131 f.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=665&teil=0403&seite=00000132&zoom=2 (Zugriff: 24.08.2019)

[99] Kapitel 6. Bei Alfred Nobel in Paris – Bertha von Suttner, Memoiren 1909, S. 134 f.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=665&teil=0403&seite=00000134&zoom=2 (Zugriff: 24.08.2019)

[100] Kapitel 6. Bei Alfred Nobel in Paris – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 44, 95, 106, 113, 116, 186.

[101] Kapitel 6. Bei Alfred Nobel in Paris – Bertha von Suttner, Memoiren 1909, S. 171.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=665&teil=0403&seite=00000171&zoom=2 (Zugriff: 24.08.2019)

[102] Kapitel 6. Bei Alfred Nobel in Paris – Wikipedia: Alfred Nobel

https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Nobel (Zugriff: 24.08.2019)