Kapitel 5. Als adelige Gouvernante bei den Töchtern des Freiherrn Karl von Suttner

 

Dass Bertha von Kinsky eine gute Ausbildung erhielt, verdankte sie vor allem ihrem Vormund, Landgraf Friedrich Fürstenberg. Er, der möglicherweise in die Witwe Sophie von Kinsky, Berthas Mutter, verliebt war, ermöglichte seinem Mündel in Brünn eine grundlegende Ausbildung in mehreren Sprachen und in Musik. [93]

Vor allem als Sängerin hatte Bertha große Ziele, die sich allerdings bald als unerreichbar herausstellten. 1866 starb der Vormund und hinterließ Bertha und ihrer Mutter ein beträchtliches Vermögen, das Sophie von Kinsky jedoch bald verspielte.

Eine längere Beziehung zwischen Bertha und einer adeligen, begüterten Persönlichkeit ergab sich nicht. Die Hindernisse dafür, die Bertha in den Memoiren angab:

1) Wegen der Herkunft der Mutter (nur niederer Adel) wurden Bertha und ihre Mutter vom Hochadel gemieden.

→ vgl. Kapitel 3.2. Familie der Braut

2) Die Spielsucht von Berthas Mutter war allgemein bekannt.

3) Manchmal wurden Berthas Vorstellungen bezüglich der Männer nicht erfüllt, sodass die Beziehungen schon bald wieder zu Ende waren. [94]

 

1873, als das ererbte Vermögen der Mutter und die Erbschaft von Landgraf Friedrich von Fürstenberg aufgebraucht waren, entschloss sich Bertha von Kinsky, selbst ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie nahm eine Stelle als Gouvernante und Gesellschafterin für die 4 Töchter des Freiherrn Karl von Suttner an. Ihre Voraussetzungen dafür: großes Wissen durch ständige Lektüre, Beherrschung von drei Fremdsprachen und beachtliche Fähigkeiten im Klavierspiel und im Gesang. [95]

 

Aufenthaltsorte in den etwas mehr als zwei Jahren im Dienst der Familie Suttner: das Palais in der Canovag. 7 und Schloss Harmannsdorf in Niederösterreich

→ vgl. Kapitel 4.3. Palais Suttner in der Canovagasse

→ vgl. Kapitel 4.4. Schloss Harmannsdorf

 

Doch in der Familie Suttner gab es auch drei Söhne. Bertha verliebte sich in den um sieben Jahre jüngeren Arthur, und als dessen Mutter von der Beziehung erfuhr, bot Bertha freiwillig an, das Haus zu verlassen, da mit einer Heiratseinwilligung nicht zu rechnen war. [96]

 

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[93] Kapitel 5. Als adelige Gouvernante – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 15.

[94] Kapitel 5. Als adelige Gouvernante – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 25.

[95] Kapitel 5. Als adelige Gouvernante – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 31.

[96] Kapitel 5. Als adelige Gouvernante – Hamann, Bertha von Suttner 2016, S. 35.