Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys

 

 

Sie wurde nicht, wie oft behauptet wird, im wunderschönen Palais Kinsky am Altstädter Ring in Prag geboren, sondern in Prag II, in einem Neustädter Haus mit der damaligen Konskriptionsnummer 697, sie wurde auch nicht in der Theinkirche, sondern in der Pfarre Maria Schnee getauft. [18]

 

Die Taufeintragung von Bertha von Kinsky in Praha II –Archiv Praha – Nové Město – Kostel P. Marie Sněžné – PMS N6 •1838-1846, Fol. 176, Bild 193, 

geb. am 9. Juni 1843, getauft am 20. Juni 1843

 

Abb. 5a: Die Taufeintragung in Praha II – Archiv Prag – Nové Město – Kostel P. Marie Sněžné – PMS N6 •1838-1846,

Fol. 176, Bild 193; linke Seite des Taufbuches mit den Angaben über die Getaufte und ihren verstorbenen Vater

 

Abb. 5b: Die Taufeintragung in Praha II – Archiv Prag – Nové Město – Kostel P. Marie Sněžné – PMS N6 •1838-1846,

Fol. 176, Bild 193; rechte Seite des Taufbuches mit den Angaben über die Mutter und die Paten

 

Als Geburtsadresse des Kindes bzw. als Wohnadresse seiner Mutter wird 697 / 2 angegeben, das heißt: Konskriptionsnummer 697 in Prag II (= Neustadt).

Als Paten fungierten nicht hochadelige Persönlichkeiten, sondern „Babete Kralischek Kamermädchen“ und „Arthur Graf Kinsky Sohn des Tit. Franz Grafen Kinsky k.k. Feldmarschall Lieutenanten“, also der erst sechsjährige Bruder Berthas. Auch für sie wird die Konskriptionsnummer 697 im II. Bezirk, also in der Neustadt von Prag, angegeben.

 

Eine gewisse Verwirrung kommt bei manchen Forschern dadurch zustande, dass Bertha von Suttner in ihren Memoiren die Geburtsadresse weglässt und sich auch nicht auf das Geburts- und Taufbuch, sondern auf einen Taufschein (mit geänderter Orthografie) beziehen dürfte. [2]

 

Die tschechischen Wissenschaftler Milan Tvrdik [19] und Jana Hodurova [20] haben nachgewiesen, dass sich der Standort dieses Gebäudes Ecke Vodičkova ulice (früher: Wassergasse) / Ulice v Jame (früher: In der Grube bzw. Grubengasse) befunden haben muss.

 

Das Haus, das im Blog Prag aktuell von Konstantin Kountouroyanis an diesem Standort gezeigt wird, muss allerdings viel später erbaut worden sein; darauf weisen der Baustil und das Fehlen der alten Konskriptionsnummer 697 hin [21]. Normalerweise werden auf den Karten bei alten Häusern sowohl die alten Konskriptionsnummern als auch die modernen Orientierungsnummern angeführt. Dementsprechend sind an alten Gebäuden auch zwei Nummerntafeln angebracht.

Jana Hodurova schreibt ja auch, dass das Haus nach dem 1. Weltkrieg abgerissen wurde und dass in den Jahren 1920-1922 an dieser Stelle das Haus „U Novaku“ entstand. Die an dieser Stelle auf der Karte eingezeichnete Passage hat ebenfalls die Bezeichnung „U Novaku“. [20]

 

 

 

Abb. 6. Das Haus an der Ecke Vodičkova ulice (früher: Wassergasse) /

Ulice v Jame (früher: In der Grube bzw. Grubengasse) am Standort des

früheren Hauses Praha II / Nr. 697; Foto: Konstantin Kountouroyanis

 

Weder in Berthas Geburtseintragung noch in der Sterbeeintragung ihres Vaters vom 4. Jänner 1843 (Bertha wurde posthum ca. 5 Monate später geboren) findet man in der Adressangabe das berühmte Palais Kinsky.

Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau hatte mit seiner Familie bereits zur Zeit seines Ablebens in der Neustadt von Prag im Pfarrgebiet von Maria Schnee gewohnt.

 

In der Sterbeeintragung [22] wird als Adresse 18/2 angegeben, also Konskriptionsnummer 18 in Praha II (Neustadt), das wäre heute Jungmannova 5, nur wenige Gehminuten von der Geburtsadresse Berthas Praha II – 697 entfernt.

 

Abb. 7. Sterbeadresse von Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau in Prag II / Jungmannova 18 / 5

und Geburtsadresse Berthas in Praha II / Ecke Vodičkova – V Jámě

Mapire - Habsburgermonarchie - Franziszeischer Kataster

 

 

Ihre Kindheit und Jugendzeit verlebte Bertha in Brünn beim Vormund, dem Landgrafen Friedrich Fürstenberg.

Hier erhielt sie eine gute Ausbildung in Fremdsprachen und Musik und konnte sich durch Lektüre eigenständig weiterbilden.

 Kapitel 5. Die adelige Gouvernante bei den Töchtern des Freiherrn Karl von Suttner

 

Der Zugang zu hochadeligen Kreisen blieb ihr verwehrt. Es handelte sich zum Teil um das Fehlen der Hoffähigkeit, da sie nicht auf mindestens 16 hochadelige Vorfahren in ununterbrochener Reihenfolge zurückblicken konnte [23]. Aber auch die Spielsucht der Mutter dürfte dazu beigetragen haben, dass sich Bertha von Kinsky gesellschaftlich isoliert fühlte. [24]

 

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[2] Kapitel 1. Einleitung – Bertha von Suttner, Memoiren, 1909

 

Textteil (ab S. 15): http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=665&teil=0403&seite=00000015&zoom=2 (Zugriff: 20.08.2019)

[18] Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys: Die Taufeintragung in Praha II – Archiv Praha – Nové Město – Kostel P. Marie Sněžné – PMS N6 •1838-1846, Fol. 176, Bild 193

http://katalog.ahmp.cz/pragapublica/permalink?xid=E67630DA181F401BBC61C55517093EF8&scan=193#scan193 (Zugriff: 19.08.2019)

[19] Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys – Suttner im Kon Text: Interdisziplinäre Beiträge zu Werk und Leben der Friedensnobelpreisträgerin. Hg.  Johann Georg Lughofer. 1974 – , Hg. Milan Trvdik, 1953 – , S. 135

[20] Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys – Jana Hodurova, Život pro mir. Praha 2006, S. 11

[21] Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys – Blog Prag aktuell von Konstantin Kountouroyanis / 1.2.2018 / unter „Feuilleton“

https://www.prag-aktuell.cz/blog/der-kampf-die-vermeidung-des-krieges-06022018-20576 (Zugriff: 19.08.2019)

[22] Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys – Sterbeeintragung vom 4.8.1843 von Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau: Archiv Prag – Praha II – Nové Město –  Kostel P. Marie Sněžné –  Archivalie PMS Z3 • 1831-1865 – Fol. 93 / Pag. 196 / Bild 98

http://katalog.ahmp.cz/pragapublica/permalink?xid=164B981A1B6E4749862096F7B4F563DE&scan=98#scan98 (Zugriff: 19.08.2019)

[23] Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys – Martin Mutschlechner, Nur für Mitglieder – die Hoffähigkeit

online: https://www.habsburger.net/de/kapitel/nur-fuer-mitglieder-die-hoffaehigkeit (Zugriff: 19.08.2019)

[24] Kapitel 4.1. Geburtsadresse Bertha von Kinskys – Vgl. Hamann S. 15, S. 17-20