Kapitel 4.6. Hotel Metropole in Wien

 

Dieses Hotel wurde – nach der Demolierung der Stadtmauer – im Jahr 1873 von den Architekten Carl Schumann und Ludwig Tischler anlässlich der Weltausstellung erbaut. [64]

Das folgende Foto dürfte kurz nach der Errichtung des Gebäudes entstanden sein – es wird mit „1870er-Jahre“ datiert.

 

Abb. 23. Hotel Metropol Vienna. Anonym - Welt ausstellen. Schauplatz Wien 1873. Herausgeber Technisches Museum Wien,

ISBN 3-902183-10-1. Gemeinfrei - https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055260 (Zugriff: 22.08.2019)

 

Der kurze Aufenthalt Bertha von Kinskys in diesem Hotel spielte in ihrem Leben insofern eine große Rolle, als er am Beginn der Phase der Geheimhaltung zwischen Rückkehr und Hochzeit stand und weil die damit verbundenen Ereignisse Wesenszüge der späteren Friedensnobelpreisträgerin deutlich machen.

 

In einer theaterreifen Inszenierung verlief hier das Wiedersehen mit Arthur nach ihrer Rückkehr aus Paris. In ihren Memoiren schildert sie die Szene sehr genau.

„Ich hatte meine Ankunft nicht angesagt – überraschen wollte ich. Von der Eisenbahn fuhr ich in ein Hotel; schickte ein Billettchen in die Canovagasse, worin ich mit verstellter Schrift den Herrn Baron Artur bat, in das Hotel Metropole, Zimmer Nr. 20, zu kommen, wo eine Dame aus Paris ihm eine Botschaft der Gräfin Bertha zu überbringen hatte.“ [65]

Hier fand der völlig überraschte Arthur Bertha vor. Spontan wurde beschlossen, heimlich zu heiraten. [66]

 

Das Treffen mit Arthur offenbart einen Hang zur Theatralik, die ausgefeilte Darstellung der Szene beweist schriftstellerische Fähigkeiten, der Verlauf der Handlung und der Stil der Schilderung sind von Impulsivität und starken Emotionen geprägt. Bertha von Kinsky war eine Frau, die immer wusste, was sie wollte, und die das Geschehen auch so wiedergab, wie sie es in Erinnerung hatte, wie sie es gerne gehabt hätte oder wie es sich im Lauf der Jahre bei ihr festgesetzt hatte.

Bertha von Suttner stellt die Szene so dar, als könnte sie sich noch beim Schreiben der Memoiren an jedes Wort des Dialogs erinnern. Über präzise zeitliche Angaben lässt sie den Leser aber im Unklaren. Der genaue Zeitpunkt ihrer Rückkehr ist unbekannt. Sie hat bei der Paris–Reise kein Datum genannt, und auch das Datum der Rückkehr nach Wien ist unbekannt.

  

Ein Foto dieses Hotels in Wien I., Morzinplatz 4, aus dem Jahr 1924 erweckt einen freundlichen, romantischen Eindruck.

 

Abb. 24. Wien 1, Morzinplatz 4. Durchblick vom Morzinplatz gegen die Salztorgasse. Im Vordergrund Hotel Metropol.

Körperschaft: Verlag P. Ledermann Wien, Glasplatte 1924, Inventarnummer 270699 D / ÖNB

http://www.bildarchivaustria.at/Preview/1876559.jpg (Zugriff: 22.08.2019)

 

Das Hotel Metropole erlangte jedoch nach dem „Anschluss“ traurige Berühmtheit. Ab 1938 war das Gebäude Gestapo-Leitstelle. Hier fanden täglich zahllose Verhöre statt, hier wurden viele Häftlinge gefoltert und physisch und psychisch misshandelt. 1945 brannte das Gebäude ab und wurde wenige Jahre später völlig abgerissen. [67]

 

Am Standort des früheren Hotel Metropole, I., Morzinplatz 4, wurde in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der Leopold-Figl-Hof errichtet [68], gegenüber der Front zum Morzinplatz, also vor dem Eingang des ehemaligen Hotel Metropole, wurde von der Stadt Wien 1985 ein Mahnmal für die Gestapo-Opfer auf dem Morzinplatz errichtet. [69]

 

Abb. 25. Leopold-Figl-Hof in Wien I., Morzinplatz 4, früherer Standort des Hotel Metropol,

von der Marienbrücke aus aufgenommen – Foto: Günter Oppitz (23. August 2019)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 26. Leopold-Figl-Hof in Wien I., Morzinplatz 4, früherer Standort des Hotel Metropol,

Front des neuen Gebäudes Richtung Morzinplatz –

Foto: Günter Oppitz (23. August 2019)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 27. Mahnmal für die Gestapo-Opfer auf dem Morzinplatz – Foto: Günter Oppitz (23. August 2019)

 

 

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[64] Kapitel 4.6. Hotel Metropole – Wikipedia: Hotel Métropole

https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_M%C3%A9tropole (Zugriff: 22.08.2019)

[65] Kapitel 4.6. Hotel Metropole – Bertha von Suttner, Memoiren 1909, S. 135

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=665&teil=0403&seite=00000135&zoom=2 (Zugriff: 22.08.2019)

[66] Kapitel 4.6. Hotel Metropole – Bertha von Suttner, Memoiren 1909, S. 136

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=665&teil=0403&seite=00000136&zoom=2 (Zugriff: 22.08.2019)

[67] Kapitel 4.6. Hotel Metropole – Wikipedia: Hotel Métropole

https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_M%C3%A9tropole (Zugriff: 22.08.2019)

[68] Kapitel 4.6. Hotel Metropole – Wien Geschichte Wiki: Leopold-Figl-Hof

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Leopold-Figl-Hof (Zugriff: 22.08.2019)

[69] Kapitel 4.6. Hotel Metropole – Wikipedia: Hotel Métropole

https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_M%C3%A9tropole (Zugriff: 22.08.2019)