Kapitel 4.8. Übergangswohnung Heugasse 20

 

Brigitte Hamann schreibt über die Zeit nach Arthurs Tod im Jahr 1902: „Bertha bezog notdürftig eine kleine Wohnung in der Heugasse 20 in Wien.“ [79]

Die damalige Heugasse ist heute die Prinz-Eugen-Straße. Die Umbenennung von Heugasse in Prinz-Eugen-Straße erfolgte erst 1911. [80] Heugasse 20 befand sich am heutigen Standort Prinz-Eugen-Straße 18.

 

Abb. 32a. Wien 4., Prinz-Eugen-Straße 18 (früher: Heugasse 20) – Foto: Günter Oppitz (26. August 2019)

 

Das Palais Albert Rothschild samt dem seitlich Richtung Innenstadt abschließenden Gebäude hatte 1905 die Adresse Heugasse 22 – 24 [81a], heute wäre das der Standort Prinz-Eugen-Straße 20-22. [81b] Bei Heugasse 20 es sich also um das Nachbarhaus des Palais Albert Rothschild.

 

Abb. 32b. Palais Albert Rothschild; 1904: Heugasse 24 (nicht 26!); Von unbekannter Fotograf - Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts –

Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung (2. Band), herausgegeben vom Österreichischen Architekten-Verein,

Verlag von Gerlach & Wiedling, Wien, 1906, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4477666 (Zugriff: 27.08.2019)

 

 

Es dürfte allerdings keine engeren Kontakte Bertha von Suttners zur Familie Rothschild gegeben haben. Am 22.2.1903 schreibt sie – in der Hoffnung auf eine großzügige Spende für die Friedensbewegung – bei ihrem Aufenthalt in Monaco in ihr Tagebuch:

„Am 28. wird Rothschild erwartet, derselbe, den ich vor vierzig Jahren in Homburg kannte. Das ist interessant. Werde ihn utilisieren.“ Nach der Schilderung Brigitte Hamanns fiel die Spende für die Friedensbewegung allerdings ziemlich bescheiden aus. [82]

 

Im imposanten Palais Rothschild wurde 1938 die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ eingerichtet, eine Organisation, die von Adolf Eichmann zur Vertreibung und Deportation  der jüdischen Bevölkerung ins Leben gerufen wurde. Nach dem Krieg überließ Louis Rothschild das Palais der Republik Österreich, und 1955 wurde es schließlich abgerissen. Heute befindet sich hier die Zentrale der Arbeiterkammer. [83]

 

Das Nachbarhaus, das 1883 vom Architekten Alois Maria Wurm-Arnkreuz erbaut wurde und in dem Bertha von Suttner einige Monate gewohnt haben soll, steht dagegen noch heute. Dehio fasst drei Gebäude zu Nr. 14 – 18 zusammen und bezeichnet sie als „großen, aus drei Einzelhäusern bestehenden späthistorischen Mietshausblock“. [84]

 

Abb. 32c. Wien 4., Prinz-Eugen-Straße 14-18 (früher: Heugasse 18, 18a, 20) – Foto: Günter Oppitz (26. August 2019)

 

Bei den Gebäudeinformationen des Stadtplans von Wien wird als Hausname für Prinz-Eugen-Straße 14, 16 und 18 „ehemaliges Schwarzenbergisches Zinshaus“ angegeben. [85] Im Häuserkataster von Schlesinger von 1885 ist tatsächlich Fürst Johann Adolf Schwarzenberg als Besitzer von Heugasse 20 verzeichnet. [86] Im Jahr 1905 wird Adolf Josef Fürst von Schwarzenberg auch bei zwei Nachbarhäusern als Eigentümer genannt. [87]

 

Abb. 32d. Prinz-Eugen-Straße 18, ein „ehem. Schwarzenberg’sches Zinshaus“, heute Botschaft von Paraguay – Eingangsbereich;

Foto: Günter Oppitz (26. August 2019)

 

Über dem Eingang von Prinz-Eugen-Straße 18, früher Heugasse 20, prangt das Wappen der Familie Schwarzenberg:

 

Abb. 32e. Wappen der Familie Schwarzenberg über dem Eingangstor von Prinz-Eugen-Straße 18. Foto: Günter Oppitz (26.08.2019)

  

Bei diesem Haus wirkt auch der Gangbereich der 2. Stiege sehr nobel. Wie groß die Wohnungen waren, lässt sich allerdings nicht sagen.

 

Abb. 32f. Prinz-Eugen-Straße 18, 2. Stiege / Gangbereich – Foto: Günter Oppitz (26. August 2019)

  

In diesem Zusammenhang soll auf die sehr interessante und informative Website „ALBERT MILDE, kaiserlicher und königlicher Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien“ verwiesen werden, die von seinem Urenkel erstellt wurde. Darin wird über Leben und Wirken jenes Handwerkers und Künstlers informiert, der u.a. auch die Fürstlich Schwarzenberg’sche Häusergruppe (damals Heugasse 18, 18a und 20) mit Schmiedearbeiten ausstattete. [88] Ein Blick von der Hauseinfahrt durch die Glasscheiben auf das Stiegenhaus lässt die Kunstfertigkeit des Albert Milde erahnen.

 

Abb. 32g. Prinz-Eugen-Straße 18, 1. Stiege / Aufgang – Foto: Günter Oppitz (26. August 2019)

 

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[79] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – Brigitte Hamann, Bertha von Suttner. Kämpferin für den Frieden, Wien, Christian Brandstätter Verlag 2. Auflage 2016, Kapitel 9 („Menschlich-Allzumenschliches“), S. 199

[80] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – Wikipedia: Liste der der Straßennamen von Wien / Wieden

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stra%C3%9Fennamen_von_Wien/Wieden (Zugriff: 23.08.2019)

[81] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – Vgl. https://www.wien.gv.at/kulturportal/public/ → Eingabe von Prinz-Eugen-Straße 18 → Historische Stadtpläne → Generalstadtplan 1904 (Überblendung mit dem aktuellen Stadtplan)

[82] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – Brigitte Hamann, Bertha von Suttner. Kämpferin für den Frieden, Wien, Christian Brandstätter Verlag 2. Auflage 2016, Kapitel 9 („Menschlich-Allzumenschliches“), S. 205

[83] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – Wien Geschichte Wiki: Rothschildpalais (4, Prinz-Eugen-Straße 20-22)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rothschildpalais_(4,_Prinz-Eugen-Stra%C3%9Fe_20-22) (Zugriff: 23.08.2019) 

[84] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – Kapitel 4.8. Heugasse 20 – DEHIO-HANDBUCH WIEN, II. bis IX. und XX. Bezirk. 2., unveränderte Auflage, Verlag Berger, Horn/Wien 2014, S. 187

[85] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – https://www.wien.gv.at/kulturportal/public/ → Eingabe von Prinz-Eugen-Straße 18 → Architektur → Gebäudeinformationen → Allgemein → roten Punkt bei „Prinz-Eugen-Straße 18“ anklicken → „Detailinformation“ anklicken

[86] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – HV 1885 (Schlesinger)

Kataster der Reichs-Haupt- und Residenzstadt Wien : Handbuch für Ämter, Advocaten, Architekten, Baumeister, Bauunternehmer, Credit-Institute, Hausbesitzer, Kapitalisten, Notare etc.; mit Plänen der zehn Bezirke Wiens vollständig neu bearbeitet unter der Leitung des Wiener Stadtbauamtes / verf. von Jos. Schlesinger. Wien: Lechner 1885.

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/zoom/408282?zoom=2&lat=1669.211&lon=1942.474&layers=B

(Zugriff: 23.08.2019)

[87] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – HV 1905 (Kataster Lenobel)

Häuser-Kataster der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien : verfasst auf Grund des vom k. k. Oesterr. Finanz-Ministerium und der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellten Quellenmaterials / Hrsg.: Josef Lenobel. Wien: Lenobel 1905

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/zoom/815032?zoom=2&lat=2820.117&lon=1971.794&layers=B (Zugriff: 23.08.2019)

[88] Kapitel 4.8. Heugasse 20 – Website „ALBERT MILDE, kaiserlicher und königlicher Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien“, online: https://www.albertmilde.com/index.html , Artikel über die Schwarzenberg’sche Häusergruppe:

https://www.albertmilde.com/deu/schwarzengruppe.html (Zugriff: 23.08.2019)